Neue Arztpraxis in Barrien

Zweiter Frühling für Fachwerkhaus

Barrien ist ab April um eine Arztpraxis reicher. Das Duo Ann-Kathrin Bicker und Piet Lueßen zieht mit seiner Praxis nach Barrien an die Glockenstraße. Nichts ins Gemeindehaus.
20.02.2019, 10:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Dominik Albrecht
Zweiter Frühling für Fachwerkhaus

Remzi Leskovica (l.) und Piet Lueßen besprechen den Baufortschritt an der Glockenstraße 7.

Dominik Albrecht

Syke-Barrien. Barrien ist ab April um eine Arztpraxis reicher. Das Duo Ann-Kathrin Bicker und Piet Lueßen verlässt die Räumlichkeiten an der Hermannstraße in Syke und zieht mit seiner Praxis nach Barrien an die Glockenstraße. Piet Lueßen wird der Betreiber sein und neben seiner eigentlichen Praxis in Heiligenrode rund zehn Stunden pro Woche in Barrien zugegen sein. Ann-Kathrin Bicker hält hauptsächlich die Stellung in Barrien. Platz für einen zweiten Arzt in unbestimmter Zukunft ist aber auf jeden Fall vorhanden, wie Piet Lueßen verrät.

Noch fristet es ein tristes Dasein, das alte Fachwerkhaus an der Glockenstraße 7 – schräg gegenüber des Gemeindehauses. „Das Haus war das einzige, was unsere Bedingungen erfüllte“, erzählt der Arzt Piet Lueßen. Und die wären? „Es sollte nicht weiter als 2,5 Kilometer vom alten Standort entfernt sein. Es sollte in Nähe der Bundesstraße 6 liegen, damit die Menschen einfach hierherfinden. Und wir wollten eine größere Menge Parkplätze haben. Gerade durch ältere Patienten ist der Bedarf danach riesig“, zählt der Arzt auf. Im August vergangenen Jahres stolperte Lueßen dann über die Anzeige einer Immobilienagentur. 130 000 Euro sollte das Haus samt 1000 Quadratmeter großem Grundstück kosten. „Das ist aber im Hinblick auf die Renovierungskosten 'Kleingeld' “, gibt Lueßen leise zu. Für genügend Parkplätze sorgt zum einen eine Genehmigung der Stadt, die vorhandenen Parkplätze mitbenutzen zu dürfen. Zum anderen wird Piet Lueßen aber auch noch eigene Parkplätze schaffen.

Wo jetzt noch eine Spanplatte den ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen den Weg nach Innen verwehrt, wird in ein bis zwei Wochen eine neun Quadratmeter große Glastür für Durchblick sorgen. Sie wird auch der Haupteingang zur Praxis sein. Auch die Raumaufteilung im Inneren weiß zu gefallen. Das fängt schon beim Flur an, der sich einmal längs durch das Gebäude zieht und fast die Hälfte der 215 Quadratmeter im Erdgeschoss ausmacht. Im vorderen Bereich werden der Empfang und das Wartezimmer untergebracht. „So können wir alles, was akut und notfallmäßig passiert, im Blick behalten“, erklärt Piet Lueßen bei einem Rundgang. Nach rechts gehen die beiden Behandlungszimmer ab. Das vordere für Ann-Kathrin Bicker, das hintere für die Besuche von Piet Lueßen. Sein Zimmer ist es auch, in dem ein Deckenbalken des alten Fachwerkhauses freigestellt wurde. „Wir wollten ein bisschen daran erinnern, wo man hier ist und was das Haus einmal war“, begründet Piet Lueßen. Zwar gebe es keine genaue Historie zu dem Gebäude, ein Vermerk auf dem Querbalken habe aber verraten, dass das Haus 1848 errichtet wurde.

Lueßen wollte übrigens ursprünglich Unfallchirurg werden. Dann galt sein Interesse der Intensivmedizin. „Und irgendwann habe ich mich in eine Deutsche verliebt, die Hausärztin werden wollte“, erzählt Lueßen, der zu der Zeit in der Schweiz tätig war. Da Piet Lueßen in Deutschland nicht in einem Krankenhaus arbeiten wollte, schaute er sich auch auf dem Feld um. „Dabei habe ich festgestellt, dass das ein total schönes Arbeiten ist. Dieser persönliche Kontakt. Medizin für einen Menschen fernab des Lehrbuches machen. Das gibt mir mehr als die 'Fließbandarbeit' “, sagt Lueßen lächelnd. Und davon profitieren jetzt die Syker.

Doch zurück zur Praxis. Zu den beiden Behandlungszimmern gesellen sich zwei Kabinen für Infusionen, Wundkontrollen oder andere „dringende medizinische Behandlungsanlässe“; ein Labor, in dem elf verschiedene Tests durchgeführt werden können; ein kleiner OP zur Behandlung kleiner Wunden sowie ein Ultraschallraum. Und dann wäre da noch ein Durchgang mit Treppe nach oben. Platz für weitere Behandlungszimmer? Piet Lueßen bringt Licht ins Dunkel: „Das wäre der Durchgang zur oberen Etage. Da ist zurzeit eine Wohnung, die wir aber in den nächsten Jahren nicht renovieren werden.“ Stattdessen soll sie entkernt und aufgeräumt werden, um den baurechtlichen Anforderungen gerecht zu werden. „Aber vielleicht macht man da irgendwann so etwas wie betreutes Wohnen oder vermietet es mit der Option, schwerkranken Patienten einen direkten Zugang zu einem Arzt zu ermöglichen“, lässt sich Piet Lueßen alle Möglichkeiten für die 140 Quadratmeter große Wohnung aber noch offen.

Die Eröffnung ist für den 1. April geplant. „Mein Architekt ist hier bei Baubeginn reingegangen, hat die Maße genommen und gesagt: 'Du eröffnest am 1. April, ja? Lustig.'“ Im Moment sehe es aber so aus, als wenn es wirklich klappen könnte. Und was sagen die Mitstreiter von den Praxen Waldinger und Stegemann zum „Nachwuchs“ in Barrien? Die hätten sich schon daran gewöhnt, dass Piet Lueßen ihnen „auf die Pelle rückt“, wie er es ausdrückt. „Konkurrenz in dem Sinne gibt es nicht. Wir haben eigentlich alle mehr zu tun, als wir bräuchten. Es geht mehr darum, dass man ein schönes Arbeiten hat.“

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