Fußball Fruchtbare Zusammenarbeit

Der SC Twistringen und SV Mörsen-Scharrendorf blicken auf erfolgreiche zehn Jahre Jugendspielgemeinschaft zurück. Nun wurde auch der SV Marhorst in die JSG aufgenommen.
03.11.2021, 14:40
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Von Sven Hermann

Der Herren- und der Jugendfußball lagen im Jahr 2010 beim SC Twistringen am Boden. Der Verein zog sein Herrenteam trotz des erreichten Klassenerhalts sogar freiwillig von der Landes- in die Kreisliga zurück, fast alle Leistungsträger verließen daraufhin das Team. Potenzial aus der Jugend war in diesem Zeitraum nicht vorhanden, um die Mannschaft mit Nachwuchstalenten zu versorgen.

Es musste also etwas geschehen, da waren sich die damaligen Verantwortlichen einig. So entstand die Idee einer Jugendspielgemeinschaft aus den Vereinen SC Twistringen und SV Mörsen-Scharrendorf, die von den damaligen Jugendleitern Torsten Obst und Marco Meyer (beide SC Twistringen) sowie Friedhelm Drieling und Andreas Brinkmann (beide SV Mörsen) im Jahr 2011 aus der Taufe gehoben wurde. Nach zehn Jahren harter Arbeit gehören jetzt sowohl die A-, als auch die B-Junioren der Fußball-Landesliga Hannover an, die C-Jugend spielt immerhin auf Bezirksebene. Nun bekommt die JSG sogar weiteren Zuwachs, denn auch die Jugendabteilung des Nachbarn SV Marhorst wird in Zukunft der Jugendspielgemeinschaft angehören.

"Um Ostern dieses Jahres herum hatten wir uns zusammengesetzt. Marhorst hat bei uns angefragt und um unsere Hilfe gebeten, da sie speziell im Bereich der G- und F-Jugend zu wenig fußballspielende Kinder haben. Vom A- bis C-Junioren-Bereich ist Marhorst besetzt, danach wird es dünne", berichtet Kevin Krowiorsch, der mittlerweile gemeinsam mit Jens Knabe die Geschicke der Jugend-Abteilung des SC Twistringen leitet. Seit 2017 ist Krowiorsch jetzt mit Knabe als Jugendleiter dabei. Während Knabe sich um den Bereich der A- bis C-Junioren kümmert und für Spiel- und Schiedsrichter-Ansetzungen zuständig ist, ist Krowiorsch zuständig für den unteren Jugendbereich. Er knüpft Kontakte zu den Schulen und ist verantwortlich dafür, die Kinder in die Vereine zu bekommen. Laut ihm sei der Zusammenschluss ein gelungener. Sowohl der leistungsbezogene, als auch der Freizeit-Fußball werden in der JSG gefördert.

Allein im A-Juniorenbereich gibt es mittlerweile drei Mannschaften, wobei die erste bereits in ihre fünfte Landesliga-Saison geht. "Man muss schon sagen, dass Twistringen eine fußballbegeisterte Stadt ist, in der der Jugendfußball gefördert und der Fußball allgemein gelebt wird. Talentierte A-Jugendspieler können in Twistringen bleiben und müssen nicht mehr nach Sudweyhe oder Rehden wechseln. Bei Heimspielen der A-Junioren in der Landesliga finden sich im Schnitt 80 bis 100 Zuschauer ein", weiß Krowiorsch. Der Grundgedanke, dass alle Kinder in Twistringen ein Anrecht haben sollten, in allen Altersklassen durchgehend Fußball spielen zu können, ist seiner Ansicht nach gelungen. "Prinzipiell sollen die Mannschaften auch nach dem Zusammenschluss zusammenbleiben", verrät der Jugendleiter. Davon profitiert schließlich auch der Herrenbereich des SCT. "Es rücken immer wieder junge Leute auf. In diesem Jahr melden wir eine vierte Herrenmannschaft dazu", ergänzt Krowiorsch. 

Das kann auch Stefan Funke bestätigen. "Trotz Corona können wir mehr Mannschaften melden als im Vorjahr, neben der vierten Herren kommt nun eine Oldie Ü-50-Mannschaft dazu. Da wurde sogar von Seiten des Niedersächsischen Fußballverbandes angedeutet, dass dieses eher ungewöhnlich ist", freut sich der Spartenleiter der Twistringer. Vor allem der Jahrgang, der vor drei Jahren in den Herrenbereich aufstieg, dort schnell für Furore sorgte und jetzt in die vierte Herrensaison geht, hat es Funke angetan. Die sogenannte 'Goldene Generation' um Lennart Bors, Phil Brunkhorst, Christoph Harms, Marcel Avdulli, Jannik Blome, Marvin Schwenker und andere schlug gleich im ersten Herrenjahr ein und ist ein wesentlicher Bestandteil des aktuellen Kaders des Bezirksligisten. "2010 begann ein Umdenken im Verein. Der Kader war völlig überfremdet mit Spielern, die nicht aus Twistringen stammten. Oliver Schröder war der einzige Twistringer. Aus meiner Sicht ist dann der Plan mit der JSG voll aufgegangen. Zuvor wurde die Jugendarbeit lange Zeit vernachlässigt. Wir waren uns von vornherein im Klaren, dass es bestimmt sechs bis sieben Jahre Zeit braucht, um dieses Manko zu reparieren und die Früchte zu ernten. Lennart Bors und Co. waren dann die ersten Früchte, die uns richtig weiterhelfen konnten. Ein wichtiger Punkt war auch, dass wir fast ausschließlich Trainer mit Lizenzen, die zumindest im Besitz der C-Lizenz waren, installiert haben", verrät Funke. 

"Es war damals der Ansatz, die A-, B- und C-Junioren in den Bezirk zu bringen. Die A-Junioren spielen seit drei Jahren in der Landesliga, die B-Junioren gehen in die zweite Serie auf Landesebene. Die C-Junioren mischen im Bezirk mit. Ziel war es, die eigenen Spieler vor Ort zu binden und ein besseres Niveau durch bessere Wettkampfqualität zu erreichen. Der Jugendleitung ist es geglückt, den ein oder anderen Spieler auch über die Stadtgrenze hinaus zu gewinnen. Daher kann das Fazit nach mittlerweile zehn Jahren nur positiv ausfallen", sagt Andreas Siegmann. Der Spartenleiter des SV Mörsen-Scharrendorf attestiert den mittlerweile sechs verantwortlichen Jugendleitern eine gute Arbeit. "Es wird konstruktiv miteinander gearbeitet und kommuniziert. Marhorst wird jetzt die Möglichkeit gegeben, sich mit zu integrieren", ergänzt Siegmann, der den Sprung vom Jugend- in den Herrenbereich als gewaltig ansieht. "Es ist ein großer, enormer Qualitätsunterschied, sich nach dem Aufrücken von der Junioren-Landesliga in den Herrenbereich dann in der Kreis- oder Bezirksliga zu messen", weiß Siegmann, dem auch bewusst ist, dass ein Bezirksligist wie der SC Twistringen bei einem talentierten Spieler die besseren Argumente besitzt als sein in der Kreisliga angesiedelter SV Mörsen-Scharrendorf. "Es kann natürlich passieren, dass einer unserer Spieler dann geneigt ist, den Weg zum SCT einzuschlagen. Dessen sind wir uns bewusst", kommentiert Siegmann. 

"Wir sind gut durch die Jahre gekommen", bilanziert Mörsens Jugendleiter Friedhelm Drieling, einer der Gründungsväter der JSG. Während sich der bei der Gründung stellvertretende Jugendleiter Andreas Brinkmann heutzutage um besondere Aufgaben im Verein kümmert, ist Drieling auch nach zehn Jahren immer noch dabei. Unterstützung erhält er jetzt von Jörg Brackland, langjähriger Jugendtrainer des SVMS. "Es ist mittlerweile schon schwer, Trainer, Betreuer und andere Unterstützer für den Jugendbereich zu finden. Helfende Hände sind immer gerne erwünscht", weist Drieling auf die aktuelle Situation hin. 

Neu mit an Bord der JSG ist ab sofort die Jugendsparte vom SV Marhorst, die durch Jugendleiter Dirk Beuke und dessen Stellvertreter Marko Wilkens vertreten sein wird. Bislang kümmerte sich Beuke, dessen Neffe Johann im Mittelfeld des A-Junioren-Landesligateams der JSG mitmischt, beim Twistringer Ortsteilklub um die Belange der C- bis A-Junioren, während Wilkens für den Bereich darunter zuständig war. "Wir waren schon gerne selbstständig. Bei uns hat nicht der Leistungsgedanke eine Rolle gespielt, sondern wir wollen es vielen Kindern ermöglichen, Fußball zu spielen", sagt Beuke. Gerade im unteren Bereich, speziell im D-, F- und G-Junioren-Bereich hatten die Marhorster Probleme, überhaupt eine Mannschaft zusammenzubekommen. "Da mussten wir die Teams zusammenwürfeln. Mitunter kickten da drei Jahrgänge gemeinsam auf einem Haufen, die in den Spielen nur auf die Mütze bekommen haben. Schweren Herzens haben wir uns dann zum Zusammenschluss entschieden", beschreibt Beuke, der von einer guten Chemie in der JSG-Gemeinschaft spricht. "Wir sind toll aufgenommen worden. Die Gespräche waren sehr konstruktiv und harmonisch. Ich finde das Modell gut, die Arbeit auf sechs Schultern zu verteilen", lobt Beuke abschließend.

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