Bürgermeisterwahl Twistringen Kandidaten im Fragenhagel

Die Twistringer Bürgermeisterkandidaten Jens Bley und Frank Hömer stellten sich am Donnerstag, 16. Mai, im Hotel Zur Börse den Fragen ihrer Bürger.
18.05.2019, 10:36
Lesedauer: 7 Min
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Kandidaten im Fragenhagel
Von Micha Bustian

Twistringen. Da kann einem schon ein wenig Bange werden. Rund 300 Augenpaare richteten sich am Donnerstagabend im Hotel Zur Börse auf Moderator Uwe Diephaus und die beiden Twistringer Bürgermeisterkandidaten Frank Hömer und Jens Bley. Doch die anfängliche Nervosität schwand schnell. Nach den persönlichen Vorstellungen entwickelte sich ein von gegenseitigem Respekt geprägtes Frage-Antwort-Spiel zwischen Verwaltungs-Chefs in spe und dem Publikum. In Pausen sprang Uwe Diephaus gekonnt ein.

Wie kann der Mangel an seniorengerechten Wohnungen minimiert werden?

Jens Bley: Da haben wir schon einiges auf den Weg gebracht. Aber wir müssen etwas machen, als Stadt Einfluss nehmen. Dafür haben wir ja die Planungshoheit. Ich weiß von einem Bundesprogramm, das ab 2020 Mehr-Generationen-Wohnungen im Zentrum fördert.

Frank Hömer: Wir haben gerade eine solche Einrichtung an der Steller Straße durch den Rat gewunken, müssen aber weiter in seniorengerechte Wohnungen investieren. Mehr-Generationen-Häuser alleine reichen aber nicht aus. Wir brauchen auch ärztliche Versorgung und Apotheker.

Kommt ein zweiter Anlauf in Sachen Bürgerbus?

Hömer: Da gab es ja schon eine Umfrage und ich weiß nicht, warum die so wenig Resonanz hatte. Aber ich würde einen zweiten Anlauf in dieser Sache unterstützen.

Bley: Ich halte den Bürgerbus für sehr wichtig und würde das gerne umsetzen. Beim ersten Versuch fehlte es an Menschen, die dabei Verantwortung übernehmen wollten.

Tut Twistringen genug für die Bildung?

Hömer: Genug nicht, aber viel. Wir haben eine Großtagespflege in Scharrendorf eingerichtet, im neuen Baugebiet soll es auch eine Kita geben. Dazu haben wir die Gebäude der Grundschule am Markt gekauft, da in der Nähe soll das NKD-Gebäude verschwinden und durch eine Sporthalle ersetzt werden. Das Schulzentrum soll ein Ganztagsangebot bekommen, das ist unumgänglich. Zudem investieren wir in das Gymnasium, sanieren innerhalb des Traktes, weil jetzt ja wieder G9 kommt. Und wir wollen die Bücherei erhalten.

Bley: Wir sind nach Twistringen gezogen, weil es hier alle Schulformen gibt. In der Kinderbetreuung könnte man an Kooperationen zwischen Kitas und Unternehmen denken. Die Unternehmen sollten sich auch in den Schulen einbringen. Das fördert die Bindung zwischen den Kids und den Firmen. Aber ich gehe noch einen Schritt weiter: Erwachsenenbildung vor Ort wäre ein Standortvorteil für Twistringen.

Braucht Twistringen mehr Sporthallen? Sollte Scharrendorf ausgeweitet werden?

Bley: Ich würde alle drei Grundschulstandorte erhalten wollen. Die Grundschule Am Markt bekommt jetzt ja auch eine Sporthalle, für Scharrendorf fehlt noch der Beschluss. Ich bin für kurze Wege. Und ich denke, auch die Vereine sollten diese Hallen nutzen können.

Hömer: Ich stehe zu den drei Standorten. Heiligenloh ist ja gut ausgerüstet. So muss das auch sein, denn in den Schulen sollten die Kinder zum Sport gebracht werden. Weil die Kinder zu den Sporthallen gefahren werden müssen, entstehen Kosten von jährlich 25 000 Euro. Da rechnet sich der Hallenbau schnell.

Um den Haushalt auszugleichen – wo sollte gespart werden?

Hömer: Nicht bei den freiwilligen Leistungen, nicht beim Jugendhaus, beim Freibad oder bei der Bibliothek. Vor einer Kürzung müsste der ganze Haushalt geprüft werden.

Bley: Freiwillige Leistungen machen eine Stadt lebenswert. Wenn es eben geht, sollte man daran nicht kürzen. Wenn ich handeln müsste, würde ich die freiwilligen Leistungen aus dem Haushalt herausnehmen und sie beispielsweise über Fördervereine laufen lassen. Müsste Twistringen sparen, würde ich an die Straßen herangehen.

Das Jugendhaus ist für Jugendliche aus den umgebenden Dörfern kaum zu erreichen. Wie kann man das lösen?

Hömer: Das ist schwer zu steuern. Der Bürgerbus wäre eine Möglichkeit, es könnten Fahrgemeinschaften gegründet werden. Und bei gutem Wetter gibt es ja auch noch das Fahrrad. Aber vielleicht könnte das Jugendhaus ja auch nach draußen gehen.

Bley: Vielleicht könnte man die Vereinsbusse dafür nutzen. Die Stadt würde das fördern.

Es war die Rede von einer Verschlankung der Verwaltung. Was ist damit gemeint?

Bley: Dieser Satz kam von mir. Aber das heißt nicht, dass wir Personal abbauen wollen. Wenn es nötig werden sollte, dann soll es nur über die Ruhestandsregelung laufen. Mir ging es bei der Verschlankung um digitale Strukturen. Wir müssen viele Prozesse digitalisieren. Die digitale Akte wird kommen, das Open Government. Davon war die Rede.

Hömer: Eine Verschlankung ist kein Thema. Das ist der falsche Weg.

Die Stelle der Agenda-Beauftragten Ulrike Ehlers ist unbesetzt, obwohl das Geld dafür im Haushalt eingestellt wurde. Gibt es da eine Idee für die Zukunft?

Bley: Wenn die Aufgabe es nötig macht, sollten wir die Stelle neu besetzen. Wenn nicht, könnte auch ein Ehrenbeamter diese Stelle am Leben erhalten. Dann könnte man das Geld umlagern.

Hömer: Ehrenbeamte haben die gleiche Verantwortung wie Angestellte, bekommen aber keine Entschädigung. Für die Feuerwehr mag das passen, aber ansonsten wage ich das zu bezweifeln. Die Stelle sollte nachbesetzt werden.

Die Arbeit des Bürgermeisters besteht ja aus eine repräsentativen Teil und der Verwaltungsarbeit. Haben Sie die entsprechende Ausbildung, Herr Hömer?

Hömer: Man sollte mal von dem Gedanken wegkommen, dass der Bürgermeister ein reiner Verwalter ist. Der größte Teil der Arbeit besteht aus Gesprächen. Die Verwaltungsarbeit ist nur der kleinere Teil, dafür gibt es ja auch die Fachbereichsleiter. Wir haben ja auch gerade einen neuen Ersten Stadtrat eingestellt. Außerdem habe ich schon mit vielen Bürgermeistern gesprochen.

Wie vertreten Sie bei der Sanierung der Bundesstraße 51 die Interessen von Anliegern und Geschäftsleuten?

Bley: Ich sehe die Sanierung als außerordentlich positiv an, es ist aber auch eine riesige Herausforderung. Wir müssen frühzeitig die Umleitungen festlegen, müssen Einfluss nehmen, mit den Planern sprechen. Das braucht eine gute Kommunikation.

Hömer: Das ist eine Frage des Baustellenmanagements. Wir müssen frühzeitig ausschildern und uns etwas einfallen lassen, um das Zentrum attraktiv zu halten. Eine Baustellenparty beispielsweise.

Sollen im Zuge des Baus der Umgehungsstraße weitere Baugebiete ausgeschrieben werden?

Hömer: Natürlich! Wir haben mehr als 70 Interessenten. Wenn wir denen keine Angebote machen, ziehen die woanders hin. Wir müssen schnell und vorausschauend planen. Die Landwirte wollen für die Umgehung kein Land abgeben. Da müssen wir ein Flurbereinigungsverfahren in Gang bringen.

Bley : Die Ortsumgehung ist interessant und gut, weil der Schwerlastverkehr dann aus der Stadt verschwindet. Wir haben dabei aber nicht die Planungshoheit. Ich sehe nahe der Umgehung aber eher Gewerbegebiete als Baugebiete. Man könnte das Gewerbegebiet „In den Weiden“ bis Borwede vergrößern. Dann hätte man auch gleich einen Anschluss. Aber klar ist: Wir brauchen auch Baugebiete.

In der Bahnhofstraße gibt es immer weniger Geschäfte. Wie begegnen Sie dem Leerstand?

Hömer: Wir haben drei Gebäude dort für die Schulerweiterung gekauft, NKD weicht für eine Sporthalle. Dann gibt es gar nicht mehr so viel Leerstand. Zudem wurde ein Einzelhandelskonzept erstellt. Ich finde, man sollte sich von der Bahnhofstraße als Einkaufsstraße verabschieden.

Bley: Das sehe ich ähnlich. Für die Bahnhofstraße sollte man über Mehr-Generationen-Wohnungen oder Single-Wohnungen nachdenken. Gute Gastronomie würde dieses Gebiet aufwerten. Leerstehende Gebäude könnte man auch freigeben für Musik, Kunst oder Lesungen. Ein Leerstandskataster wäre sicher auch hilfreich.

Unterstützt die Politik das Ehrenamt zu wenig?

Bley: Vereine wollen gestalten. Dafür benötigen sie Geld, aber allein das Ausfüllen der Anträge dafür dauert oft tagelang. Es sollte ein Fördermanagement eingerichtet werden, das Vereinen und Ehrenamtlichen dabei hilft, die komplizierten Formulare auszufüllen. Es kommt ja nicht von irgendwoher, dass nur zehn bis zwölf Prozent der Fördergelder abgerufen werden.

Hömer: Hier müssen wir nichts ganz Neues machen. Diese Komplikationen sind schwer von der Stadt zu beheben.

Welche Möglichkeiten des bezahlbaren Wohnraums gibt es?

Bley: Die Stadt hat die Satzungshoheit. Wir können so etwas in den Bebauungsplänen festlegen. Dafür gibt es das Wohnraumzweckentfremdungsgesetz.

Hömer: Sozialwohnungen liegen in der Verantwortung der Kommune. Wir sollten die aktuellen Wohnungen sanieren, die dürfen nicht verfallen. Wir könnten auch über die Bebauungspläne eine Prozentzahl an Sozialwohnungen festlegen.

Wo soll Twistringen in zehn Jahren stehen?

Hömer: Ich möchte ein Visionär sein, Twistringen zu einer Marke machen. Dazu muss ziel- und wachstumsorientiert gearbeitet werden. Wir brauchen Planungsgrößen, an denen wir sehen können, was geändert werden muss.

Bley: Ich will Twistringen weiterentwickeln. Ich denke an ein Gründerzentrum für neue Technologien wie 3D-Drucker oder für Ärzte. Eine Art Ausbildungszentrum für Landärzte in Kooperation mit Universitäten.

Wie stehen Sie zur Landwirtschaft?

Hömer: Landwirtschaft gehört zu Twistringen, sie muss gefördert werden. Die Landwirtschaft muss sich aber besser darstellen. Das muss man ausarbeiten.

Bley: Ich stehe zur Landwirtschaft, weiß aus meiner Kindheit, was das bedeutet. Wir müssen neue Wege entwickeln, Wertschöpfungsketten schaffen, zum Beispiel mit Gemüse Meyer. Es könnte ein Forschungszentrum Landwirtschaft entstehen. Generell erachte ich die Prägung der Landwirtschaft als positiv.

Welche Möglichkeiten zur Ansiedlung von Industrie gibt es noch?

Bley: Unternehmen müssen sich wohlfühlen. Dafür braucht es Ansprechpartner bei der Stadt, Infrastruktur, 5G-Internet an jeder Milchkanne und ausreichend Fachkräfte.

Hömer: Wirtschaftsförderung ist für mich Chefsache. Wir müssen die Vorteile Twistringens nach außen transportieren und Bauplätze vorhalten. Außerdem ist die Datenleitung im neuen Gewerbegebiet zu langsam.

Warum sollten die Bürger ihr Kreuz am 26. Mai bei Ihnen setzen?

Hömer: Ich habe bewiesen, dass ich es kann, habe drei Jahre lang geackert. Ich will Twistringen mit Herzblut nach vorne bringen. Ich habe langjährige Erfahrung im Vorweggehen, scheue keine Auseinandersetzung und habe schon Verantwortung übernommen. Ich stehe für ein wettbewerbsfähiges Twistringen.

Bley: Ich hatte in vielen Facetten meiner bisherigen Laufbahn mit Menschen zu tun, als Polizist, Gewerkschafter, Personalrat und Ortsbürgermeister. Ich habe eine Ausbildung im öffentlichen Dienst, ein Verwaltungsstudium und weiß, was es heißt zu führen. Ich bin aufrichtig, ehrlich und authentisch und begegne den Twistringern mit Hochachtung und Respekt. Ich will die Stadt weiterentwickeln, bessere Bedingungen gestalten.

Das ganze Interview lesen Sie auf www.weser-kurier.de.

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