St. Paulus Syke

Ein starker Kraftakt

Die Kirche St. Paulus in Syke ist allein deshalb besonders, weil sie katholisch ist. Durch die Minderheit der Gläubigen war erst später eine eigene Kirche vonnöten. Diese wurde im Dezember 1951 geweiht.
16.10.2020, 17:05
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Von Dagmar Voss
Ein starker Kraftakt

Altar und Gemälde in der St.-Paulus-Kirche: Der Opfertod Christi, wie es die Kirchenmalerin Hildegard Birks Anfang der 1950er-Jahre gestaltet hat.

Michael Braunschädel

Syke. Es ist schon erstaunlich, wie sich im Laufe der Geschichte die Bestimmung von Bauwerken ändern kann. Zum Beispiel die vielen einstmals katholischen Kirchen, die heutzutage evangelisch sind. Jedenfalls in Norddeutschland. Da wurden viele alte Sakralbauten des römisch-katholischen Glaubens aufgrund der Reformation nach 1514 zu solchen des lutherischen Bekenntnisses umgewidmet. Wohingegen die wenigen hier verbliebenen Katholiken im Laufe der folgenden Jahrhunderte dann neue Gotteshäuser bauen mussten.

So geschah es jedenfalls in Syke nach 1552. Nach der Chronik der St.-Paulus-Kirche von Johannes Drescher „erlosch zwischen Oldenburg und der Weser jegliches katholische Leben. Allein das Kirchspiel Twistringen blieb weiterhin treu katholisch.“ 1845 soll man in Syke laut Drescher 986 Einwohner gezählt haben, darunter zwei Katholiken. Gewerbetreibende mit den Erzeugnissen westfälischer Feinweberei und Beamte, die für den Ausbau von Bahn, Post und Verwaltung beauftragt waren, sorgten laut Geschichtsschreibung für eine Steigerung der Syker Katholiken auf 44 um das Jahr 1900.

In dem Jahr wurde auch erstmals wieder die heilige Eucharistie gefeiert. Vorher mussten die Gläubigen dazu nach Twistringen oder Bremen fahren. Doch im Jahr 1900 gelang es, in dem seit 1897 leer stehenden ehemaligen Schulgebäude des Fleckens an der Hauptstraße 44 eine Kapelle einzurichten.

In Gottes Häusern, St. Paulus Gemeinde Syke,

Die Kirchentür mit ihrer kunstvollen farbigen Doppelglastür wurde ebenfalls von Hildegard Birks gestaltet.

Foto: Michael Braunschädel

Nach dem Ersten Weltkrieg, in einer Zeit, in der es viele Flüchtlinge gab, wurde ihnen diese Gegend eine neue Heimat. „Vorwiegend Geflüchtete aus Schlesien, vor allem auch nach dem Zweiten Weltkrieg, fühlten sich hier willkommen“, kann der heutige Pfarrer Peter Grunwaldt berichten. Mit dem Strom der Heimatvertriebenen kamen auch Geistliche in die Region und erleichterten die Seelsorge in den ländlichen Gebieten. Außerdem wurde ein Versammlungsraum immer wichtiger. Und so wurde 1929 der katholische Kirchbauverein gegründet. Man erwarb das Grundstück mit Wohnhaus Auf den Wührden 15 und plante fortan, dort eine Kirche zu errichten. Zunächst einmal entstanden im Haus Büro, Kapelle und Wohnräume, auch für den ersten ortsansässigen Priester. In den folgenden Jahren, als immer mehr Gläubige zu den Gottesdiensten kamen, platzte die Kapelle schnell aus allen Nähten. Bis dann 1944 die Pastoren der evangelischen Landeskirche ihre Gotteshäuser öffneten und regelmäßige katholische Gottesdienste auch in Syke erlaubten.

Im Herbst 1950 kam von der bischöflichen Behörde in Osnabrück dann das grundsätzliche Einverständnis zum Bau einer Notkirche in Syke. Man entwickelte ein Grundkonzept dazu, in dem 340 Gottesdienstbesuchern Raum geboten werden sollte.

Februar 1951 wurde der Grundstein gelegt, zuvor hatte der Kirchbauverein Baustoffe gekauft und stellte neben den unverzichtbaren Handwerkern nur Hilfskräfte ein – allesamt Freiwillige der Gemeinde. „Das war ein starker Kraftakt aller Beteiligten und das auch noch ehrenamtlich“, weiß Grunwaldt.

In Gottes Häusern, St. Paulus Gemeinde Syke,

Im Jahr 1989 erhielt die Paulus-Kirche eine neue Orgel.

Foto: Michael Braunschädel

Der Chronist Drescher kann berichten, dass „die Innengestaltung und Ausmalung der Kirche nach künstlerischer Beratung der hinzugezogenen Schwester Hildegard Birks“ entstand. Sie war auch diejenige, die das große Altargemälde kreierte: „Das Gemälde stellt den Opfertod Christi am Kreuz dar, so wie ihn die Liturgie sieht." Außerdem schuf sie die Wandbilder mit den Darstellungen von Maria und Josef über den Seitenaltären sowie die Gestaltung der bleiverglasten Eingangsinnentür mit Symbolen aus der Sakramentenlehre.

Im Dezember 1951 wurde die Kirche geweiht, 1952 erhielt sie zwei Leihglocken. 1955 bekam der Sakralbau die erste Orgel aus der Werkstatt Führer in Wilhelmshaven, erst 1989 dann eine neue. 1969 wurde der Kircheninnenraum nach der Liturgiereform umgestaltet, 1974 erhielt die St.-Paulus-Gemeinde den Status einer Pfarrei. Das Kirchenschiff ist ein lichtdurchfluteter offener Raum. Pfarrer Grunwaldt beschreibt das Altarkreuz: „Es zeigt als ‚Triumphkreuz’ eine alte traditionelle Darstellung des Gekreuzigten ohne Wundmale, nicht leidend.“

In Gottes Häusern, St. Paulus Gemeinde Syke,

Die St.-Paulus-Kirche in Syke wurde in der 1950er-Jahren neu gebaut, nachdem die katholische Gemeinde stark gewachsen war.

Foto: Michael Braunschädel
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