Motorsport

Ein Mann im Vollgas-Modus

Heiko Sander ist Mitbegründer der Kartserie The Race. Auf der Strecke ist er mittlerweile ein alter Hase - aber noch genauso ehrgeizig wie am ersten Tag.
02.08.2019, 16:43
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup
Ein Mann im Vollgas-Modus

Ein Ass auf der Strecke: Heiko Sander ist kaum zu bremsen.

Fotos: Vasil Dinev, Thorin Mentrup

Es war ein heißer Tag, aber es war auch ein Heiko-Sander-Tag: Bei der dritten Rennveranstaltung der Kartserie The Race zeigte der Twistringer, dass immer mit ihm zu rechnen ist. Er gewann auf der Bassumer DWA-Racing-Anlage beide Wertungsläufe. Das war keine Selbstverständlichkeit, auch für einen erfahrenen Motorsportler wie ihn nicht. Denn an diesem 29. Juni musste er nicht nur der Hitze und den anderen Fahrern trotzen, sondern auch dem Druck. Sander darf sich keinen Ausrutscher mehr erlauben, wenn er seinen Vorjahressieg in der Gesamtwertung verteidigen will. Doch wer sollte diesem Druck standhalten, wenn nicht er?

The Race und Heiko Sander – das ist untrennbar miteinander verbunden. Schließlich war es einst Sander, der gemeinsam mit dem Nordwohlder Andreas Buchholz die Rennserie ins Leben rief. Das ist mittlerweile gut 17 Jahre her. Im Raum Bremen und dem Landkreis Diepholz hat das Duo viele Mitstreiter gefunden, auch wenn die Serie 2004 ein Jahr lang aussetzte. Aufgeben kam für Sander jedoch nicht in Frage: „Ich bin früher schon viel gefahren. Alle Rennserien der Region sind irgendwann eingeschlafen. Wir sind die einzigen, die noch dabei sind“, sagt er. Der Stolz ist ihm anzuhören. Warum auch nicht? Er hat mit Buchholz ein Mekka für Motorsportler geschaffen, die günstig ihrem Sport nachgehen wollen. Wobei günstig in diesem Fall bedeutet, „dass man viel Leistung für das Geld bekommt, das man investiert“, wie Sander erklärt. Viel investieren könne man trotzdem. „Nach oben gibt es eigentlich keine Grenzen.“

Als alter Hase bei The Race weiß Sander jedoch ganz genau, was zu tun ist, um auf Dauer vorne dabei zu sein. An seine Anfänge im Motorsport in den 1990er-Jahren kann er sich noch erinnern: „Da wusste man gar nicht, was man braucht. Die Hilfsbereitschaft war eher eingeschränkt. Da kaufst du was und weißt eigentlich nicht, was du da genau hast.“ Aller Anfang ist also auch im Motorsport schwer – und war es auch für Sander, der sich aber mit viel Geduld reinfuchste in Themen wie Motoren, Setup und Reifenwahl. Unweit der Bassumer Rennstrecke bei einer Tankstelle arbeitet er, hat also in gewisser Weise auch beruflich Benzin im Blut. Trotzdem: Er brauchte viele Stunden und viel Geduld, bis er zu dem wurde, was er heute in der Rennserie ist: der Mann, den es zu schlagen gilt. Er ist derjenige, den die jungen Fahrer fragen, was sie an ihrem Setup noch verbessern können, um eine weitere Hundertstelsekunde herauszuschlagen. Und Sander hilft: „Das gehört dazu, man will ja auch nicht, dass die Leute schnell wieder aufgeben. Wenn man früher vielleicht fünf Jahre gebraucht hat, bis man das richtige Setup hatte, kann man das heute in fünf Monaten schaffen.“ Er sei allein sechs verschiedene Motorvarianten gefahren, bis er bei seinem heutigen gelandet sei.

Motorsport beschreibt Sander, der Mann im Vollgasmodus, als intensiv: körperlich belastend, technisch und finanziell anspruchsvoll. Körperlich kann Sander, ehemaliger Reiter und Weser-Ems-Meister, mithalten. „Man muss auf einem guten Leistungsstand sein“, weiß er. 25 Runden pro Wertungslauf – zwei gibt es pro Renntag – auf der Anlage in Bassum und 20 auf der längeren Bahn in Jüterbog sind kein Zuckerschlecken. „Wenn neue Fahrer das erste Mal dabei sind und ihr Rennen beendet haben, kommen sie auf uns zu und fragen: Wie haltet ihr das aus“, verdeutlicht Sander, dass Motorsport auch gestandene Männer an die Grenzen bringt.

Bis er 18, 19 Jahre alt war, blieb er als Reiter aktiv. Als er dann beruflich durchstartete, „konnte ich das hohe Level nicht mehr halten“. Also war Schluss mit der Reiterei, denn halbe Sachen sind nichts für ihn. „Dafür bin ich zu ehrgeizig“, sagt Sander, der auch diesem Wesenszug seinen Erfolg auf der Strecke verdankt. Aber auch das Alter spiele eine Rolle. Es kann ein Vorteil sein. Die Erfahrung hilft zweifelsohne. Es gibt nicht viel, was der Endvierziger Sander noch nicht erlebt hat. „Das ist ein ausschlaggebender Punkt. Was die Zeiten angeht und das technische Know-how, bin ich up to date“, sagt er. Renntage wie der vergangene in Bassum sprechen für sich. Früher habe er sich wochenlang auf eine Veranstaltung vorbereitet. Das muss er heute nicht mehr. Dennoch: Akribische Arbeit ist unverzichtbar. Ein gründlicher Check, die Tüftelei, um das Kart auf die Strecke und die Wetterbedingungen einzustellen – all das bleibt ein elementarer Teil der Vorbereitung. Die Stunden in der Werkstatt sind der Grundstein für ein erfolgreiches Wochenende.

Gefeit vor Problemen am Renntag ist aber auch Sander nicht. Am ersten Renntag der Saison lief im Training alles glatt, im Qualifying auch. Aber dann fiel sein Kart aus. Null Punkte im ersten Wertungslauf, im zweiten schied er aus, erhielt als Neunter nur zwölf Punkte. „In dieser Saison ist das doppelt schmerzhaft, weil es kein Streichergebnis mehr gibt. Da wiegt jeder Ausfall oder Fahrfehler umso schwerer“, weiß Sander. Dank der beiden Siege zuletzt ist er bis auf zwölf Punkte an Andreas Buchholz auf Rang eins herangefahren. „Ich hätte es nach dem ersten Renntag nicht erwartet, aber noch ist alles möglich“, sagt Sander, der Vierter im Gesamtklassement ist. Er hat seine Aufholjagd gestartet. Vier Wertungsläufe bleiben ihm noch für das vor Kurzem nie für möglich gehaltene Comeback. Wer sollte das schaffen, wenn nicht Sander?

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