Stadtradeln

Stimmungslage: euphorisch

Sie war Neuling im vergangenen Jahr. Entsprechend kam das mehr als gute Abschneiden der Stadt Twistringen beim Stadtradeln eher überraschend. Jetzt soll das Vorjahresergebnis noch verbessert werden.
19.05.2021, 19:13
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Stimmungslage: euphorisch
Von Micha Bustian
Stimmungslage: euphorisch

Vereint für den guten Zweck: Am Stadtradeln in Twistringen beteiligen sich Unternehmen, Sportvereine, Schulen und Verwaltung.

Micha Bustian

Twistringen. Einmal um die ganze Welt? Das sind etwa 40.000 Kilometer. Eine schwer vorstellbare Zahl. Der bundesdeutsche Durchschnittsautofahrer braucht dafür rund drei Jahre. Ein Pendler von Bremen nach Twistringen muss dafür etwa 500 Mal hin- und zurückfahren. Die Twistringer Radfahrer indes haben diese Strecke im vergangenen Jahr fast vervierfacht. Innerhalb von nur einem Monat legten die 558 Teilnehmer am Stadtradeln im Jahr 2020 satte 148.971 Kilometer zurück. Diesmal soll es noch mehr werden.

Bürgermeister Jens Bley ist es, der ein, wie er es nennt, ambitioniertes Ziel ausgibt: 200.000 Kilometer. "Ambitioniert, aber erreichbar", findet der Verwaltungs-Chef. Die Chancen dafür stehen gar nicht so schlecht, denn die Anzahl an Teams, die im vergangenen Jahr dabei war, wurde jetzt schon geknackt. Und das, obwohl viele Institutionen gerade erst beginnen, das Stadtradeln zu bewerben. 598 Pedalritter verteilen sich auf 57 Teams – Stand Mittwochnachmittag. Kilometer sammeln dürfen die Teilnehmer zwischen dem 24. Mai und dem 13. Juni.

Der zweite Grund, warum die Twistringer für das Stadtradeln 2021 optimistisch, ja euphorisch sind: Der ganze Ort scheint sich hinter dem Ziel, der Umwelt etwas Gutes zu tun, zu versammeln. Ideen, die durchaus willigen Mitbürger einzubeziehen, schießen wie Pilze aus spätsommerlichem Waldboden.

Der SC Twistringen beispielsweise plant eine Rallye. Eine Fahrrad-Rallye selbstverständlich. Die "Twuster Rallye", gemeinsam mit der Stadtverwaltung organisiert, umfasst drei Strecken zwischen 25 und 32 Kilometer. Wer die Touren "Über den Dächern von Twistringen", "Sportplätze – Dehmse-Tour"  und "Unendliche Weiten" hinter sich gebracht hat, war in allen acht Ortschaften. Doch allein die Kilometer machen's in diesem Fall nicht. 48 Fragen sind zu beantworten. Wer das schafft "wird sich in der Twistringer Stadtgeschichte ein gutes Stück besser auskennen", kündigt Mit-Organisator Jens Knabe an. Team-Captain Hans-Dieter Jurga weist darauf hin, dass eine Teilnahme an der Rallye nicht an die Teilnahme am Stadtradeln gebunden ist. So oder so gebe es etwas zu gewinnen. Wer dabei sein möchte, findet Informationen auf der Internetseite www.sctwistringen-fussball.de. Das Potenzial bei SCT ist groß: Fast 1000 Menschen treiben dort Sport.

"Nur" 760 Menschen tummeln sich am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium. Eine Umweltschule, die mit ihrem Leiter Peter Schwarze auch den Starradler stellt. Er hat für die drei Wochen seinen Führerschein abgegeben. Ganz nach dem Motto, dem sich seine Schule zurzeit verschrieben hat: "Unseren Lieblingsplaneten schützen – global denken, lokal handeln". Intern wird es für den besten Lehrer und die beste Klasse einen Preis geben. Dass fleißige Teilnehmer für den Fall, dass sie zwischen zwei Noten stehen, die bessere Zensur bekommen, ist allerdings nur ein Gerücht . . .

Die Gemeinschaft der Unternehmen in Twistringen (GUT) veranstaltet ebenfalls eine Rallye. Hier müssen acht Punkte in den acht Ortschaften angefahren werden. Vor Ort gilt es, Fotos zu machen vor den Plakaten mit der Aufschrift "Ich radle für ein GUTes Klima". Birger Schröder aus dem GUT-Vorstand: "Wir haben unsere Mitgliedsbetriebe aufgefordert, ihre Mitarbeiter teilnehmen zu lassen." Das sind um die 200 Unternehmen. Hauptpreis ist hier ein Fahrrad.

Die Stadtbibliothek greift da unterstützend ein. Bibliothekarin Antje Miebach und ihr Team wollen "ein Zeichen nach außen setzen". Das Schaufenster quillt über mit den unterschiedlichsten Büchern und Medien über das Radfahren. "Wir sind froh, dass wir etwas beitragen können."

Bleibt die Stadtverwaltung. Die wird angetrieben von Pressesprecherin Silke Perin und Team-Captain Horst Knickmann, der im Vorjahr die meisten Kilometer aller Teilnehmer aus dem Rathaus abgerissen hat. Sein Chef Jens Bley hat den Ehrgeiz, unter den Mitgliedsgemeinden der Win-Region – Syke, Bassum, Twistringen, Stuhr und Weyhe – wieder Platz eins zu belegen. Einen Pluspunkt des Stadtradelns hat er aber bereits jetzt erkannt: "Es herrscht ein positiver Geist in der Bevölkerung. Das Gemeinschaftsgefühl wächst durch Aktionen wie das Stadtradeln." Wer sich dem Hype anschließen möchte, tippe www.stadtradeln.de/twistringen ins Browserfenster.

Zur Sache

Mannschaften: Bassumer Kirchenradler

Auch in Bassum und umzu nehmen Mannschaften am Stadtradeln teil. Aktuell sind in Bassum 22 Teams angemeldet – unter anderem das der Kirchenradler. Es handelt sich um ein ökumenisches Team. Bereits 2020 nahmen die Kirchenradler teil. Aufgrund guter Erfahrungen komme es nun zur Wiederholung, so Teamkapitän Alexander Grosser.

Zudem erinnert Grosser an die Corona-Regeln. Gemeinsame Radtouren wird es bei den Kirchradlern somit nicht geben. Eigentlich seien von den Kirchenradlern einige Veranstaltungen geplant gewesen. Viel falle nun aber aus. Nun sollen diese Ideen in 2022 verwirklicht werden.  

Aber zumindest ein reduziertes Rahmenprogramm gibt es in der Kirchenregion auch in diesem Jahr. Los geht es am Pfingstmontag, 24. Mai, ab 11 Uhr mit einem ökumenischen Freiluftgottesdienst an der Bassumer Stiftskirche.

Am darauffolgenden Sonntag, 30. Mai, wird von 14 bis 17 Uhr zur „Offenen Kirche“ in Bassum (evangelische und katholische Kirche), Neubruchhausen, Nordwohlde und Sudwalde eingeladen. Grosser kündigt jeweils “akustische Überraschungen” an.

Zum Ende des Stadtradelns gibt es sonnabends, am 12. Juni, ab 18 Uhr bei einer Andacht unter freiem Himmel an der Nordwohlder Kirche Gelegenheit zum Innehalten. Eine Sitzgelegenheit ist mitzubringen. Bei schlechtem Wetter findet die Andacht in der Kirche statt.

Die Kirchenradler suchen zurzeit noch Mitstreiter. „Alle, die sich uns verbunden fühlen und Lust zum Radfahren haben, können gerne mitmachen“, lädt Grosser ein. Unter folgendem Link können sich Interessierte die Teams in Bassum anschauen und sich für das Team ihrer Wahl anmelden: www.stadtradeln.de/bassum.

Treten Fahrradfahrer für Teams an, gehen die Kilometer zunächst einmal auf das Mannschaftskonto. Gleichzeitig werden die gefahrenen Strecken aber auch für die Kommune gezählt – in dem Fall für die Lindenstadt.

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