Alte Ziegelei

Mit dem richtigen Gespür

Musiker und Zuschauer genossen das erste Konzert unter Corona-Bedingungen in der Alten Ziegelei in Twistringen. Das Reinhold Beckmann Duo und Rike Mey sorgten für einen entspannten Sommerabend.
16.08.2020, 18:17
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Von Peter Cordes
Mit dem richtigen Gespür

Unbefangen und zwanglos sorgte das Reinhold Beckmann Duo für einen entspannten Konzertabend in Twistringen.

Michael Galian

Twistringen. Mit einem musikalischen Leckerbissen, ganz unbefangen und zwanglos, alles wie selbstverständlich, gab es am Sonnabend nach 2018 ein Wiedersehen mit dem Reinhold Beckmann Duo. Diesmal als Open-Chair-Konzert auf dem Gelände der alten Ziegelei an der Grabhorststraße in Twistringen. Mit Jan-Peter Klöpfel am Keyboard und der Trompete, Thomas Biller am Bass und Johannes Wennrich an der Gitarre hatte Beckmann geschickt und mit dem richtigen Gespür, alte und auch ganz neue Songs zusammengestellt.

Aus dem erst im April 2021 auf den Markt kommenden dritten Album „Auf Herz wär was gegangen” erlebten einige Songs schon in Twistringen ihre Premiere. Beckmann erklärte bei „Das habe ich alles schon probiert„, “Der Lack ist ab„, “Donauwelle„, “Balkonien oder Vier Brüder“ auch die Hintergründe, die zur Komposition der Songs führten. Der Alltag eines langen Ehelebens, der Wunsch der Liebsten auf der Donau einen Kuss als Flaschenpost zu senden oder auch die Wut über große Schwindeleien und einem sich langsam zur Normalität werdenden Morden mit Worten dienten Beckmann als Textgrundlagen. Seinen kritischen Blick hat Beckmann sich bewahrt. Er scheut sich nicht, gesellschaftliche, aber auch politische Themen aufzugreifen, überwiegend aber ohne mit dem moralischen Zeigefinger zu fuchteln.

Ob das brillante Gitarrenspiel, der kraftvolle Bass, die gedämpfte Trompete oder auch die Klänge des Keyboards, alles im Zusammenspiel strahlte Souveränität in scheinbarer Mühelosigkeit aus. Bei gefühlvollen Balladen, melancholischen und auch jazzigen bis hin zu fast rockigen Songs versetzte das Reinhold Beckmann Duo seine Gäste in ein Wechselbad der Gefühle. Während des neuen Liedes „Vier Brüder“, das Beckmann seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Mutter widmete, schaffte älteres Liedgut wieder schnell eine Stimmungsschwankung und die Verbindung zu Twistringen. Mit „Merle, Perle aus Brake", "Bremen", "Twistringen" und auch der "Hypochonder" gab Beckmann mit seinen Musikern noch einmal Einblicke in die 1960er-Jahre mit Filmemacher Werner Enke und May Spils oder der Schneiderin mit ihrem beeindruckenden Dekolleté. Schnell klatschte und schunkelte das Publikum auf den Stühlen.

Neben dem Beckmann Duo war es Organisator Rene Beckmann mit seinen „Freunden der alten Ziegelei“ nach der zwangsweisen Winterpause, verbunden mit den Corona-Kapriolen, gelungen, die erste Veranstaltung in diesem Jahr auf dem Ziegeleigelände auf die Beine zu stellen. Über Mund-zu-Mund-Propaganda hatte er außerdem die aus Bremen kommende und als Straßenmusikerin und Hochzeitsängerin bekannt gewordene Rike Mey verpflichtet. Noch vor dem Reinhold Beckmann Duo heizte Rike Mey den Ziegeleibesuchern mit ihrer kräftigen Stimme und ihrem taktgebenden Begleiter Nico an seinem Schlagzeug kräftig ein. Coversongs wie „Clocks", "Billie Jean", "Rolling in the Deep", "Knockin' on Heaven's Door" bildeten Meys vorabendliches Repertoire bei entsprechender, eigener Interpretation. Mit „Sweet Dreams", "Hallelujah" und "Hamsterkacke“ verabschiedete sich die Sängerin.

Die Eröffnung des Open-Chair-Konzertes behielt sich Organisator Rene Beckmann vor. Bei voll besetztem Ziegeleigarten erläuterte er nochmal das Hygienekonzept, ohne dass er in Coronazeiten keine Genehmigung für ein solches Konzert erhalten hätte. Ein besonderes Anliegen war es Rene Beckmann, an den tödlichen Badeunfall des über 20 Jahre im Verein tätigen Ton- und Lichttechnikers zu erinnern. Sichtlich bewegt gab er den Besuchern bekannt, das der Veranstaltungsabend auch in Gedenken an den ehemaligen Vereinskollegen durchgeführt wird. „Das ist heute auch ein Abend für dich, Ingo“, so Rene Beckmann.

Rike Mey wie auch die Reinhold Beckmann Band bedankten sich unter dem Applaus der Gäste bei Rene Beckmann, dass er die vielen Mühen auf sich genommen hat. „Gerade in solch, ganz besonders für Künstler, sehr schwierigen Pandemiezeiten freuen sich alle, wieder auf der Bühne zu stehen“, so Reinhold Beckmann. Auch die Gäste genossen den herrlichen Sommerabend und Rene Beckmann war zufrieden: „Keine besonderen Komplikationen, da freue ich mich doch jetzt schon auf unsere 'Blues Night' am 4. September", so Rene Beckmann.

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