Edo Zanki spricht im Interview mit dem Weser-Kurier über Lena Meyer-Landruts Welpen-Charme und einen Brief von Bono Wenn kein Musiker, dann Sternekoch

Der Musiker und Produzent Edo Zanki kommt am Freitag, 13. Mai, zu einem Konzert ins Stuhrer Rathaus. Im Gepäck hat er seine neue CD, aber auch Klassiker aus der Zeit seines langjährigen Schaffens. Markus Tönnishoff unterhielt sich mit Zanki über Lena, Casting-Shows und einen handgeschriebenen Brief vom U2-Sänger Bono.
27.04.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Der Musiker und Produzent Edo Zanki kommt am Freitag, 13. Mai, zu einem Konzert ins Stuhrer Rathaus. Im Gepäck hat er seine neue CD, aber auch Klassiker aus der Zeit seines langjährigen Schaffens. Markus Tönnishoff unterhielt sich mit Zanki über Lena, Casting-Shows und einen handgeschriebenen Brief vom U2-Sänger Bono.

Lena tritt beim kommenden Grand-Prix mit dem Lied "Taken by a Stranger" an. Glauben Sie, dass sie mit dem Lied gewinnen kann?

Edo Zanki: Ich glaube, dass sie uns allen im letzten Jahr mit ihrer Frische, Jugendlichkeit und Unverdorbenheit so gut gefallen hat. Man kann nicht annehmen, dass dieser Welpen-Charme den Rest des Lebens anhält. Es wird schwer, wenn man dann wieder antritt mit einem Lied, das in meinen Augen nicht sehr stark ist. Selbst wenn sie einen starken Song hätte, würde es entsetzlich hart für sie. Man kann Lena nur wünschen, dass sie ein Publikum hat, das sie über den Moment des Siegens hinaus noch liebt - ein Publikum, das sie für das mag, was sie ist.

Was halten Sie von Casting-Shows?

Man muss sich klar machen, dass es keine Musiksendungen sind. Es geht nicht darum, Musik vorzuführen, sondern es ist ein Fernsehformat. Als Fernsehformat gibt es daran nichts zu deuteln, es läuft auch erfolgreich in vielen anderen Ländern. Die Leute wollen das offensichtlich sehen. Aber ich weiß nicht, ob ich einem jungen Musiker wünschen soll, in eine solche Show zu geraten. Da bin ich zwiespältig. Ich glaube nämlich, dass die Musiker nur die Mittel zum Zweck für diese Show sind und die Show sich nicht wirklich auf die Musiker einlässt, sondern sie kurzfristig in den Orbit schießt. Ich habe es schon erlebt, dass Leute, die an solchen Shows teilgenommen haben, hinterher aus ihrem Leben komplett rausgekickt waren. Es ist schade, dass Künstler, die man gefunden hat, nach dem Ende der Show nicht weiter begleitet werden.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Die Musik war bei uns zu Hause ein Grundnahrungsmittel, obwohl niemand in meiner Familie beruflich Musik gemacht hat. Einer meiner älteren Brüder hatte eine Band. Eines Tages hat er sich von seinem Keyboarder getrennt und meinte, dass ich das Keyboard spielen sollte. Ich entgegnete zwar, dass ich das nicht könne, aber er sagte, dass ich das schon lernen würde.

Wer sind für Sie die wichtigsten Musiker?

Ich glaube, was den Soul angeht, habe ich am meisten von Aretha Franklin und Stevie Wonder gelernt. Aber ich interessiere mich auch für Chansons und Folk, ohne dass das bei mir eine Rolle gespielt hätte. Ich verehre zum Beispiel auch Reinhard Mey. Wir sind Freunde, und ich habe auch schon ein paar seiner Stücke produziert. Aber ich würde die Art von Musik nicht spielen wollen. Da ist mir zu wenig Raum für Interpretationen und zu viel Text. Aber Mey macht das auf eine grandiose Weise, und es sind ja auch viele Klassiker dabei entstanden.

Wenn Sie nicht Musiker geworden wären, was wären sie dann geworden?

Sternekoch. Schon lange vor den Kochshows war ich an kreativen und schmackhaften Gerichten immer sehr interessiert.

Welche Platte muss man unbedingt im Plattenschrank haben?

Ich würde sagen Platten von Black Dub mit Daniel Lanois, ein berühmter Producer und Gittarist in den USA. In dieser Band singt Trixie Whitley, die ich ebenso faszinierend finde wie Adele aus England.

Sie haben schon mit vielen Künstlern zusammengearbeitet. Gibt es noch einen, mit dem Sie ganz besonders gerne etwas machen würden?

Nein, ich verliebe mich immer wieder in die Arbeit verschiedener Künstler und freue mich unglaublich, wenn ich an ihrer Arbeit teilhaben kann. Aber einen Wunschpartner habe ich nicht.

Sie haben 1979 bei einem Festival in Nürnberg gespielt, bei dem auch The Who auftraten. Haben Sie da auch Stars hinter der Bühne getroffen?

Ja, Backstage war es faszinierend. Ich habe Miriam Makeba, Cheap Trick und The Who getroffen. Es war ein sehr buntes Festival, so was kennt man heute gar nicht mehr. Auch Hard- und Heavy-Bands waren dort, aber auch Joan Baez.

Sind solche Stars dann nett oder eher arrogant?

Die meisten Stars, die ich kennengelernt habe, waren unglaublich umgänglich. Meiner Erinnerung nach waren das The Who auch. Als ich die Söhne Mannheims produziert und auch bei ihnen mitgespielt hatte, waren wir mal Vorgruppe von U 2 in Köln. Wir haben auf unseren Auftritt gewartet, da kam eine junge Frau vom U 2-Management und brachte eine riesige Kühltasche. Darin war eine Flasche Champagner und ein Sixpack Guinness. Sie überreichte uns auch einen netten handgeschriebenen Brief von Bono. Aber es gibt natürlich auch andere Fälle. Ich habe mal als Vorgruppe der Kinks im Hamburger Stadtpark gespielt. Als wir fertig waren, mussten hinter der Bühne schnell alle Wege frei gemacht werden, denn dann kamen die fünf Kinks, jeder mit einem eigenen Wagen und jeder hatte einen eigenen Weg zur Bühne, denn die konnten sich überhaupt nicht leiden. Auf der Bühne haben sie dann auf "Wir sind eine Band" gemacht.

Haben Sie noch Lampenfieber?

Lampenfieber in dem Sinne hatte ich eigentlich nie. Mal hatte ich mehr oder weniger Angst vor einem Auftritt, aber das ist einer großen Freude gewichen. Natürlich ist man gespannt auf das, was passiert. Vor einem Konzert ist das schon ein besonderer Moment. Und wenn man das nicht verstehen würde, würde man auch was verpassen. Man latscht nicht auf eine Bühne raus, so wie man zu einem Grillfest geht. Wir nehmen uns vor einem Auftritt in den Arm und wünschen uns alles Gute für unsere gemeinsame Sache.

Welche CD haben Sie zuletzt gekauft?

Ach, weiß ich nicht mehr. Da muss ich passen. Ich bekomme immer auch viele geschenkt, von Kollegen. Aber als nächstes werde ich mir die neue Platte von Adele kaufen.

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