St. Anna Twistringen

Klangvolle geistliche Duette

Eine Reise durch drei Epochen der Musikgeschichte erlebten die Zuhörer am Sonntagabend in der St.-Anna-Kirche. Diese feierte ihren 150. Geburtstag mit geistlichen Duetten aus England.
26.10.2020, 16:22
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Von Dorit Schlemermeyer

Twistringen. Zwischen den Komponisten liegen fast 400 Jahre: Renaissance, Barock, das Zeitalter der Aufklärung bis zur Neuzeit, aber gemeinsam ist allen eine tiefe Religiosität, die sich in ihren Kompositionen ausdrückt. Anlässlich der Konzertreihe zum 150. Geburtstag der St.-Anna-Kirche standen am Sonntagabend im Twistringer Gotteshaus geistliche Duette aus England auf dem Programm. Den Auftakt gestaltete allerdings Kantor und Organist Johannes Schäfer an der Truhenorgel.

„The Queen’s Alman“ ist eine der bekanntesten Kompositionen von William Byrd, einem Komponisten, der zu William Shakespeares Zeiten lebte und von seinen Zeitgenossen sehr geschätzt wurde. Es war ein feierlicher Auftakt für ein Konzert, das mit einem bekannten Organisten weiterging. In Robert Kings Werk geht es um das Erwachen des Glaubens: „Awake, my drowsy soul, arise“ (deutsch: „Erwach, steh auf, meine müde Seele“). Veronika Winters klangvoller Sopran und Philipp Borchers Bass fanden eine ausdrucksstarke musikalische Sprache, um die tiefen Gefühle des Glaubens darzustellen.

Das folgende Duett war das dazugehörige Glaubensbekenntnis. Gesungen wurde es von Winter und Beate Gehrken, die mit ihren schönen Sopran-Stimmen die Zuhörer in den Bann zogen. Mit Mark James Monk und seiner Komposition „Except the lord build the house“ präsentierten sie eine eindringliche Mahnung, am Glauben festzuhalten – von Winter und Gehrken gefühlvoll übermittelt.

Mit „The fall of the Leafe“, einem melancholischen Stück von Martin Peerson, konnte Johannes Schäfer in gewohnt perfekter Ausführung zu einem dramatischen Höhepunkt des Konzerts überleiten. Im Programmheft lautete die Überschrift: „Aus tiefster Not schrei ich zu Dir“. Der Komponist John Blow hat in diesem Stück den biblischen Dialog zwischen Abraham und dem Volk Jerusalem vertont: „Hilf Vater Abraham! Gnädig siehe hier, schau meine Qualen im Feuermeer.“ Sopranistin Veronika Winter lieh ihre Stimme den dramatischen Klagen und Philipp Borchers übernahm den Part von Abraham: „Was für ein Höllensohn belästigt hier den Sel’gen, der sich kaum gewärmt an mir.“ Die Zuhörer lauschten mit Spannung den dramatischen Wendungen.

Wie zum Trost gab es dann das wunderschöne Stück „He shall feed his Flock like a Shepard“ („Er weidet seine Herde dem Hirten gleich“) von Georg Friedrich Händel. Sehr emotional vorgetragen von Beate Gehrken im Duett mit Philipp Borchers.

War im Konzert schon ein Werk von John Blow zu hören, durfte auch sein Schüler Henry Purcell nicht fehlen. Schon zu seinen Lebzeiten (1685-1759) galt er als der bedeutendste englische Komponist. Sein „Prelude in F“ wurde von Schäfer an der Orgel eindrucksvoll und meisterhaft dargeboten und bildete damit wieder einen gelungenen Auftakt für den letzten Akt des Dramas – der Auferstehung: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt und in meiner Unsterblichkeit werde ich ihn sehen.“ Und einmal mehr waren es die schönen Sopran-Stimmen von Gehrken und Winter, die das Versprechen der Auferstehung emotional in Szene setzten.

Das Konzert endete mit einem furiosen Finale: „Dank saget Gott, der uns den Sieg gegeben hat durch Christus, unseren Herrn. Alleluja. Dank saget Gott! Amen!“ Die letzten Zeilen wurden gemeinsam gesungen von allen Beteiligten. Während es im gesamten Konzert still geblieben war, kamen alle Sänger und Organist nun in den Genuss des Applaus, der gar nicht mehr enden wollte für dieses berührende Konzert.

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