Adrian Heinrich und Nikolas Grube zaubern erstmals in Hallstedt ein Großfeuerwerk in den Himmel

Zwei echte Knaller

Bassum-Hallstedt. Wenn es kracht, rumst und zischt, sind Adrian Heinrich und Nikolas Grube in ihrem Element. Die beiden haben sich mit Haut und Haaren der Pyrotechnik, also dem Feuerwerk, verschrieben.
31.12.2015, 00:00
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Zwei echte Knaller
Von Markus Tönnishoff
Zwei echte Knaller

Alles selbst gebaut und konstruiert: Adrian Heinrich (vorne) hantiert mit einer Kugelbombe, während sich Nikolas Grube um eine Batterie mit Lichteffekten kümmert. In wenigen Stunden fliegt dann alles in die Luft.

Udo Meissner

Wenn es kracht, rumst und zischt, sind Adrian Heinrich und Nikolas Grube in ihrem Element. Die beiden haben sich mit Haut und Haaren der Pyrotechnik, also dem Feuerwerk, verschrieben. Und sie wollen zeigen, was sie drauf haben: In der heutigen Silvesternacht wird es erstmals ein Großfeuerwerk im Bassumer Ortsteil Hallstedt geben. Um 0.30 Uhr werden die Zünder aktiviert – und dann geht’s ab.

Zum Einsatz kommt sowohl normales Feuerwerk, wie jedermann es im Laden kaufen kann, als auch Pyrotechnik, die nicht frei verkäuflich ist, wie die beiden erklären. Zwei Wochen haben sie für die Vorbereitungen gebraucht. „Die Gestelle und Abschussvorrichtungen haben wir selbst konstruiert und gebaut“, so Grube. Zudem müsse auch ein Ablaufplan erstellt werden, damit klar ist, wann welche Raketen und Böller zum Einsatz kommen – eine Art Feuerwerks-Komposition also. Rund 20 Minuten lang wollen die beiden es knallen und zischen lassen. „Zum Schluss gibt es ein Höhenfeuerwerk in rund 300 Metern Höhe“, verspricht Heinrich, der gebürtiger Hallstedter ist. Mehrere Tausend Euro lassen sich die beiden jungen Männer das Feuerwerk kosten, deshalb sind sie auch nicht traurig, wenn der eine oder andere Zuschauer eine kleine Spende hinterlässt.

Nun, wenige Stunden vor der Schau mit dem Knalleffekt, sind Grube und Heinrich aufgeregt. „Es kann viel schiefgehen“, sagt Grube. „Wenn zum Beispiel die Zündanlage nicht funktioniert, geht gar nichts, denn gezündet wird elektronisch und über Funk.“ Und auch starker Wind kann den Feuerwerkern einen Strich durch die Rechnung machen. „Ab einer Windgeschwindigkeit von 16 Metern pro Sekunde dürfen wir nicht zünden, ab acht Metern pro Sekunde müssen wir den Sicherheitsabstand zum Publikum erhöhen“, fährt Grube weiter fort. Regen hingegen ist zwar nicht schön, kann dem knallenden Farbenzauber aber nichts anhaben. „Dann verpacken wir das Feuerwerk in Folie, die Raketen und Böller schießen da einfach hindurch“, erklärt Heinrich.

Wer so ein Spektakel veranstalten will, der braucht eine pyrotechnische Ausbildung – und die haben Grube und Heinrich in diesem Jahr abgeschlossen. Die Ausbildung ist zweigeteilt, Theorie und Praxis sind angesagt. „Im Praxisteil muss man 26 Feuerwerke unter Aufsicht veranstalten“, sagt Heinrich. Wenn die unfallfrei über die Bühne gegangen sind, wird Theorie gepaukt – und zwar an einer von drei Schulen, die es für die Ausbildung in Deutschland gibt. „Dort geht es im Kern darum, das Gefahrenpotenzial kennen zu lernen“, so Grube. Aber auch Gegebenheiten, die ein Feuerwerk stören können, lernen die Schüler. „Ein Mast mit Antennen für Handyempfang kann beispielsweise die Funkauslösung eines Feuerwerkes stören“, erläutert Grube weiter. Und natürlich gehört es auch zur Ausbildung, dass man lernt, an die Luftfahrt zu denken. „Wenn man mehr als 350 Meter hoch schießt, muss man das Feuerwerk bei der Flugsicherung anmelden“, so Heinrich.

Damit es ordentlich rumst, brauchen die beiden selbstredend entsprechenden „Sprengstoff“ – und Sicherheitsvorkehrungen. „Es gibt Großhändler für Großfeuerwerke, die liefern das Material direkt in den Bunker“, erklärt Heinrich. „Wir haben einen Bunker in Hemsloh für die Sachen“, fährt er fort. In der Regel würden die Materialien in ehemaligen Munitionsbunkern gelagert. „Die Elektronik der Bunker ist explosionsgeschützt, und das Schloss kann man auch nicht aufflexen, außerdem sind sie videoüberwacht.“ In rund 70 Prozent der ehemaligen Bunker in Deutschland würden heutzutage Feuerwerk gelagert.

Kennengelernt haben sich Heinrich und Grube während ihrer Ausbildung. Beide hatten schon in früher Kindheit Freude am Feuerwerk, nun haben sie eine Firma gegründet, die Feuerwerke für Festlichkeiten anbietet. Noch jedoch steckt das kleine Unternehmen in den Kinderschuhen, weshalb beide vorerst weiter ihr Geld in Berufen verdienen, in denen es weder zischt noch knallt: Heinrich ist Projektleiter für Digitalisierung in einer Hamburger Firma, Grube arbeitet als Chemietechniker in Lemförde. Wer die beiden kennenlernen will, sollte heute Nacht zur Adresse Hallstedt 9a kommen – dort werden sie ihre Feuerwerks-Komposition beherzt in die Luft jagen.

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