St.-Anna-Kirche Twistringen

Die Auffrischungskur

Im Moment laufen die Renovierungsarbeiten in der St.-Anna-Kirche in Twistringen auf Hochtouren. Nachdem die ersten Verschmutzungen abgetragen wurden, ist jetzt der Fußboden an der Reihe.
25.05.2020, 17:46
Lesedauer: 3 Min
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Die Auffrischungskur
Von Tobias Denne
Die Auffrischungskur

Der Anstrich in der St.-Anna-Kirche ist eine der Hauptaufgaben. Alles soll wieder heller werden.

Fotos: Vasil Dinev

Twistringen. Lena Wissing steht auf dem Hubsteiger. Ein ungewöhnlicher Ort für das schwere Gerät, befindet es sich doch inmitten der St.-Anna-Kirche in Twistringen. Wissing ist Restaurateurin und mit dem Hochaltar beschäftigt. „Die Arbeit wurde vorgezogen, weil der Hubsteiger gerade in der Kirche steht. Ich bin aber noch nicht fertig“, sagt sie und lacht. Mit einer kleinen („Die ist ungefähr so groß wie ein Q-Tip“) Watterolle reinigt die Restaurateurin den Hochaltar. Dabei klingt das einfacher als es ist. „Man muss vorher Tests an kleinen Stellen machen, um zu sehen, welcher Überzug darauf ist. Wenn einer vorhanden ist, dann kann man wässrig arbeiten“, erklärt Wissing, die betont, dass Blattgold – wie in Twistringen vorhanden – nicht unbedingt mit Harz oder Kunststoff überzogen sein muss. „Allein die Reinigung des Altars hat zwei volle Tage gedauert und das war nur die Abnahme der Schmutzschicht“, sagt Wissing.

Wer sich in diesen Tagen auf den Weg in die St.-Anna-Kirche macht, der wird ein ganz anderes Gotteshaus vorfinden. Dort, wo sonst Menschen den Gottesdienst feiern und gemeinsam singen, bearbeiten die Mitarbeiter der Firma Eichholz aus Bad Laer gerade den Fußboden. Die Kirchenbänke stehen an den Seiten, abgedeckt mit Planen. Diese sorgen dafür, dass die Bänke möglichst wenig Staub abbekommen. Wie auch die Altäre, die ebenfalls verdeckt sind. Der Eingangsbereich der Twistringer Kirche ist zwar noch zugänglich, viel weiter können die Besucher aber gerade nicht kommen. Die 150 Jahre alte Kirche wird renoviert. „Am 20. April haben die Arbeiten begonnen“, erzählt Pfarrer Joachim Kieslich. Noch bis in den Juli betreten statt Gottesdienstbesucher eher Bauarbeiter die Kirche. Und das Coronavirus kommt ihnen entgegen.

Kieslich steht vor dem Bauzaun und blickt in den Innenraum. „Der erste Anstrich ist erfolgt, jetzt ist der Fußboden dran.“ Im Altarraum und im Mittelschiff sind die Mitarbeiter angefangen und arbeiten sich nach und nach vor. Schließlich gibt es einiges zu tun: So soll nicht nur neue Farbe an die Wände, sondern auch kleinere Schäden werden in dem Zuge ausgebessert. Sprünge in den Scheiben verschwinden, ein Kabelbruch wird beseitigt. Auch Risse an den Kirchenwänden wurden bereits bearbeitet – feine weiße Linien zeugen von den Arbeiten in den vergangenen Tagen. Gegenüber dem Eingang haben Maler schon einen Teil der ersten Wand erneuert. „Der Anstrich ist die Hauptaufgabe“, sagt Kieslich.

Logisch, seit dem letzten Mal sind immerhin 26 Jahre vergangen. Damals waren die Arbeiten aber noch deutlich aufwändiger. Denn in den 1990er-Jahren wurde der Anbau, der rund 30 Jahre zuvor die St.-Anna-Kirche doppelt so groß werden ließ, wurde zurückgebaut. „Man ging zur alten Kirche zurück“, berichtet Kieslich. Er sagt, dass damals das Twuster Gotteshaus sogar mehr Menschen gefasst habe als der Osnabrücker Dom. „Man wollte renovieren. Der Beton des Baus war kaputt und es war auch Asbest verarbeitet worden.“ Das waren gängige Baumaterialien in den 1960er-Jahren, wie Kieslich erzählt. Und: Eine so große Kirche braucht man 30 Jahre später einfach nicht mehr.

Eigentlich war der neue Anstrich für das kommende Jahr oder 2022 geplant. „Es wurde schon länger überlegt, die Kirche aufzufrischen“, sagt Kieslich. Doch Anfang des Jahres kam die Mitteilung vom Bistum Osnabrück, dass noch Geld übrig sei. So ging es dann in Twistringen doch schneller. „Das war noch vor Corona. Wir haben großes Glück gehabt“, weiß Kieslich. Denn die Krise sorgt dafür, dass etwa Malerarbeiten für Kirchen derzeit nicht mehr drin sind. In der Delmestadt war derweil alles vorbereitet.

Und nun kommt der Coronavirus den Planungen sogar entgegen. Denn dadurch, dass keine Gottesdienste stattfinden konnten, ging es mit den ersten Arbeiten schnell voran. Dass bis Juli keine Gottesdienste in St. Anna gehalten werden, soll dabei helfen, möglichst rasch fertig zu werden, übergangsweise werden dafür in Marhorst mehr Gottesdienste gefeiert. In wenigen Wochen werden die Bauarbeiter aber wieder die Kirche verlassen und Platz für die Besucher lassen – ganz ohne Bauzaun, Staub und Planen. Dafür vollkommen aufgefrischt. Kieslich: „Es wird alles etwas heller.“

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