Grundschule Am Markt Twistringen

„Die Bevölkerung möchte, dass es losgeht“

Die Grundschule Am Markt in Twistringen muss umgebaut werden. Sie ist zu klein, entspricht nicht mehr den Anforderungen und könnte eine Renovierung vertragen. Jetzt liegt ein erster Entwurf vor.
24.01.2019, 07:20
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„Die Bevölkerung möchte, dass es losgeht“
Von Micha Bustian
„Die Bevölkerung möchte, dass es losgeht“

So könnte sie aussehen: Architekt Bernd Lange (links) und Twistringens Bürgermeister Horst Wiesch mit einem Modell der zukünftigen Grundschule Am Markt.

Micha Bustian

Twistringen. Zu klein, zu alt, zu unmodern. Die Grundschule Am Markt in Twistringen wird in vielen Bereichen ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht. Weshalb Twistringer Schüler mittlerweile in Scharrendorf in Mobilbauten – um nicht das politisch unkorrekte Wort Container zu nutzen – unterrichtet werden. Das soll natürlich kein Dauerzustand werden. Die Grundschule Am Markt soll umgebaut werden. Am Dienstagabend stellte der Architekt Bernd Lange einen ersten Entwurf im Twistringer Rathaussaal vor. Das Interesse war groß.

Das Architekturbüro Landwehr und Partner aus Sulingen hatte den, so Twistringens Bürgermeister Horst Wiesch, „kleinen Architektenwettbewerb“ gewonnen. Verwaltung und Schule hatten Vorgaben, drei Architekturbüros sich an die Umsetzung gemacht. Am Ende entschied sich der Twistringer Rat für die Sulinger um Bernd Lange.

Der Diplom-Ingenieur stellte seinen Entwurf vor. Wohlgemerkt: Entwurf, keine abschließende Bauplanung. Er will die Fahrradständer versetzen und den Lehrer-Parkplatz verlegen, um mehr Freifläche für die Schüler zu schaffen. Die Verlegung des Parkplatzes sei zugleich „eine Entkrampfung des Verkehrs in der Bahnhofstraße“, so Bernd Lange. Der 70-Jährige redete anschließend über das „u-förmige Satteldachgebäude“, in dem viel entstehen soll. Eine Pausenhalle beispielsweise, die durch mobile Trennwände sogar Platz für 400 Besucher bieten könnte. Für eine „Nutzung als Veranstaltungshalle“, wie Lange erklärte. Auch einen Musikraum solle es im Erdgeschoss geben, dazu das Domizil des Hausmeisters, einen Lagerraum, eine Garderobe für Events, Aufwärmküche und Mensa sowie eine Lehrküche. Ein Aufzug sorgt für Barrierefreiheit, drei Notausgänge für Sicherheit.

Im ersten Stock sollen links und rechts je zwei Klassenräume mit je einem gemeinsamen Gruppenraum entstehen. Dazu kommen eine Lerninsel für Schüler und ein Lehrerarbeitsplatz. „Die Schüler können sich dort das Lernen selber beibringen“, schaute Bernd Lange in die Zukunft. „Und die Lehrer wollen sich ja auch wohlfühlen.“ Der Clou ist allerdings eine Empore, von der aus auch vom Obergeschoss aus Veranstaltungen verfolgt werden können. Auch hier gibt es drei Notausgänge.

Zur Pausenhalle hin soll die Fassade gläsern werden, ansonsten soll sie, so Bernd Lange, „traditionelle Elemente tragen“ und sich der Umgebung von der Bauart her anpassen. Drei imposante Giebel sollen es sein, die zur Bahnhofstraße ausgerichtet werden. Aufs Dach kommen klassische Ziegel. Netter Nebeneffekt: Das Gebäude entspricht anschließend der Energieeinsparverordnung. Der Architekt liebäugelt mit einer Fußbodenheizung, „die ist inzwischen auch nicht mehr teurer als Radiatoren“.

Knifflig könnte es mit dem Groheschen Gebäude werden. „Die Twistringer lieben dieses Haus“, hat Bernd Lange bemerkt. Er finde es auch „wirklich schön“, zumindest zwei Seiten. Bei den anderen beiden Seiten würde er „die Hände über dem Kopf zusammenschlagen“. Das Haus stehe zu nah am Bürgersteig, müsse also verschoben werden. Innen reiche die Geschosshöhe nicht aus. Heißt: Die Betondecken müssten raus, die Fassaden abgestützt und energetisch verbessert werden. Das gehe allerdings nur von innen. „Das ist ein großer Aufwand“, warnt der Sulinger. „Der Aufwand lohnt sich finanziell nicht.“ Sein Vorschlag: Er will die Fenster übernehmen, die Pflasterung beibehalten und mit einer Tafel an das Grohesche Gebäude erinnern. Bürgermeister Horst Wiesch stellte klar, dass es nicht möglich sei, das denkmalgeschützte Gebäude in den Schulkomplex zu integrieren. Eine Sanierung würde etwa 400 000 Euro kosten. „Es geht nur darum, es zu erhalten. Die einfache Frage lautet: ja oder nein?“

Für die Grünen nicht genug. Hermann Niederwestberg schlug vor, das ganze Gebäude zu verschieben. Zudem störte er sich an zwei Buchen, die gefällt werden sollen. Jürgen Schulze relativierte die Zufriedenheit der Grünen mit dem Vorschlag des Architekten allerdings: „Das ist eine absolute Verbesserung.“

Aus dem Publikum gefragt wurde nach der Wärmeversorgung. Die Replik: wahrscheinlich ein Brennwertkessel. Aus dem Zuschauerraum kam dazu der Vorschlag, zukunftsträchtig zu denken und auf Brennstoffzellen zu setzen. Auf die Anregung, einen Keller anzulegen, antwortete Bernd Lange: „Das lohnt sich heutzutage nicht mehr.“

Marita Schröder-Geisler indes war zufrieden. „Das ist mein Wunschentwurf“, freute sich die Direktorin der Grundschule Am Markt. Seit acht Jahren wurde jetzt über Umbau geredet, sie hätten gelernt, mit den Gegebenheiten zu leben. Besonders freute sie sich über die große Aula. „So etwas fehlte uns lange Jahre.“ Unterstützt wurde die Schulleiterin von einem der Zuhörer im Rathaussaal. Der formulierte den Wunsch der Bürger: „Die Bevölkerung möchte, dass es endlich losgeht.“ Der Rat hat es am 24. Februar in der Hand, dafür zu sorgen.

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