Werner von Behr eröffnet zum Tag des offenen Denkmals wieder seinen Rittersaal mit der Panorama-Bildtapete Zuckerhut mit Weserblick

Der Präsident der Hoya-Diepholzschen Landschaft, Werner von Behr, ist zwar noch nie in Brasilien gewesen, hütet den Zuckerhut in der Bucht von Rio de Janeiro aber wie seinen Augapfel. Er ziert die kostbare Panorama-Bildtapete im altehrwürdigen Rittersaal seines Hoyaer Herrenhauses. Zwischen 2005 und 2007 wurde die Tapete aufwendig restauriert. Einmal im Jahr, zum Tag des offenen Denkmals, können sich die Besucher an der "kalten Pracht" erfreuen. Am Sonntag, 8. September, öffnen sich jeweils um 13, 15 und 17 Uhr wieder die Türen zum Rittersaal.
24.08.2013, 05:00
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Der Präsident der Hoya-Diepholzschen Landschaft, Werner von Behr, ist zwar noch nie in Brasilien gewesen, hütet den Zuckerhut in der Bucht von Rio de Janeiro aber wie seinen Augapfel. Er ziert die kostbare Panorama-Bildtapete im altehrwürdigen Rittersaal seines Hoyaer Herrenhauses. Zwischen 2005 und 2007 wurde die Tapete aufwendig restauriert. Einmal im Jahr, zum Tag des offenen Denkmals, können sich die Besucher an der "kalten Pracht" erfreuen. Am Sonntag, 8. September, öffnen sich jeweils um 13, 15 und 17 Uhr wieder die Türen zum Rittersaal.

Hoya. Werner von Behr steht an der Bildtapete im Rittersaal, zeigt auf das Amazonas-Krokodil. "Die Briten haben unseren Hof und das Haus 1945 beschlagnahmt. Hier im Rittersaal hatten sie ihr Casino eingerichtet. Angeblich sollen sie am 8. Mai auf den Stier und das Krokodil in der Tapete geschossen haben", erzählt der Präsident der Hoya-Diepholzschen Landschaft, der kraft Amtes auch Beisitzer im Landschaftsverband Weser-Hunte ist. Bei der Restaurierung der Panorama-Bildtapete seien im Lehmputz sogar noch die Projektile gefunden worden.

Weil der Zahn der Zeit am Putz genagt hatte, musste die Tapete vor einigen Jahren restauriert werden. Kostenpunkt: 210000 Euro. Zwei Drittel wurden dabei aus Fördermitteln finanziert, ein Drittel hat Werner von Behr aus seiner Privatschatulle beglichen. "Mein Vorfahre Ulrich Carl von Behr hat den Rittersaal 1830 an das Herrenhaus anbauen lassen", blickt die 19. Generation der von Behrs – in Person von Werner von Behr – in die Familiengeschichte zurück. Die Panorama-Bildtapete, die von der Ankunft der Expeditionsgruppe um Alexander von Humboldt in Brasilien erzählt, wurde im selben Jahr in der Tapetenmanufaktur Zuber im Elsass hergestellt. Auf 30 Bahnen kann sich das Auge des Betrachters an den "Vues du Brasil", den "Ansichten von Brasilien" ergötzen. "Ich hatte mal eine Besuchergruppe aus Brasilien zu Gast. Die haben mir bestätigt, dass die Abbildungen auf der Tapete stimmig sind", zeigt Werner von Behr auf das Wahrzeichen Rios, den Zuckerhut.

An der Fensterfront des Rittersaals fließt gemächlich die Weser vorbei. Wo gibt es sonst schon den Zuckerhut mit Weserblick? Im Rittersaal der Familie von Behr steht lediglich ein Kachelofen. Sie können ihn quasi nur im Sommer als Wintergarten nutzen, in den Wintermonaten herrscht dort oben klirrende Kälte. Kein Wunder, dass Werner von Behr in diesem Zusammenhang auch von einer "kalten Pracht" spricht.

Bei seiner Expedition, der Begegnung mit Ureinwohnern und wilden Tieren, hatte von Humboldt einst einen Landschaftszeichner dabei. Dessen Skizzen fielen dann anschließend Zubers bei einer Ausstellung in Paris ins Auge. "Noch heute lagern die hölzernen Druckstöcke in ihrer elsässischen Manufaktur", weiß Werner von Behr. Die Panorama-Bildtapete, für dessen Restaurierung der Hausherr einen Denkmalspreis bekam, könnte also immer noch ohne Weiteres nachgedruckt werden. Im direkten Vergleich zum Schauraum in der Tapetenmanufaktor Zuber gibt es im Rittersaal jedoch kleinere Abweichungen. Eigentlich sollte die 246-farbige Panorama-Bildtapete eine abgeschlossene Geschichte erzählen, doch "die Abfolge stimmt nicht ganz", erinnert Werner von Behr an den Fehler, der vor 183 Jahren beim "Tapezieren" des Rittersaals begangen wurde. Nach der Restaurierung im Jahr 2007 wollte Werner von Behr die Tapetenbahnen eigentlich in die ursprünglich angedachte Reihenfolge bringen, doch die Auflagen des Denkmalschutzes durchkreuzten diesen Plan. "Nun hängt bei uns im Festsaal eben ein Unikat", erzählt Werner von Behr schmunzelnd.

Fünf Rittergüter haben früher den Hoyaer Burggraben umgeben. Heute sind die von Behrs die letzte der Hoyaer Burgmannsfamilien. "Unser Haus war eigentlich ein Schloss", berichtet der Spross des alten Adelsgeschlechts von mehreren Zerstörungen in der Vergangenheit. Relikt des einstigen Familienschlosses sind heute noch die beiden Sandsteinsäulen in der Auffahrt. Schräg gegenüber des als Herrenhaus wieder aufgebauten Stammsitzes der Familie von Behr thront noch immer das Hoyaer Schloss hoch über der Weser. "Die Hoya-Diepholzsche Landschaft setzt sich dafür ein, dass die Kommune das Grafenschloss vom Land Niedersachsen erwirbt", erklärt ihr Präsident.

Pünktlich zum 800. Geburtstag des Hoyaer Schlosses werden am Wochenende 7. und 8. September zahlreiche Aktionen im Schlosshof angeboten. Wer beim Tag des offenen Denkmals (8. September) ein Dokument adeliger Wohnkultur begutachten möchte, braucht einfach nur die Straßenseite zu wechseln und in den von Behrschen Rittersaal emporsteigen. Hausherr Werner von Behr höchstpersönlich erklärt den Besuchern dann, was der Affe als "Frühwarnsystem" und die züngelnde Schlange auf der prächtigen Tapete bedeuten. "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale" lautet das diesjährige Motto des Tags des offenen Denkmals.

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