Wassermühle Barrien

Über die Vorzüge des Pensionsalters

Es hat schon seine Vorteile, älter zu werden. Enkelkinder können einer sein, die Pension ein anderer. Madeleine Sauveur legte sie in der Barrier Wassermühle alle in humorvollen Pointen dar.
25.10.2020, 16:45
Lesedauer: 2 Min
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Von Dagmar Voss

Es gab sicherlich mehr als nur eine Oma, die sich ertappt fühlen konnte bei den satirischen Betrachtungen Madeleine Sauveurs über das Großmutter-Dasein. Die vielen kleinen humorvollen Pointen und scharfzügigen Spitzen in Bezug auf Erlebnisse und Erkenntnisse aus dem wahren Leben als Oma trafen genau auf den Punkt. Denn wer hat nicht schon insgeheim mal den Kopf geschüttelt ob der Helikopter-Allüren der eigenen Kinder bei den Enkeln? Oder innerlich geschmunzelt, weil doch das kluge Enkelkind einem selbst deutlich ähnlicher ist als der humorlosen Schwiegertochter?

Welche anderen Vorzüge eine ältere Dame im Pensionsalter noch so hat, schilderte die gebürtige Braunschweigerin immer wieder urkomisch. So am Beispiel der Bäcker-Schlange. Wenn morgens beim Bäcker so viele Leute anstehen, geht sie frech nach vorne auf Platz eins; frei nach dem Motto: „Ich bin Oma, wo ich bin ist vorne.“ Und dann kauft sie sich das Wichtigste des Tages: zwei Flaschen Eierlikör, eine Flasche Chantré und zwei Piccolöchen.

Immerhin lautete das neue Programm der Komikerin „Lassen Sie mich durch – ich bin Oma!“, mit dem sie sich an alle diejenigen wandte, die entweder schon mal an die Zukunft denken wollten oder bereits einschlägige Erfahrungen sammeln konnten. Schon mal einen Vorgeschmack gab sie im Kostüm einer gebückten Alten mit Schirm, Schal und Sonnenbrille: „Nun muss ich hier allein die Hühnerleiter hoch, heute hilft einem ja keiner mehr“, sagte sie und hüstelte, als sie endlich ihren Platz neben dem Piano erreicht hatte: „Husten, wir haben ein Problem.“

Ein weiteres Thema sei, dass sie das Handy angeschaltet lassen müsse wegen Rufbereitschaft für die Enkel. Sich innerlich auf diese Zeit als Oma einzustellen, damit habe sie allerdings vorher auch geliebäugelt. Sie hatte sich vorgestellt, was sie alles noch mal machen wollte. Endlich mal an sich selbst denken nach dem Leben als berufstätige Frau, in Borneo eine Orang-Utan-Station aufbauen, mit Installateur Kowalski im Bad eine Fußbodenheizung installieren oder sich endlich mit einer Donald-Trump-Maske ins Auto setzen, sich blitzen lassen und fröhlich in die Kamera winken. Oder sich auf die Demenz freuen, weil sie dann abends immer einen anderen Mann am Klavier habe.

Ihr musikalischer Allround-Begleiter Clemens Maria Kitschen nahm's mit einem Lächeln und haute in die Tasten – oder auch mal in Mehreres zeitgleich: linke Hand am Keyboard, rechte Hand mit Stock am Schlagzeug und mit den Füßen auf einem liegen Bassinstrument. Er hatte, wie immer, die Lieder des Programms vertont – anspruchsvoll, unangepasst und trotzdem eingängig.

Dazu brachte die Komödiantin einige amüsante Lieder zu Gehör wie „Oma sein, noch voll ins Leben rein“. Unterschiede zur Jugend seien nur marginal, die einen hätten Pickel, die anderen Falten, erklärte Sauveur. Aber es gab Fragen, auf die sie selbst eine Antwort finden wollte. Die erste lautete: „Welche Art Oma will ich sein: Oma classic oder Oma light?“ Die erstere trage viel Schwarz, Dauerwelle, Schnürschuhe, Kittelschürze und einen Gesichtsausdruck mit der Erkenntnis, es gebe nichts Neues mehr. Nebenbei dazu passend der Opa classic, der ein Phantom sei, also nie da. Oma light hingegen sei zugewandt, ohne Verbindlichkeit, weil man ja noch so viel anderes tun müsse. Nach zähen Verhandlungen mit sich selbst kam sie dann auf 85 Prozent light und 15 Prozent classic.

Weitere Fragen wurden mal witzig, mal nachdenklich beantwortet. Eine lautete: „Wie kann es bloß sein, dass man nachts um 3 völlig übermüdet ein lebendiges Megaphon mit Verdauungsproblemen stundenlang auf dem Arm trägt und dabei vor Stolz und Glück aus dem Lächeln nicht mehr herauskommt?“ Für die Zuhörer in der ausverkauften Wassermühle galt dasselbe: Sie kamen am Freitagabend aus dem Lachen kaum heraus.

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