Fußball „Wollte nicht so viel laufen“

Er ist nicht nur der Elfmeterkiller, sondern auch der Lautsprecher der Mannschaft: Keeper Lucas Feldmann ist für den Bezirksligisten TSV Okel unverzichtbar.
22.08.2019, 16:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Jannis Klimburg

Okel. Einigen wird es bestimmt bekannt vorkommen: Du stehst als kleiner Junge zwischen den Pfosten, schaust total irritiert deine Eltern an, pflückst auf dem Rasenplatz schon ein paar Blümchen und bettelst darum, dass endlich mal was passiert. Dass endlich mal ein Schuss auf deinen Kasten kommt und du deine nigelnagelneuen Torwarthandschuhe einsetzen darfst. Doch während der gesamten Partie spielt sich das Geschehen nur im Mittelfeld ab, weil deine Mitspieler plus die gegnerische Mannschaft lediglich dem Ball hinterherjagen. Genau aus diesem Grund wechseln viele Torhüter in jungen Jahren dann doch noch ins Feld. Genau andersherum hat es Lucas Feldmann gemacht, der mittlerweile das Gehäuse des Fußball-Bezirksligisten TSV Okel hütet.

„Ich wollte einfach nicht mehr so viel laufen“, so die kurze, aber durchaus berechtige Begründung des mittlerweile 24-Jährigen. Früh entschied er sich zu diesem Schritt bei seinem Heimatverein TuS Skye, wo er das Kicken von der Picke auf lernte. Und er sollte diese Entscheidung anscheinend nie wieder bereuen. Denn in Folge wurde er für die Kreisauswahl Diepholz nominiert, wagte den Schritt in der C-Jugend zum SC Weyhe, wo er hauptsächlich in der Regionalliga zum Zuge kam. Und es ging noch sogar höher. „Einmal durfte ich bei den B-Junioren in der Bundesliga aushelfen“, erzählt er voller Stolz. Beim 1:4 gegen den FC Hansa Rostock verschuldete er zwar einen Elfmeter und kassierte eine Gelbe Karte, aber dennoch „werde ich den Tag in meinem Leben nie wieder vergessen“, bekräftigt Feldmann.

Über die beiden A-Jugend-Stationen VfL Oldenburg und JFV Nordwest wechselte der Bundeswehr-Auszubildende zum TB Uphusen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten – zwischenzeitlich wurde er sogar zum dritten Keeper degradiert – fand Feldmann den Weg zwischen die Pfosten. Einige Begegnungen absolvierte der 24-jährige Familienmensch in der Oberliga. Doch nach seinem dritten Jahr beim TBU zog er dann die Reißleine. Auch weil er beruflich bei der Bundeswehr sehr eingespannt war. „Das war nicht gut für Uphusen. Und auch nicht für mich“, erklärte er.

Auch im Gehäuse fühlte er sich nicht mehr ganz so wohl, weshalb es ihn zurück zum TuS Syke führte, wo er dann als Innenverteidiger auflief. Für ein halbes Jahr. Beim Hallenturnier verletzte sich Feldmann und war somit für den Rest der Spielzeit außer Gefecht gesetzt. Es folgten nach einer ernüchternden Saison „gute Gespräche“ mit dem TSV Okel. In erster Linie mit Trainer Lutz Schröder und seiner rechten Hand Rico Volkmann. „Ich habe mich von Beginn an pudelwohl im Verein gefühlt, und war froh, wieder im Kasten zu stehen“, unterstreicht Feldmann. „Ich brauchte keine lange Eingewöhnungszeit. Die Mannschaft hat mich super aufgenommen, mein Freundeskreis ist durch den Wechsel viel größer geworden.“

Als Keeper machte er in seiner Debüt-Saison einmal mehr wieder eine gute Figur. Gleich im ersten Jahr schaffte er mit dem TSV Okel den Aufstieg in die Bezirksliga und machte sich als Elferkiller sofort einen Namen. „Auch wenn mich noch keiner so nennt in der Mannschaft“, scherzt er. Von zehn Strafstößen parierte er gleich sechs. Hinzu kamen beim Vorbereitungsturnier um den Württemberg-Cup weitere vier Elfmeter, die der 24-Jährige vereiteln konnte. Sein Erfolgsrezept? „Ich versuche, den Schützen zu irritieren. Dabei lasse ich mir besonders viel Zeit, wenn ich auf die Linie gehe und zeige mit dem Arm an, in welche Ecke der Schuss denn hingehen soll“, erklärt Feldmann ganz nüchtern. „Es scheint zu wirken“, schiebt er lachend hinterher.

Doch ausschließlich als Elferkiller kann Feldmann den TSV Okel auch nicht retten und den Abstieg verhindern. Dafür muss die gesamte Mannschaft mithelfen, was bisher anscheinend noch nicht der Fall war. Denn nach drei Spieltagen steht der Aufsteiger mit null Punkten und 3:18 Toren zurzeit auf dem letzten Platz. Eine Begründung dafür kann Feldmann liefern: „Wir sind mental noch nicht in der Bezirksliga angekommen. Vor allem was die Handlungsschnelligkeit betrifft, machen uns die anderen Mannschaften noch etwas vor.“

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