DRK-Seniorenheim Barrien

Ein Altenheim im Krisenmodus

Ausnahmezustand im DRK-Seniorenheim Barrien: Die Bewohner dürfen keinen Besuch mehr empfangen und draußen nicht spazieren gehen. Nun bietet der Einrichtungsleiter den Senioren einen besonderen Service.
03.04.2020, 17:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Ilias Subjanto
Ein Altenheim im Krisenmodus

Die Bewohner des Seniorenheims dürfen das Gebäude nicht mehr verlassen.

Vasil Dinev

Syke-Barrien. Ausnahmezustand im DRK-Seniorenheim Barrien: Die Bewohner dürfen keinen Besuch mehr empfangen und draußen nicht spazieren gehen. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verlangen den Senioren manche Opfer ab, schließlich gehören alte Menschen zur Risikogruppe.

Um den Bewohnern den eingeschränkten Alltag ein wenig zu erleichtern, hat Einrichtungsleiter Thorsten Kerth einen besonderen Service eingerichtet: „Wir bieten den Angehörigen an, über Whatsapp-Videoanrufe Kontakt zu unseren Bewohnern zu halten“, sagt er. Dies könne den persönlichen Besuch zwar nicht ersetzen, sei aber dennoch eine gute Möglichkeit, „im Bilde“ zu bleiben.

Für den gebürtigen Nordfriesen waren die Videoanrufe eine naheliegende Idee. „Im Privaten macht man das doch auch“, sagt er über die Kommunikation per Videotelefonie. Nachdem das Seniorenheim Besuche von Außen zum überwiegenden Teil hatte unterbinden müssen, sei die Not groß gewesen. „Sonst ist Besuch ja immer möglich gewesen“, so Kerth.

In einem Raum neben dem Foyer wurden nun die technischen Vorkehrungen für die Videotelefonie vorgenommen. „In diesem Bereich unseres Seniorenheims haben wir auch freies WLAN. Der technische Aufwand ist minimal“, erklärt der Einrichtungsleiter.

Die Möglichkeit, per Videoanruf mit den Angehörigen zu kommunizieren, sei bei den Senioren auf regen Zuspruch gestoßen. „Die Reaktionen unserer Bewohner waren faszinierend, als sie die Gesichter ihrer Lieben auf dem Schirm gesehen haben“, schwärmt Kerth. Für sie sei es eine ganz andere Erfahrung als ein herkömmliches Telefonat.

Auch seine Mitarbeiter freuen sich, den Bewohnern eine Alternative zu den Angehörigenvisiten bieten zu können. „Man muss nur mit den Pflegern und den Angehörigen eine Zeit vereinbaren, wann der Videoanruf stattfinden soll“, so der Einrichtungsleiter.

Ein Problem ist allerdings schon aufgetaucht: „Bewohner mit eingeschränkten Sehfähigkeiten ist der Smartphone-Bildschirm zu klein. Die haben Probleme, etwas zu erkennen“, sagt Kerth. Daher will der Einrichtungsleiter auch einen Rechner mit Kamera und großem Monitor bereitstellen. „Dort können sie auf jeden Fall etwas sehen“, sagt der studierte Gesundheitsmanager und lacht.

Prinzipiell sei es schon erforderlich, dass seine Mitarbeiter den Bewohnern in digitalen Angelegenheiten zur Hand gehen, sagt Kerth. „Der Großteil hier hat mit dem Internet nichts am Hut“, berichtet er, in seinem Heim kenne sich lediglich eine Handvoll Senioren mit Computern aus.

Immerhin ein Bewohner besitze einen eigenen Laptop. „Mit dem setzt er sich immer ins Foyer und schaut sich dort die Fußball-Bundesliga an“, schmunzelt Kerth. Nun muss der Internet-affine Bewohner auf diesen Freizeitspaß bis auf Weiteres verzichten – die Bundesliga pausiert bekanntlich aufgrund der Corona-Krise.

Auch im DRK-Seniorenheim gibt es veränderte Tagesabläufe. „Normalerweise bieten wir den Bewohnern ein umfangreiches Beschäftigungsprogramm“, erläutert Kerth. Dies gebe es zwar weiterhin, allerdings aus Sicherheitsgründen nicht in den gewohnten großen Gruppen. „Viele Bewohner mit kognitiven Einschränkungen kommen schlecht damit zurecht, dass ihre Tagesroutine nicht eingehalten wird“, sagt der Einrichtungsleiter.

Dass Ortsbürgermeister und Bürgermeister nicht mehr zu Geburtstagen vorbeikommen, stimmt viele Senioren ebenfalls traurig. „Dafür ist die Zahl der eingehenden Briefpost deutlich gestiegen“, stellt Kerth fest. Offenbar hätten manche Angehörige beim Zuhausebleiben die Freude am Schreiben wiedergefunden, sagt er lächelnd.

Grundsätzlich gebe es großes Verständnis unter den Heimbewohnern für die Corona-bedingten Einschränkungen. Dass die Pflegekräfte nun alle einen Mundschutz tragen, sei für die Senioren dennoch ein ungewohnter Anblick gewesen. „Das mussten wir den Bewohnern erst mal erklären, dass der Mundschutz eine reine Vorsichtsmaßnahme ist“, so Kerth. Schließlich sei deren Gesundheit ja das wichtigstes Gut, ergänzt er.

Seine Mitarbeiter und er würden alles unternehmen, um eine Tragödie wie im Würzburger Seniorenheim zu verhindern. Dort sind zehn Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben. Sein Pflegeteam sieht Kerth in diesen Krisenzeiten gut aufgestellt.

„Vor fünf Jahren haben wir so eine Ausnahmesituation schon einmal im Kleinen erlebt“, erzählt er. Damals sei im DRK-Heim eine Magen-Darm-Grippe herumgegangen. „Wir haben dann alle Veranstaltungen abgesagt, die Schutzmaßnahmen verstärkt und die Erkrankten in ihren Zimmern isoliert.“ So habe eine Ausbreitung des Erregers effizient verhindert werden können.

„Auch heute geht es darum, die Kette der Weitergabe zu unterbrechen“, zieht der Einrichtungsleiter eine Analogie zu den damaligen Ereignissen. Bis die Krise überwunden ist, werden aus seiner Sicht sicher noch ein paar Monate vergehen. Kerth bleibt optimistisch: „Wir sind bestimmt auf einem gutem Weg.“

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