Heiligenloher Kirche

Lebendige Kirche bis heute

In Gottes Häusern: Die evangelisch-lutherische Kirche von Heiligenloh wurde 1270 errichtet und hat seitdem mehrfach ihr Aussehen geändert. Generationen von Gläubigen haben ihre Prägung hinterlassen.
05.08.2020, 17:12
Lesedauer: 4 Min
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Von Dorit Schlemermeyer
Lebendige Kirche bis heute

Die Kirche in Heiligenloh gibt es seit 1270. Im Laufe der Zeit änderte sich ihr Aussehen immer wieder.

Michael Galian

Twistringen-Heiligenloh. „Der Ortsname Heiligenloh steht für eine alte heidnische Kultstätte“ ist auf dem Schild in der Vitrine vor der Kirche zu lesen, aber Pastorin Anke Orths kann das so nicht bestätigen. Urkundlich wurde der Ort 1252 das erste Mal erwähnt und war damals schon ein zentraler Kirchort. Allerdings wurde der frühgotische Kirchenbau mitten im Ort erst um 1270 errichtet. Im Jahr 1896 wurde das Langhaus dann baulich verändert. Acht Backsteinstrebepfeiler wurden aufgemauert, weil die Kirche auseinander zu brechen drohte. Diese Verstärkung hat sich bis heute bewährt , weiß die Pastorin. Aber es war nicht die einzige Veränderung, die der Königliche Baurat und Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Haase (1818-1902) vornehmen ließ.

Nach seinen Plänen wurde das Langhaus um einen achteckigen Chorraum erweitert, bis heute das architektonische Schmuckstück der Kirche. Die großen Fenster mit Buntglaselementen werfen ihr Licht auf den eindrucksvollen Altar und vor einem der Fenster ist das große Altarkreuz zu sehen. Es zeigt Jesus Christus leidend am Kreuz mit geneigtem Blick und ist in den Farben Rot und Gold gehalten. „Unsere Kirche markiert die Grenze zu unserer katholischen Nachbarschaft“, erläutert Pastorin Anke Orths im Altarraum. Das sieht man dem Innendekor an. So ist die Kanzel trotz der prunkvoll anmutenden Fassung ganz ohne figürliche Darstellung, um so ganz in der lutherischen Tradition die Aufmerksamkeit auf das verkündete Wort Gottes zu richten. Und es gibt noch mehr Besonderheiten. Die Pastorin deutet auf den Taufstein. Er ist das älteste Stück der Kirche und stammt aus der romanisch-frühgotischen Zeit des Kirchenbaus. Pflanzenornamente, genauer gesagt, zwölf Weinblätter schmücken den oberen Rand des kreisrunden Gefäßes. Sie stehen für die zwölf Jünger und ihre Verbindung zu Jesus Christus. „Der Taufstein wurde bei der Neugestaltung der Kirche 1838 aus der Kirche entfernt und war dann verschwunden“. Die Pastorin muss schmunzeln als sie auf die Aussparungen im Rund deutet: „Damit das Wasser besser ablaufen konnte, denn der Taufstein ist als Viehtränke zweckentfremdet worden“.

1953 wurde er wieder aufgestellt. Auf der rechten Seite wurde die Kanzel installiert. Sie ersetzt den Kanzelaltar. Ursprünglich mit Fuß und Schalldeckel ausgestattet, fällt er heute durch seine reichhaltige Farbigkeit auf, die die 2012 überraschend entdeckte und freigelegte Vorhangbogenmalerei mit floralem Motiv besonders zur Geltung bringt.

Auf der anderen Seite, auf der Westempore, kann man die wertvolle Meyer-Orgel bewundern. „Die Heiligenloher wollten den Twistringern nicht nachstehen und haben Geld gesammelt für die Orgel. 70 Kühe hat sie damals um 1696 gekostet“, weiß Orths zu berichten. Von der Orgel aus kann man dann auch die 2003 wieder frei gelegten eindrucksvollen Deckenfresken aus der Spät-Gotik bewundern. Sie zeigen Jesus als Weltenrichter und die neben ihm kniende Frauengestalt ist vermutlich Maria, der bärtige Männerkopf zu seiner Rechten wohl der Jünger Johannes.

„Diese Kirche war immer eine lebendige Kirche, hier haben Generationen ihre Prägung hinterlassen und das ist bis heute so geblieben“, freut sich die Pastorin über das Engagement ihrer Kirchenmitglieder. So wird der eindrucksvolle Kirchturm mit seinen 34 Metern Höhe auf Initiative des Verschönerungsvereins Heiligenloh mit dem Förderverein evangelisch-lutherische Kirche Heiligenloh in den Abendstunden angestrahlt. 85 Stufen führen bis zu den Glocken hinauf, vorbei am Gehäuse der noch vollständig erhaltenen Kirchturmuhr und am Eingang zum Dachboden. Von dort ermöglicht ein fester Holzsteg interessante Blicke von oben auf die drei Kreuzgewölbe und die angebaute Apsis.

Beim Aufstieg unübersehbar sind verkohlte Holzbalken. Sie zeugen noch heute vom Kirchtumbrand 1905. Bei einem Sommergewitter am 16. Juli schlug ein Blitz ein und setzte die Kirchturmspitze und den hölzernen Glockenstuhl in Brand. Genau in diesem Jahr wurde zum Glück auch die Freiwillige Feuerwehr Heiligenloh gegründet, die damit zu ihren ersten Einsatz kam und verhindern konnte, dass das Feuer auf das Kirchendach und -schiff übergreifen konnte. Der Wiederaufbau wurde noch im gleichen Jahr unter der Leitung des Architekten und Haase-Schülers Friedrich Jacob begonnen. Beim Brand schmolzen auch drei Glocken. Zwei wurden ersetzt, aber eine war nach 20 Jahren unbrauchbar und wurde 1981 durch eine Bronzeglocke ersetzt.

Von der Höhe in die Tiefe: Beim Bau des Heizungskellers, stieß man 1966 auf ein ausgemauertes unterirdisches Grabgewölbe mit zwei Särgen. Nach den Kirchenbüchern wurden hier im 17. und 18. Jahrhundert elf Personen bestattet, darunter der Königliche Kammerdiener Hermann Hoburg, gebürtiger Heiligenloher, der schon in jungen Jahren in den Dienst des Königshaus Hannover getreten war. 1760 kehrte er in seine Heimat zurück. Von ihm wurde das silberne Abendmahlgeschirr gestiftet.

Dass sich Kirchenmitglieder bis heute für die Kirche einsetzen, zeigt der Taufbaum, der von Bianca und Sven Blumberg anlässlich der Taufe ihres Sohnes angeregt und gestaltet wurde. „Bei der Konfirmation werden die Äpfel mit den Bildern an die Konfirmanden zurückgegeben“, erläutert Anke Orths. Die Osterkerze ist ein weiteres Beispiel. Der Metallständer wurde 2002 von Reinhardt Wolter angefertigt. Das Motiv wird zu jeder Osternacht von Renate Windeler neu entworfen. In diesem Jahr konnte die Kerze bedingt durch Corona nicht angezündet werden, da kein Gottesdienst stattfand. „Wir sind ein kleiner Ort, da war es gut, dass es hier noch ein Markt gibt, da trifft man dann seine Gemeindemitglieder. So ist der Kontakt in den Wochen ohne Gottesdienste nicht verloren gegangen." Trotzdem freut sich die Pastorin, dass endlich wieder Gottesdienste möglich sind. Zusammen mit dem Kirchenvorstand und anderen Helfern hat sie entsprechende Vorkehrungen getroffen. Wegen der geltenden Abstandsregeln kann nicht jeder Platz besetzt werden, aber auch dafür wurde eine Lösung gefunden: „Wenn zu viele kommen, wiederholen wir einfach den Gottesdienst“, sagt sie.

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