Handball

Zurück im Phoenix-Nest

Christoph Schweitzer hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass er zeitnah bei den Männern der HSG Phoenix auf der Bank sitzen würde. Doch genauso kam es - und zwar schneller als gedacht.
07.02.2020, 14:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup
Zurück im Phoenix-Nest

Zurück im Phoenix-Dress: Christoph Schweitzer trainiert die Landesklassen-Handballer der HSG.

Karsten Klama

Syke. Der Schlüssel ist ein anderer. Schließlich findet das Training jetzt in Syke statt, nicht in Bassum oder Twistringen. „Aber sonst ist fast alles so wie vorher“, sagt Christoph Schweitzer und grinst. Der Trainer ist zurück bei der HSG Phoenix. Nicht bei den Frauen, die er bis zum Sommer trainierte. Sondern bei den Männern. Manchmal geht es schneller, als man denkt. Auch im Sport.

An eine so schnelle Rückkehr zur HSG aber hatte Schweitzer, an dessen Seite erneut Stefan Honscha arbeitet, keinen Gedanken verschwendet. „Weil es wirklich nur eine Sache gab, die mich interessierte, und das war die erste Herren“, erklärt er. Doch die schien unerreichbar. Sie war gerade frisch in die Landesklasse aufgestiegen, Trainer Sascha Drogt zudem hoch angesehen. Deshalb hegte Schweitzer auch keinerlei Verdacht, als HSG-Spieler Jonas Langnau ihn rund um Weihnachten anrief. „Ich hatte keinen Plan, was er will“, gibt er zu. „Ich dachte: Vielleicht ist er auf dem Absprung bei Phoenix, aber ich habe nie damit gerechnet, dass Sascha nicht mehr da ist.“ Doch genau das teilte Langnau dem Gymnasiallehrer mit.

Damit war der Stein ins Rollen gebracht. Die Mannschaft wollte Schweitzer, Schweitzer wollte zur Mannschaft, der Vorstand gab grünes Licht. Letzteres war für den Trainer keine Überraschung. „Wir sind ja nicht im Bösen auseinander gegangen. Es gab die Überlegung, ob man in anderer Funktion zusammenkommen würde“, hielt die saubere Trennung alle Optionen für die Zukunft offen. Nur das Ausscheiden Drogts schien abwegig. Aber auch hier gilt: Es kommt oft anders als erwartet. Auf einmal ging es dann ganz schnell: Am 16. Januar leitete Schweitzer zum ersten Mal das Training der HSG-Männer, am Sonntag saß er beim Heimspiel gegen den TSV Daverden II zum ersten Mal auf der Bank. Er war zurück im Phoenix-Nest.

Das Debüt allerdings misslang mit dem 27:29. „Ärgerlich, aber kein Drama“, findet Schweitzer, der bei seiner Premiere noch gar nicht alle seine Spieler genau kannte. So richtig begonnen hat seine Arbeit erst danach. Drei Wochen hatte er Zeit, seine Mannschaft besser kennenzulernen und sie auf das Spiel bei der SG Arbergen-Mahndorf II (Sonnabend, 16.45 Uhr) vorzubereiten. Schweitzers Eindruck hat sich in den Trainingseinheiten verfestigt: „Ich finde, dass Sascha richtig gute Arbeit geleistet hat. Er hat ein sehr ausgeglichenes Team zusammengestellt“, findet er eine gute Basis vor. Ähnlich hatte er es auch erwartet, schließlich kannte er nicht nur Drogt und dessen akribische Arbeit, sondern auch einige Spieler. „So lange bin ich aus meiner aktiven Zeit ja auch noch nicht raus. Jungs wie Jonas Langnau, Ole Petersohn und Yannick Mädler kenne ich noch aus dieser Zeit. Da hat man schon einen ganz guten Überblick gehabt. Und die Spieler wussten auch, was sie von mir erwarten können.“

Stark sei seine Mannschaft vor allem im Tempospiel, findet Schweitzer. Verbesserungspotenzial sieht er allerdings auch. „Wir müssen die Abwehr stabilisieren. Wir sind manchmal noch etwas unsortiert. Im Angriff müssen wir ein bisschen geduldiger sein. Da wollen wir zu schnell zu viel, anstatt es sauber zu Ende zu spielen. Es sind aber nur kleine Räder, an denen wir drehen müssen.“ Nichts, was sich nicht beheben ließe.

Das stimmt Schweitzer positiv mit Blick auf die noch acht Spiele. „Ich bin überzeugt davon, dass wir weiter eine gute Rolle spielen werden. Das Ziel ist ganz klar, Spiele zu gewinnen und das Bestmögliche aus dieser Saison herauszuholen.“ Bei nur drei Punkten Rückstand auf Rang zwei könnte das sogar der Aufstieg sein. Damit beschäftigt sich der neue Trainer allerdings nicht. „Wenn es klappt, nehmen wir das dankbar mit. Aber es ist nicht unsere Überlegung, dass wir als Aufsteiger sagen, dass wir direkt noch einmal hoch wollen. Wir wollen uns oben etablieren, eine gute Ausgangslage schaffen für die neue Saison und uns weiterentwickeln. Mittelfristig steht dann auch irgendwann der Gedanke, mal eine Liga höher zu spielen.“ Erst einmal konzentriert sich Schweitzer jedoch auf die naheliegenden Aufgaben, nämlich auf die SG Arbergen-Mahndorf. Die war früher besser bekannt als die SG Bremen-Ost. Dort hat Schweitzer einst selbst gespielt. Zweimal sogar. Er weiß also, wie schnell es im Sport gehen kann.

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