Zum Tag des offenen Denkmals können die Besucher der alten Wassermühle Bruchmühlen einiges entdecken Wie aus Spargel Papier wird

Gisela Grosse Frie hat eine Leidenschaft: das Papier. Und das stellt sie im historischen Ambiente der alten Wassermühle Bruchmühlen in Homfeld aus heimischen Pflanzen selber her. Zum Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag, 8. September, demonstriert sie in der Mühle die Kunst des Papierschöpfens für interessierte Besucher.
05.09.2013, 00:00
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Von Karin Neukirchen-Stratmann

Gisela Grosse Frie hat eine Leidenschaft: das Papier. Und das stellt sie im historischen Ambiente der alten Wassermühle Bruchmühlen in Homfeld aus heimischen Pflanzen selber her. Zum Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag, 8. September, demonstriert sie in der Mühle die Kunst des Papierschöpfens für interessierte Besucher.

Seit dem Jahr 2000 hat Gisela Grosse Frie die Wassermühle Bruchmühlen für ihr Papierwerkstattmuseum gemietet. Die Leidenschaft für Papier entstand an ihrer Arbeitsstelle: der Grundschule in Wechold, wo sie Schulleiterin ist. „Ein Kollege von mir und ich haben uns vor vielen Jahren in die Druckerei eingefuchst, wir gründeten eine Schuldruckerei“, blickt Gisela Grosse Frie zurück. Damals wollte sie eigentlich einen kleinen Gedichtband herausgeben, sie schrieb selbst Gedichte. „Ich suchte nach schönem Papier, es sollte aus Naturmaterialien sein.“

China, Japan und Nepal, so stellte Gisela Grosse Frie fest, waren da in der Produktion weit vorne. „Ich fragte mich dann: Wie kann man Papier herstellen?“ In Antiquariaten suchte die Pädagogin nach Büchern zur Papierherstellung und stellte dabei fest, dass die Kunst des Papierschöpfens eine 2000 Jahre lange Tradition hat – und ihren Ursprung in China. „Herr Tsai Lun erfand die heutige Art der Papierherstellung.“

Papyrus habe es natürlich schon vorher gegeben, weiß Gisela Grosse Frie, „daher stammt ja auch der Name Papier. Aber beim Papyrus wird die Pflanzenfaser übereinandergelegt und mit einem Schlegel bearbeitet, die Papierherstellung funktioniert ganz anders.“ Gisela Grosse Frie erläutert die Arbeitsschritte, die sie in ihrem kleinen Papierwerkstattmuseum auch zeigt.

„Zunächst muss der Rohstoff bearbeitet werden, also die Pflanzenfaser.“ Das können Stängel der Brennnessel sein, von Rosen, Lein, Hanf oder etwa Spargel. „Ja, das mit dem Spargel kam mir beim Kochen, als ich einen Sud aus den Schalen aufsetzte, da habe ich mir gedacht, daraus kann man bestimmt auch Papier herstellen.“ Und genau das machte Gisela Grosse Frie dann auch.

Der Pflanzenrohstoff wird zerkleinert, mit Wasser versetzt und gekocht, mitunter einen ganzen Tag lang. „Das sind dann Erfahrungswerte, die man im Laufe der Jahre sammelt, wie lange welche Faser am besten kochen muss.“ Früher hätten die Papiermacher die Pulpe, das ist der Brei, der beim Kochen entsteht, an den Zähnen zerrieben, um zu prüfen, ob die Fasern weich genug sind. „So wie man heute Nudeln al dente kocht“, erklärt Gisela Grosse Frie lachend. Die Pulpe kommt dann in den „Holländer“, eine Maschine, die die Fasern zerschlägt. „Diesen Holländer hier habe ich wirklich in Holland erworben.“

Jetzt geht die Papierherstellung in die „nasse Phase“. In einem großen Holzbottich mit viel Wasser und ein wenig Pulpe wird das Schöpfsieb eingesetzt und vorsichtig eine Lage Papier herausgeschöpft. „Das ist auch im wörtlichen Sinne ein Schöpfungsprozess“, zumindest für Gisela Grosse Frie. Das Sieb kommt umgekehrt auf ein Stück Filz und das Papier bleibt dann am Filz hängen, diesen Vorgang nennt man „Gautschen“. Die einzelnen Filze mit dem daran haftenden Papier hängt Gisela Grosse Frie an einer Wäscheleine in der Sonne zum Trocknen auf, vorher werden sie noch in einem Stapel, dem „Pauscht“, mittels einer großen alten Presse von Restwasser befreit. „Die getrockneten Bögen werden dann noch einmal etwas nass gemacht und gebügelt, fertig ist der Papierbogen“, so die 62-Jährige. Papier erstellt sie nicht nur aus Pflanzenmaterial, sondern auch aus alter Kleidung. „So wie im Mittelalter, da wurde Papier aus Lumpen gemacht.“

Am Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, können Interessierte der Papiermacherin von 11 bis 18 Uhr in der Wassermühle Bruchmühlen über die Schulter blicken. Es gibt weitere Termine in der Samtgemeinde. So ist der Kaffkieker wieder unterwegs. Außerdem werden zwei Fahrradtouren angeboten: Eine Tour führt zur Süstedter Mühle ab dem Tourismus-Service Bruchhausen-Vilsen um 11 Uhr. Die zweite Tour bringt die Teilnehmer nach Martfeld auf den Hof Stubbemann. Unter dem Titel „Auf den Spuren alter Grenzsteine und Grenzen“ geht es ab dem Amtshof Bruchhausen-Vilsen um 11 Uhr los. Anmeldung für beide Radtouren ist unter 04252/930055 möglich.

In Asendorf-Arbste bietet der Hof Arbste 7 von 14 bis 18 Uhr Besichtigungen und Aktionen an, Musik macht die Rumpeltruppe Asendorf auf hochdeutsch und „op platt“.

Der historische Bauerngarten der Familie Zempel ist von 11 bis 18 Uhr geöffnet, ab 15 Uhr spielt die Bläsergruppe Brake.

In Bruchhausen-Vilsen öffnet im Alten Gaswerk von 11 bis 18 Uhr eine Fotoausstellung mit alten und neuen Fotos aus Bruchhausen-Vilsen. In Homfeld hat die Klostermühle Heiligenberg von 11 bis 18 Uhr geöffnet, genau wie die Behlmer Mühle in Engeln. In Martfeld kann man in der Fehsenfeldschen Mühle von 11 bis 18 Uhr die Fotoausstellung „Sport“ besuchen, und in Hollen 43 steht ein niedersächsisches Hallenhaus zur Besichtigung offen. In Schwarme können Interessierte die Sprakener Mühle von außen besichtigen und in Süstedt die Wassermühle und die Scheune, alles von 11 bis 18 Uhr. Auch die Scheune der christlichen Pfadfinder in Uenzen hat geöffnet.

Das Programm des Tages gibt es im Internet unter www.bruchhausen-vilsen.de.

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