Bürgermeisterwahl Twistringen

„Ich möchte für Twistringen da sein“

Frank Hömer ist einer von zwei Bürgermeisterkandidaten bei der kommenden Wahl in Twistringen am 26. Mai. Der selbstständige Unternehmer im Bereich Sport und Ernährung will die Stadt voranbringen.
03.05.2019, 17:59
Lesedauer: 5 Min
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Von Gerald Weßel
„Ich möchte für Twistringen da sein“
Vasil Dinev

Twistringen. Der Kaffee vor ihm dampft, der Zug hinter ihm auf dem Bahnhofsgleis wartet auf seine Passagiere. Frank Hömer, 46 Jahre alt und CDU-Mitglied ist ins Gespräch vertieft. Er ist freier Bürgermeisterkandidat für Twistringen und heute besonders früh, gegen 4.30 Uhr, aufgestanden. Die Sonne kriecht langsam hinter dem Horizont hervor und wird bald die politisch-bürgerliche Szenerie erhellen. 5.30 Uhr, Bahnhof Twistringen, Frank Hömer schenkt Kaffee aus. Er weiß „der wird vor allem jetzt und hier gerne angenommen“. Es ein Wahlkampfauftritt, bei dem er natürlich nicht nur für wachere Mienen sorgen, sondern auch im Bürgerkontakt von sich überzeugen möchte. Als „schöne und angenehme“ Gespräche wird der in Merzen Geborene sie später bezeichnen.

Doch sollte es nur der erste von mehreren Terminen an diesem Tag sein. Stunden später sitzt er an seinem Schreibtisch im heimischen Büro, hinter ihm ein annähernd lebensgroßes Bild von ihm und seiner Familie. Erneut dampft ein Kaffee, doch dieses Mal ist es sein eigener – die Sonne versteckt sich allerdings weiterhin. Regentropfen fallen vom verhangenen Himmel am Fenster vorbei, während seine Frau und die zwei Töchter, 13 und elf Jahre alt, ihm bildlich über die Schulter blicken.

„Ohne sie ginge es nicht“, sagt er und unterstreicht, wie wichtig die Unterstützung durch seine Familie ist, die ihn auch im Wahlkampf tatkräftig unterstütze. Aber auch abseits davon sei seine Frau auch unternehmerisch unverzichtbar. Denn sie wäre es auch, die unter anderem das gemeinsam aufgebaute Geschäft mit zwei Sportstudios in Twistringen und Goldenstedt alleine weiterführen würde – so denn Frank Hömer neuer hauptamtlicher Bürgermeister von Twistringen wird. „Ich ziehe mich dann komplett raus“, sagt der 46-Jährige und verweist darauf, sich bereits politisch ähnlich verhalten zu haben. So hat er auch bereits sein Amt als Stadtverbandsvorsitzender der CDU in Twistringen aufgegeben, damit seine Unabhängigkeit klar wird – obwohl ihn die Partei offiziell unterstützt. „Ich will frei von Parteipolitik und Bürgermeister aller Twistringer sein.“

Begonnen hatte das politische Interesse des gelernten Tischlers früh. Schon in seinem Heimatort hatte er in der Jungen Union mitgewirkt, doch der Eintritt in die Bundeswehr und in jüngerer Vergangenheit die Selbstständigkeit an der Seite seiner Frau, ließen sein Engagement einschlafen. „Eigentlich wollte ich verweigern und zur Feuerwehr gehen“, offenbart er. „Aber der Sport brachte mich zur Bundeswehr und dann auch zur Verpflichtung für zwölf Jahre.“ Seine Heimat in der Bundeswehr fand der Triathlon-Begeisterte und Hauptfeldwebel der Reserve bei der Sportfördergruppe in Wahndorf, die ihn auch neun Jahre als stellvertretender Leiter eben dieser rund um die Welt führte.

„Ich habe bis zu 180 deutsche Spitzensportler pro Jahr vor Ort und auf Wettkämpfen weltweit betreut“, erzählt Hömer. Auch deshalb absolvierte er von 2001 bis 2004 ein begleitendes Fernstudium im Sportmanagement. Selbst brachte ihn sein Sport – mehr als 25 Marathons und Langstreckentriathlons – nicht auf den sportlichen Olymp. „Für Olympia hat es nie ganz gereicht“, räumt Frank Hömer ein. „Dafür aber immerhin für Militärweltmeisterschaften.“

Abschied und Wiedergeburt

Ein längeres Engagement bei der Bundeswehr wäre für ihn nicht in Frage gekommen, da es dann auch möglich gewesen wäre, mit der kämpfenden Truppe ins Ausland zu kommen. Stattdessen hieß es für ihn zusammen mit seiner Frau, Twistringer ans Sportgerät zu locken. Gemeinsam mit ihr baute er seit 2003 das bereits existente Geschäft seiner Gattin weiter aus.

Angela Merkel leitete Hömers politische Wiedergeburt ein: „2015 brachte für mich die Wende.“ Und setzt gleich nach. „Es kann einfach nicht sein, dass die CDU aufgrund einer Aussage von Angela Merkel zerbricht. Ihre Entscheidung damals war richtig, aber bei der Kommunikation ist sehr viel falsch gelaufen.“ Die Familie Hömer habe auch selber eine Flüchtlingsfamilie mitbetreut. Generell habe es sich zwar „im Großen und Ganzen gut geregelt“, lobt er die Gesellschaft und hebt vor allem das Ehrenamt sowie die tolle Arbeit der hauptamtlichen Kräfte und der zivilen Helfer wie Caritas und andere hervor. Aber „sie hat selber nicht abgesehen, was da passierte“, wirft Hömer der Kanzlerin vor. „Da muss man auch an der Basis arbeiten, um diese mitzunehmen.“ Genau dort half er bald darauf als gewählter Stadtverbandsvorsitzender bei Wahlen. Derzeit ist er unter anderem Ortsbürgermeister von Twistringen, stellvertretender Bürgermeister und Ausschussvorsitzender.

Wäre die CDU nicht seine politische Heimat, dann würde der, sich als mitte bis konservativ einstufende, Kandidat wohl bei der FDP untergekommen, räumt er ein. Frank Hömer würde sich auch von seinen Mitmenschen wünschen, politisch aktiver zu sein. In diesem Sinne gefallen ihm besonders – nicht nur thematisch – die Fridays-for-Future-Proteste der Schüler. „Ich finde es großartig, dass die Schüler sich auf diese Weise politisch engagieren.“

Als Jugendlicher arbeitete der bis heute gläubige Katholik als Messdiener, später als Gruppenleiter und später auch als Lektor und genoss die Arbeit im Glauben mit jungen Menschen sehr: „Mir waren und sind bis heute die christlichen Werte sehr wichtig.“ Die intensive Teilnahme im kirchlichen Kontext ergab sich aus dem Freundeskreis, nicht aus dem Elternhaus. „Mein Vater ist dennoch mein Vorbild für die Werte eines Christen, obwohl er und meine Mutter nie in die Kirche gingen.“ Das Miteinander der evangelischen und katholischen Kirche sei sehr wichtig für die Twistringer Gesellschaft.

„Ich wohne hier sehr gerne, ich möchte für Twistringen da sein“, sagt er und zeigt sich stolz. „Twistringen ist liebens- und lebenswert. Hier leben tolle Menschen.“ Er selbst sieht als möglicher Bürgermeister unter anderem folgende Schwerpunkte vor sich: Investitionen in Kinderbetreuung und Schulen, der Ausbau des bestehenden Kulturangebots und mehr Bürgernähe durch Verbesserung der Kommunikation zwischen Stadtverwaltung und den Bürgern sowie der Wirtschaft.

Bundesstraße 51 als größte Baustelle

Die Sanierung der Bundesstraße 51 sei die größte Baustelle seit Jahren – wohl auch politisch. Die zu erwartende Teil- oder phasenweise auch Vollsperrung werde eine Herausforderung – vor allem für Anlieger und Geschäfte in der Stadt. Selbige seien auch direkt betroffen, wenn es um die, seiner Meinung nach dringend benötigte Ortsumgehung, geht. „Wir kommen nicht drumherum, uns dafür einzusetzen.“ Aber das könne auch einige Leute ärgern, denn das bedeute auch mitunter Einbußen für Unternehmen und etliche betroffene Grundstückseigentümer. „Da könnte man auch mal anecken“, weiß er. Herausforderungen und Entwicklungen biete Twistringen genug. Doch egal was passiert, an einer Sache wird er nicht rütteln: „Alle freiwilligen Leistungen sollen weiterlaufen, wie sie jetzt sind.“

Sport spiele für ihn persönlich auch heute noch eine große Rolle, auch wenn er leider derzeit nur wenig dazu komme. „Ich habe noch nie so wenig für die sportlichen Veranstaltungen, an denen ich teilnehme, trainiert wie dieses Jahr.“ So stehe noch mindestens ein Marathon auf dem Plan.

Seine Selbstständigkeit, der Wahlkampf und die ehrenamtlichen politischen Ämter samt der repräsentativen Vertretungen für den erkrankten Bürgermeister Martin Schlake fordern ihn derzeit voll. „Aber auch als Bürgermeister würde ich wohl deutlich an die 70-Stunden-Grenze kommen.“ Dennoch bleibe ihm auch dann wohl mehr Zeit für seinen Sport, der ihm als Ausgleich sehr wichtig ist, als derzeit und generell sei die Arbeitsbelastung ihm eh nur zu vertraut: „Als Selbstständiger kennt man das.“

„Ich möchte die Ortsumgehung um Twistringen noch miterleben“, nimmt sich Frank Hömer schelmisch grinsend vor. „Ich will mit dem Rollator die erste Bahn laufen.“ Auch wenn bis zum Rollator bei ihm wohl noch einige Jahre ins Land gehen werden, sei er bereit so lange im Amt zu sein: „Wenn der Bürger in Twistringen sagt, 'der Hömer macht seine Arbeit gut', dann bleibe ich und mache weiter, solange es geht.“

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