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Alles auf Anfang

Der SC Twistringen geht mit viel Optimismus in die neue Bezirksliga-Saison. Ein Grund dafür ist auch Rückkehrer Saimir Dikollari.
25.08.2020, 14:46
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Von Karsten Bödeker
Alles auf Anfang

Uwe Küpker leitet weiter die Geschicke beim SC Twistringen.

Thorin Mentrup

Twistringen. Ein Happy End nach langem Warten, endlich umzusetzende gute Neujahrsvorsätze, ein Trainerteam, das sich schon lange kennt, ein Königstransfer als neuer Verbindungsmann und ein aufgefrischter Kader – spannend wird es allemal für und beim SC Twistringen. Der ist Fußball-Bezirksligist, noch immer, mag man hinzufügen. Denn dass das vor Corona auf einem Abstiegsplatz stehende Team in der Liga bleiben darf, stand erst spät fest – der Verband musste erst auch einmal planen und entscheiden.

„Uns fehlte die Gewissheit, was die Personalsuche erschwert hat“, erklärte Co-Trainer Michael Schultalbers. Doch jetzt freue man sich beim SCT über den Klassenerhalt. „Es sei dahin gestellt, ob wir es auch sportlich geschafft hätten.“ Anders gesagt, es ist dem SCT ziemlich egal, wann, wie und warum er Bezirksligist blieb. Hauptsache, dass an der B51 weiterhin der Duft der mittelgroßen Fußballwelt geschnuppert wird – alles andere würde auch nicht zur jahrzehntelangen Historie der Blaumeisen und des fußballerischen Selbstverständnisses aller Einwohner Twistringens passen. Zudem, und das macht Schultalbers deutlich, „waren wir gut vorbereitet und wollten unsere Lehren ziehen aus der Hinrunde." Tatsächlich hatte er schon zur Rückrundenvorbereitung deutlich gemacht, dass das Team aus den nicht immer engagierten und daher oftmals rätselhaften Auftritten des Spätherbstes 2019 die richtigen Schlüsse gezogen hatte.

„Die letzte Saison ist raus aus den Köpfen und die Bezirksliga beflügelt uns“, so Schultalbers. Den Optimismus steigert die Personalsituation mit den Neuzugängen. „Die Kadergröße und Qualität stimmen, wir merken jede Woche Fortschritte.“ Sieben Abgänge stehen elf Neue gegenüber, wobei Julian Fuhrmann und Torben Deepe nur zu den eigenen Alten Herren wechseln und aushelfen können. Mit Hannes Fortkamp, Janik Dieckmann, Lüder Uhlhorn, Aaron Djulic und Benno Schmidt kommen von extern vorwiegen junge Spieler für alles Mannschaftsteile. Marvin Schwenker, Noah Bors, Felix Meyer und Tom Thiede, von dem noch die Rede sein soll, kommen aus der eigenen A-Jugend. Fabien Gruschke kommt als Torwart ebenfalls aus der Landesliga-A-Jugend. Er wird mit Jannik Blome um den Stammplatz im Tor kämpfen. „Wir werden uns vermutlich für eine feste Nummer eins entscheiden“, so Schultalbers. Zuletzt wechselten sich Blome und Mark Schultalbers alle paar Spiele ab. Letzterer geht nun zu Frisia Goldenstedt. „Er hat noch mal eine neue Herausforderung gesucht, das verstehen wir alle“, erklärt Bruder Michael. Die Friesen spielen zwar in einem anderen Fußballbezirk, doch ist der Weg aus Twistringen dahin erfahrungsgemäß kurz. Das zeigt nicht nur der Vater der Schultalbers, Andreas, der als ehemaliger Verbandsligakeeper und ehemaliger Twistringer Trainer in Goldenstedts Ü50 recht erfolgreich spielt.

Trainer arbeiten Hand in Hand

Von Schultalbers ist der Weg nicht weit zum aktuellen SCT-Trainer Uwe Küpker. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Michael Schultalbers' Elternhaus steht direkt neben Küpkers aktuellem Wohnhaus. „Seine Töchter waren unsere Babysitter“, lacht Michael Schultalbers. Will sagen, der Trainer und seine rechte Hand kennen sich schon lange. „Wir arbeiten Hand in Hand, Uwe ist der klare Chef. Aber es darf auch mal unterschiedliche Meinungen geben.“ Torwarttrainer Jens Lange bleibt ebenfalls im Boot. Neu hinzu kommt Saimir Dikollari. Der Mittdreißiger hat in Brinkum, Melchiorshausen und Uphusen höherklassig gespielt und ist für eine Doppelrolle eingeplant. Er soll das Trainerteam ergänzen und quasi als verlängerter Arm auf dem Spielfeld agieren. Denn Dikollari, der schon vor zehn Jahren für eine Rückserie beim SCT spielte, kann noch immer jedes Bezirksteam verstärken. Regelmäßig 20 und mehr Tore gelangen ihm in der Bremen-Liga und auch den SCT hielt er damals mit seinen Toren in der Bezirksoberliga (heute Landesliga).

Dikollari bringt viel Qualität mit

Der Kontakt zum gut vernetzten Küpker blieb erhalten und so kommt es nun zu einer Win-win-Beziehung. Denn Dikollari will erste Erfahrungen im Trainerbereich sammeln und wird im Gegenzug den einen oder anderen Treffer abliefern. „Er bringt Erfolgserlebnisse mit“, nennt Schultalbers einen wichtigen Faktor. „Er wird das Team mitziehen und die Brücke zwischen Trainerteam und Mannschaft sein.“ Auch innerhalb des Teams wird Dikollari ein ordnender Faktor sein, wenn es um interne Absprachen und Aussprachen geht. „Die Jungs sollen lernen, dass sie gewisse Dinge auch unter sich ausmachen müssen und da hilft Saimir. Wir haben an Stimmung und Qualität hinzugewonnen, das merkt man in jedem Training“, berichtet der Co-Trainer und meint damit alle Neuen. Zu denen zählen eigentlich auch Christoph Harms und Kai Wessels, die lange ausgefallen waren. Unter den Neuen zu erwähnen ist Tom Thiede. Und das gleich aus drei Gründen: Zum einen spielt er wie Dikollari, Dieckmann, Bors und Uhlhorn offensiv, was nicht nur zahlenmäßig den Sturm zum Prunkstück macht. Zum anderen hatte er schon als A-Junior einige Spiele im Herrenbereich absolviert. Zum dritten ist sein Vater Thomas „Wilhelm“ Thiede eine Twistringer Fußballlegende. „Das wird sicherlich einige Nachbargespräche geben“, schmunzelt Michael Schultalbers. Denn nicht nur die Familien Küpker und Schultalbers, sondern eben auch die Thiedes wohnen einen Steinwurf entfernt vom Sportplatz auf der anderen Seite der B51 im Hainbuchenring.

Da sind etliche Gesprächskombinationen beim Weg zum Bäcker denkbar, wenn der eine Experte genau weiß, was des Nachbars Sohn beim Fußball hätte anders machen können. Doch eben das gehört in Twistringen dazu. So wie auch das Zuschauerinteresse. „Wir hatten bei Testspielen 50 bis 70 Zuschauer, der sich mit Stühlen auf der Tribüne verteilt haben. Da wurde die überdachte Westgerade zum Sitzplatzbereich. „Im Rahmen der Coronaregeln konnten wir zuletzt recht vernünftig trainieren“, so Schultalbers. „Wir werden uns noch weiter finden müssen, aber die Voraussetzungen sind gut. Schön, dass der Leistungssport wieder losgegangen ist.“ Zum Thema Saisonziel meint Schultalbers: „Nur der Klassenerhalt kann es in dieser komischen Konstellation nicht sein. Wir wollen erst mal unter die ersten Zwei, denn ob wir Dritter oder Letzter werden, hat die gleichen Folgen.“ Gleichwohl weiß er, dass das angesichts der starken Konkurrenz schwierig wird. „Ich bin mal gespannt. Der Modus wird dafür sorgen, dass es das eine oder andere kuriose Ergebnis geben wird, wenn die ersten beiden feststehen und es egal ist, wie man in der ersten Runde spielt.“

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