Maria 2.0

„Jede Liebe verdient Gottes Segen“

Im März hat die katholische Glaubenskongregation beschlossen, den Segen Gottes für gleichgeschlechtlich Liebende zu verbieten. Dagegen regt sich Protest, in Twistringen angeführt von der Gruppe Maria 2.0.
08.05.2021, 07:08
Lesedauer: 2 Min
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Von Dorit Schlemermeyer
„Jede Liebe verdient Gottes Segen“

Sie warten auf Unterstützung: Die Twistringer Gruppe Maria 2.0 lädt ein zu einem Fest des Glaubens.

TAMMO ERNST

Twistringen. Ob an der St.-Anna-Kirche in Twistringen auch bald die Regenbogenfahne hängt, das Zeichen der Queer-Bewegung? Vorerst dient sie nur als Fotomotiv für die Ankündigung von zwei Veranstaltungen, die für queere Menschen, aber auch alle anderen Liebenden ein „Segensangebot“ ist. Los geht es am Sonntag, 9. Mai, um 10 Uhr mit dem Segensweg unter dem Motto „Jede Liebe verdient Gottes Segen“. Die Gruppe Maria 2.0 der Pfarrei St. Annas lädt ein, sich auf diesen Segensweg zu begeben.

„Bei allem Verdruss über Corona, unsere Kreativität hat die Pandemie gefördert“, erzählt Pastoralreferentin Birgit Hosselmann, eine der Initiatorinnen des Segenswegs. Von der Richtigkeit dieser Aussage können sich die Gäste, Wanderer und Spaziergänger ab Sonntag überzeugen. Auf dem Kirchengelände, insbesondere im Pfarrgarten, haben die Frauen sechs Stationen angelegt, die einladen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Hier finden die Besucher Texte, Lieder und Impulse, die motivieren sollen, sich zu engagieren, sich dafür einzusetzen, dass auch queere Menschen ihren Segen erhalten können.

Auslöser für diesen Segensweg und auch den am Montag stattfindenden Segensgottesdienst war der Entschluss der katholischen Glaubenskongregation im März 2021, den Segen Gottes für gleichgeschlechtlich Liebende zu verbieten. Die Gruppe Maria 2.0 möchte dazu Stellung beziehen, denn jeder Mensch sei ein Kind Gottes, der großherzig und liebevoll auf jede und jeden Einzelnen schaue. Daher wünscht die Gruppe allen Menschen Gottes reichen Segen, heißt es dazu in einer Broschüre

„Eingeladen zum Fest des Glaubens“ und „Ich lobe meinen Gott“ sind die passenden Lieder dazu, die an der ersten Station erklingen. An der zweiten sind die Gäste herzlich eingeladen zum Gebet. An Position drei können Interessierte biblische Worte empfangen. An der vierten besteht die Möglichkeit, Sehnsüchte und Wünsche zu formulieren und Bitten vor Gott zu bringen. Fünftens: Die Besucher dokumentieren mit ihrer Unterschrift, dass sie sich solidarisch erklären mit der Bewegung „#meinGottdiskriminiertmichnicht“. Die Listen der Namenszeichen werden an den Bischof – beziehungsweise an die Deutsche Bischofskonferenz – weitergeleitet. An der sechsten Station schließlich erfüllt der Segensweg seine wahre Bestimmung: „Und so bitten wir dich, Gottvater und -mutter, der du alle Menschen liebst: Segne mich, segne uns mit deiner heilbringenden Kraft und schenke uns deinen froh machenden Segen.“

„Wir freuen uns über jeden Menschen, der bei uns vorbeischaut“, ist Maria Stenner-Diekmann von der Gruppe Maria 2.0 schon ganz gespannt auf die Resonanz auf den Segensweg. Und natürlich auch auf die Beteiligung am Gottesdienst für Liebende mit Pastoralreferentin Jana Wilde, der am Montagabend um 19 Uhr in der St.-Anna-Kirche stattfindet.

Es sei schon eine Enttäuschung gewesen, als die Glaubenskongregation den Segen Gottes für gleichgeschlechtlich Liebende verbot. „Das ist mit meinem Glauben nicht vereinbar“, so die junge Referentin Jana Wilde. Als „schlicht aus der Zeit gefallen“, kommentierten diese Entscheidung auch die anderen Beteiligten an der Aktion, die zeitgleich in den anderen katholischen Mitgliedsgemeinden stattfindet. „Natürlich gibt es in unseren Gemeinden Menschen, die Angst vor Veränderungen haben, aber genauso gut auch diejenigen, die darauf warten“, so Andreas Gautier, Pastoralreferent in Stuhr. Auf der Internetseite der St.-Anna-Kirche lautet der Einladungstext für den Liebesgottesdienst: „Egal ob verheiratet oder nicht, ob jung oder alt, ob homo oder hetero – alle sind herzlich eingeladen.“ Beginn ist in der St.-Anna-Kirche am Montag, 10. Mai, um 19 Uhr.

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