Angriff beim Zirkus in Bassum

Zirkus Granada: Tierschützer berichten von Gewalt und Drohungen

Der Bericht über die Auseinandersetzungen beim Zirkus Granada in Bassum hat Diskussionen ausgelöst. Die Organisation "Animals United" weist die Vorwürfe des Zirkusdirektors klar zurück.
10.04.2018, 17:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Lieselotte Scheewe
Zirkus Granada: Tierschützer berichten von Gewalt und Drohungen

Karl Lauenburger, Direktor des Zirkus Granada

Jonas Kako

Der Bericht über die Auseinandersetzungen im Zuge der Mahnwache von Tierschützern am Zirkus Granada in Bassum hat weitere Diskussionen ausgelöst. Nach der Darstellung einer Betroffenen aus den Reihen der Tierschützer, der Polizei, der Behörden sowie dem Zirkusdirektor selbst, meldete sich die Tierschutzorganisation "Animals United" nun in Form einer offiziellen Stellungnahme zu Wort. Sie hatte auch bereits in sozialen Netzwerken Videos veröffentlicht, die den Vorfall zeigen.

"Was sich hier im Beisein schockierter Supermarktbesucher zugetragen hat, ist erschreckend, aber kein Einzelfall", sagt Viktor Gebhart, Geschäftsführer von "Animals United". Im Dezember vergangenen Jahres seien aktive Mitglieder seiner Organisation von eben diesem Zirkus angegriffen worden. So soll es sich auch am Sonnabend in Bassum abgespielt haben. "Noch vor Beginn der angemeldeten Aktion dann der Eklat: Der Zirkusdirektor und sein Sohn entdecken die Tierschützer auf einem nahegelegenen Supermarktparkplatz und gehen auf die Demonstranten los, sprechen Morddrohungen aus, schlagen sie mit der Faust und Holzlatten zu Boden", beschreibt Gebhart.

Geschäftsführer von Animals United: Viktor Gebhart

Geschäftsführer von Animals United: Viktor Gebhart

Foto: Animals United

Die Tierschutzorganisation habe zum friedlichen Protest vor dem auf dem Festplatz am Bassumer Bahnhof gastierenden Zirkus Granada aufgerufen. Die rund 40 Aktivisten hätten die Absicht gehabt, eine Mahnwache für einen Zirkus ohne Tiere abzuhalten. "Denn 'Circus Granada' hat Kamele, Pferde, Ponys aber auch Rinder, Esel und Hunde mit im Programm – Tiere, die keinen Spaß im Zirkus haben und mit psychischer und physischer Gewalt durch Dressur zu Kunststücken gebracht werden", sagt Gebhart.

"Animals United" beschreibt die weiteren Geschehnisse auf dem Supermarktparkplatz folgendermaßen: "Einige der Teilnehmer der Mahnwache hatten gerade ihre Autos am nahegelegenen Supermarkt geparkt, als sie von den Zirkusmitarbeitern entdeckt wurden und angegriffen wurden." Bei den Übergriffen habe der Zirkusdirektor einer Aktivistin ins Gesicht geschlagen, zudem seien Holzlatten und Zeltstangen mit im Spiel gewesen. Der Sohn des Zirkusdirektors sei von hinten auf eine der Aktivistinnen zugelaufen und habe ihr eine Holzlatte mit voller Wucht über den Kopf gezogen. "Die Verletzte wurde ins Krankenhaus eingeliefert und dort ein Schädel-Hirn-Trauma diagnostiziert", berichtet Gebhart. Weitere drei verletzte Aktivisten befänden sich nach den Vorfällen ebenfalls in ärztlicher Behandlung.

Als die Polizei vor Ort war, seien die Zirkusmitarbeiter in ihren Autos geflohen. Vor dem Zirkus allerdings sei "der Krimi", wie Viktor Gebhart ihn bezeichnet, weitergegangen. "Die Tierschützer wurden vor Ort beleidigt und massiv bedroht", berichtet er. Weil sie den Zirkusdirektor nicht beruhigen konnten, nahm die Polizei ihn in Gewahrsam. Trotz der Vorkommnisse hielt "Animals United" ihre Mahnwache ab.

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"Wir verstehen den Unmut, der darf aber niemals Ausrede sein für diese Aggression", sagt Gebhart. "Wir sind nie mit Aggression aufgetreten. Aber als dann die vierte Person am Boden lag, haben sich die Leute gewehrt." Zudem, so betont er, habe seine Organisation und auch keiner der Aktivisten ein persönliches Interesse an Karl Lauenburger, wie es der Zirkusdirektor selbst behauptet. Und: "Wir distanzieren uns ganz klar von allen Äußerungen, die uns mit Rassismus in Verbindung bringen", so Gebhart. "Wir sind grundsätzlich gegen jedes menschenverachtende Verhalten." Der von Lauenburger genannte Hitlergruß habe aus den Reihen von "Animals United" nicht stattgefunden. Der Organisation gehe es allein darum, sich für einen tierfreien Zirkus einzusetzen. "Wir stellen lediglich die Tierhaltung infrage", betont Gebhart.

Egal, wie gut die Tiere gehalten würden, setze sich "Animals United" generell für einen Zirkus ohne Tiere ein. Und der sei in Deutschland nicht einfach durchzusetzen. "Für Tierzirkusse ist Deutschland ein rechtsfreier Raum", sagt der Aktivist. Das Veterinäramt habe keine Handhabe, da es lediglich Richtlinien und zu wenig klare Gesetze gebe.

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