Majanne Behrens fasst die Erfahrungen ihrer Kunstfigur im Buch "Kühe, Kunst, Kartoffeln" zusammen Von Tante Emma und Onkel Wilhelm

Im Sommer war die Ringmarer Künstlerin Majanne Behrens, verkleidet als Tante Emma, in Kirchdorf und Twistringen unterwegs. Aus ihrem umgebauten Imbissmobil erzählte und ließ sie Geschichten erzählen. Rund um ihr Projekt hat sie jetzt das Buch "Kühe, Kunst, Kartoffeln - Tante Emmas demografischer Handel auf dem Land" veröffentlicht und gestern im Syker Kreismuseum vorgestellt.
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Von Tante Emma und Onkel Wilhelm
Von Christoph Starke

Im Sommer war die Ringmarer Künstlerin Majanne Behrens, verkleidet als Tante Emma, in Kirchdorf und Twistringen unterwegs. Aus ihrem umgebauten Imbissmobil erzählte und ließ sie Geschichten erzählen. Rund um ihr Projekt hat sie jetzt das Buch "Kühe, Kunst, Kartoffeln - Tante Emmas demografischer Handel auf dem Land" veröffentlicht und gestern im Syker Kreismuseum vorgestellt.

Bassum·Landkreis Diepholz. Heinrich Kammacher öffnete das Fenster und freute sich. Der Grund der Freude des Kirchdorfer Samtgemeindebürgermeisters: Vor dem Rathaus ertönte Gesang - und das fast jeden Freitag in diesem Sommer. Dahinter steckte Majanne Behrens alias Tante Emma, die mit ihrem umgebauten Imbisswagen "demografischen Handel" - wie sie es selber nennt - betrieb. Sie erzählte Geschichten, hörte sich welche an, sponn neue oder sang mit den Besuchern, die an ihren Wagen traten. Dafür kleidete sie sich stilecht mit Kittel und Kopftuch - Tante Emma eben.

Ausschnitte aus ihrem künstlerischen Programm und Eindrücke der Aktion, mit der sie auch in Twistringen und natürlich auf ihrem eigenen Hof in Klein Ringmar zu sehen war, hat sie jetzt in einem Buch - vollgespickt mit Geschichten, Anekdoten, Gedanken, Erfahrungen, Liedtexten und Zeichnungen - zusammengefasst. Gestern hat sie "Kühe, Kunst, Kartoffeln - Tante Emmas demografischer Handel auf dem Land" im Syker Kreismuseum vorgestellt. Dort ist das Buch auch in einer 500er-Auflage für 15 Euro erhältlich.

Durch ihr Treiben wurde Majanne Behrens in Kirchdorf schnell bekannt, Tante Emma zu einer gefragten Frau, erzählt sie. Fans luden sie zu sich nach Hause ein und sagten ihren Nachbarn Bescheid, sodass die Wohnzimmer recht voll waren, erinnert sich die Künstlerin. Der Abschluss in der Samtgemeinde fand im Dorfgemeinschaftshaus statt. "70 Leute kamen."

Doch es trat ein Problem auf. Majanne Behrens konnte das Ganze nicht mehr aus eigener Tasche finanzieren. Also schrieb sie die Deutsche Stiftung Kulturlandschaft in Berlin an und bat um Förderung. Bei der Stiftung sei man angetan gewesen, Majanne Behrens sollte gefördert werden - wenn aus der Aktion ein Buch entsteht, erzählt die Künstlerin und so geschah es schließlich. Weitere Unterstützung erfuhr sie durch die Samtgemeinde Kirchdorf und dem Landschaftsverband Weser-Hunte.

So lässt Majanne Behrens in "Kühe, Kunst, Kartoffeln" die Menschen vom Lande zu Wort kommen, wie beispielsweise den 92-jährigen Wilhelm - Onkel Wilhelm genannt -, der Tante Emmas Laden auf vier Rädern besuchte, als die Künstlerin mal wieder in Kirchdorf vor dem Rathaus Station machte. Ihm und seinen Neffen, der ebenfalls Wilhelm hieß, zeigte sie eine alte Stalllaterne, um mit den beiden ins Gespräch zu kommen. "So eine hatte ich am Leiterwagen", hätte Onkel Wilhelm gesagt und ihr von damals erzählt, wie sie das Gespann unter anderem zum Erntetransport nutzten. Diese Begebenheit findet sich im Buch als Gedicht mit dem Titel "Onkel Wilhelms Leiterwagen" wieder. "Auf dem Leiterwagen saß ich froh, mein Kissen war ein Sack voll Stroh, mein Pferd zog mich und meine Fracht, hab manche schöne Fahrt gemacht", heißt es dort beispielsweise.

Doch auch ihr genereller Ansatz ist in ihrem Buch zu finden. Majanne Behrens will für Kultur auf dem Land sensibilisieren, für sie werben. Das war für sie selber auch nicht immer einfach. Lebte und arbeitete sie doch vorher in Bremen. "Als ich damals nach Klein Ringmar gezogen bin, war das ein Schock." Diese Erfahrungen schildert sie im ersten Teil ihres Buches. "Die erste Nacht in Klein Ringmar war leise. Still wie Stillstand, Ich stand am Fenster des alten Bauernhauses und schaute ins Nichts! Tief, schwarz, abgeschieden, ländlich!"

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