Henning Greves schwimmende Installation soll an die Flagge der Europäischen Union erinnern

Zwölf Sterne für Syke

Auf dem Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft prangen vier Sterne für vier errungene Weltmeisterschaften, das Hotel Classico in Twistringen hat vier Sterne für herausragende Qualität, und Syke hat jetzt sogar zwölf Sterne. Der Künstler Henning Greve hat sie installiert. Mitten im Teich des Europa-Gartens.
11.03.2015, 00:00
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Zwölf Sterne für Syke
Von Micha Bustian

Auf dem Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft prangen vier Sterne für vier errungene Weltmeisterschaften, das Hotel Classico in Twistringen hat vier Sterne für herausragende Qualität, und Syke hat jetzt sogar zwölf Sterne. Der Künstler Henning Greve hat sie installiert. Mitten im Teich des Europa-Gartens.

Sternstunde im Syker Europa-Garten: Henning Greve tritt nah heran an das Ufer des Teichs, macht einen langen Hals. „Der eine hat ja richtig dicke Backen gekriegt“, sagt der Künstler aus Schnepke. Nun gut, aus der Entfernung machen die zwölf Edelstahlsterne, die der Künstler mitten im Tümpel des Europa-Gartens installiert hat, einen durchaus ebenmäßigen Eindruck. Leichte Wölbung der Oberfläche, fünf Zacken – ein Löffel Zuckerguss, und die im Kreis angeordneten Himmelskörper könnten als Zimtsterne durchgehen. Doch dem widerspricht Gerhard Thiel, der Vorsitzende der Europa-Union Deutschland (EUD) im Landkreis Diepholz: „Das soll natürlich die Europa-Fahne symbolisieren.“ Na klar: blauer Untergrund, zwölf im Rund angeordnete Sterne – was könnte besser in den Europa-Garten passen?

Mit einem dumpfen Geräusch taucht Kai-Uwe auf. Das von Kindern so benannte Unterwasser-Ungeheuer aus dem Europa-Garten scheint zu schauen, was da plätschert, wer ihm da Konkurrenz macht. Denn jeder der schwimmenden Planetoiden pustet eine eigene zweistrahlige Fontäne in die Luft, die sicher einige Familien zum Anhalten bewegen dürfte. Es plätschert und rauscht. Kein Wunder, dass Kai Uwe – ebenfalls von Henning Greve installiert – öfter auftaucht und neidisch hinüberlinst. Nebenan funkelt und sprudelt es auf der Wasseroberfläche. Ein Anblick voller Leichtigkeit.

Doch so leicht war es für Henning Greve gar nicht. Der Edelstahl musste geschmiedet und geschweißt werden, der Künstler spricht von „70 Meter Schweißnähten“. Basis des Kometenkreises ist ein Ring mit einem Anker dran, der der Installation Stabilität bringt. Am Ring sind bewegliche Arme mit kleinen Bojen dran, damit die daran montierten Sterne ein wenig Bewegungsfreiheit haben. Einer kann sich sogar drehen, „aber heute komischerweise nicht“, wundert sich Greve. So aufwendig wie die Installation soll die Wartung nicht sein. „Ich denke, es reicht, einmal im Jahr den Filter zu reinigen.“

Neben der hübschen Optik, die das symbolträchtige Wasserspiel-Ensemble bietet, freut sich die Stadt Syke auch über einen ökologischen Nutzen. „Der Teich bekommt dadurch mehr Belüftung“, weiß Bürgermeisterin Suse Laue. „Das ist wichtig.“ Sowohl Kai-Uwe als auch die Europa-Sterne wälzen das Wasser um und bringen so mehr Sauerstoff in die Tiefe.

Henning Greve ist „froh, dass ich so ’nen Auftrag bekommen habe“. Nicht nur wegen der 4000 Euro, die die Stadt Syke und der Landschaftsverband Weser-Hunte dafür locker gemacht haben. „Ich wollte ohnehin gerne weiter mit schwimmenden Körpern experimentieren.“

Weiter geht es mit dem Europa-Garten allerdings an Land. Für den jüngeren Besuch soll es „bespielbare Kunst“ geben, wie es Elsa Töbelmann nennt. Eine Drehscheibe sei geplant, dazu eine Balancierstrecke, „weil Demokratie eine Frage der Balance ist“. Henning Greve hätte das Balance-Element gerne über einen „fast trockenen“ Graben gelegt, findet die Idee immer noch gut und sieht auch in der Umsetzung keine Probleme. Bei seinen Mitstreitern erntet er aber nur lautes Lachen.

Zudem soll zum fünf Tonnen schweren „Hachekiesel“, wie ihn Suse Laue nennt, noch zwei weitere Felsbrocken auf die Hacheinsel geschoben werden. „Und die Litfasssäule wird überarbeitet“, ergänzt Elsa Töbelmann, ebenfalls als Künstlerin bei der Ausgestaltung des Europa-Gartens hilfreich. Unter anderem soll ein QR-Code es den Besuchern möglich machen, weitere Informationen zum Zusammenwachsen Europas über ihre smarten Telefone abzurufen. „Damit die Stadt Syke glänzen kann, wird dafür extra ein neuer Internetauftritt gestaltet“, teilt der emeritierte Kunstprofessor Fritz Vehring mit. „Und wenn man dann noch geschichtliche Zusammenhänge geliefert bekommt, hat das Ganze ja sogar einen pädagogischen Wert.“

Den haben die zwölf Wasser speienden Sterne inmitten des Teichs im Europa-Garten nicht. Schön anzuschauen aber sind sie allemal. „Bisher habe ich nur positive Reaktionen beobachtet“, sagt Henning Greve. Um sofort hinzuzufügen: „Bei den Kindern ist immer noch Kai-Uwe der Hit.“ Woraufhin dieser wohlig seufzend abtaucht.

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