Immobilienmarkt in Moordeich Wenige Angebote für Hauskäufer

Stuhr-Moordeich . Gibt es in Moordeich für potenzielle Hauskäufer genügend Angebote oder nicht? Genau diese Frage ist bei der Diskussion um das geplante Baugebiet Zu den Gehöften immer wieder aufgetaucht. Das Angebot ist überschaubar, die Nachfrage wohl sehr groß.
10.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Claudia Gilbers

Stuhr-Moordeich . Gibt es in Moordeich für potenzielle Hauskäufer genügend Angebote oder nicht? Genau diese Frage ist bei der Diskussion um das geplante Baugebiet Zu den Gehöften immer wieder aufgetaucht. Die Befürworter sagen nein, die Gegner sagen ja. Der WESER-KURIER wollte es genau wissen und hat sich in Immobilienportalen und bei Maklern umgehört. Fazit: Das Angebot ist überschaubar, die Nachfrage aber offenbar sehr groß - wenn der Preis stimmt.

Einfamilienhaus, Baujahr 1972, mit 120 Quadratmetern sucht für 179.000 Euro einen neuen Besitzer. Das ist eins von zehn Angeboten, die am Mittwoch in einem großen Online-Immobilienportal für Moordeich zu finden waren. Um möglichst viele Treffer zu landen, haben wir bei unserer Suche vieles offengelassen und nur "Haus zum Kauf in Stuhr" eingegeben. Speziell auf einen Ortsteil lässt sich die Suche nicht eingrenzen, deshalb schauen wir die 75 Treffer für Stuhr anschließend genau durch, um den genauen Standort zu ermitteln. Zugegeben, bei einigen Angeboten erfahren wir nicht, wo genau sich die Immobilie befindet, es könnten also auch mehr als zehn sein. Dennoch: zehn von 75 - kein guter Schnitt.

Bei vier der zehn Immobilen handelt es sich um Reihenhäuser aus den 70-er, 80-er und 90-er Jahren mit Wohnflächen von 92 bis 140 Quadratmetern. Die Preise variieren von 115.000 bis 169.000 Euro. Ebenfalls angeboten wird eine Doppelhaushälfte (Baujahr 1975, 106 Quadratmeter) für 124.900 Euro. Vier weitere Angebote sind Einfamilienhäuser, davon zwei aus den 70-er Jahren und zwei aus den 2000-er Jahren. Bei einem der älteren Häuser findet sich der Hinweis, dass es im Jahr 2009 modernisiert wurde. Beide 70-er Jahre-Häuser verfügen über 120 Quadratmeter Wohnfläche und sollen knapp unter 180.000 Euro kosten. Deutlich teuer sind die neueren Einfamilienhäuser. Für ein Haus mit 170 Quadratmetern müssten 320.000 Euro bezahlt werden. 259.000 Euro kostet das andere Haus mit 230 Quadratmetern. Allerdings würden noch Kosten dazu kommen, denn das Haus ist laut Anzeige erst zu zwei Drittel fertig. Für diejenigen, die es gerne noch größer hätten, gibt es außerdem noch ein Anwesen (Baujahr 1970, 308 Quadratmeter) auf einem sehr großen Grundstück für 990.000 Euro.

Gerade ein Haus in Moordeich verkauft hat Thomas Ahrens vom Immobilienbüro Oestmann & Ahrens in Brinkum. Und er könnte noch mehr verkaufen, sagt er. "Es gibt im Moment eine sehr intensive Nachfrage", so Ahrens. Das hänge unter anderem mit der Inflationsangst vieler Menschen, aber auch mit den immer noch sehr niedrigen Zinsen zusammen. In Moordeich seien im Moment besonders Einfamilienhäuser sehr gefragt. "Das sind oft Interessenten aus einer kaufkräftigen Schicht, die Wert auf die Lage legen", sagt Ahrens. Deshalb könne man zum Beispiel diese Interessenten auch nicht für ein Haus in Groß Mackenstedt begeistern. "Das ist zu weit raus", so der Immobilienmakler. Je näher die Häuser an der Grenze zu Bremen liegen, desto besser. Interessenten, für die Moordeich oberste Priorität hat, könne man aber auch nicht in Richtung Brinkum umstimmen.

Diese Erfahrung hat auch Marion Böse gemacht, die bei der Volksbank Syke für die Immobilienvermittlung zuständig ist. "Brinkum hat ein anderes Flair", erklärt sie, warum man die Ortsteile nicht miteinander vergleichen kann. Auch bei der Volksbank sei die Nachfrage nach Immobilien in Moordeich groß. "Wir hätten gerne mehr Angebote", sagt Böse deshalb. Auch sie nennt die gute Infrastruktur als ein wichtiges Kriterium der Interessenten für Moordeich: "Die Schule ist in der Nähe, und viele wollen ruhig und zentral wohnen."

Fehlende Sanierungen

Dass das Angebot im Moment "recht mau" ist, hat auch Frank Seidel, Prokurist bei LBS Immobilien, beobachtet. Das sei aber typisch für diese Zeit. "Im vergangenen Jahr haben wir aber in Moordeich ein paar Sachen verkauft", sagt er. Die Tatsache, dass sich für einige Objekte aber trotzdem keine Käufer finden, wundert ihn nicht. Schließlich müsse der Preis schon marktgerecht sein. Ähnlich sieht das Thomas Ahrens: "Bei den Häusern, die nicht verkauft werden, sind die Preisvorstellungen einfach zu hoch." Und Marion Böse ergänzt: "Wenn der Preis marktgerecht ist, wird man ein Haus auch los." Ein weiteres Problem bei vielen Altimmobilien seien fehlende Modernisierungen. "70 Prozent der älteren Immobilien haben Sanierungsstau", schätzt sie.

Große Befürchtungen, dass das neue Baugebiet den Markt mit Gebrauchtimmobilien in Moordeich ruinieren könnte, haben die Experten nicht. "Ich würde das ganz entspannt sehen", sagt Marion Böse. Wer sein Haus zu einem reellen Preis anbiete, werde es in Stuhr immer los. "Das Baugebiet wird sich nicht so immens auf den Markt auswirken", pflichtet Thomas Ahrens bei. Frank Seidel spricht von "etwas Konkurrenz", weiß aber auch, dass ein Neubau gar nicht für jeden in Frage kommt. Viele junge Familien würden zum Beispiel ein Reihenhaus oder eine kleine Doppelhaushälfte suchen, anstatt neu zu bauen. "Das ist ja auch immer eine Frage des Geldes", gibt er zu bedenken.

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