Strohmuseum Twistringen

Corona-Zwangspause genutzt

Das Strohmuseum in Twistringen ist derzeit geschlossen. Die ehrenamtlichen Helfer des Museumsvereins wissen die Corona-Zwangspause jedoch zu nutzen und hoffen auf Licht am Ende des Tunnels.
16.04.2021, 07:30
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Von Sarah Essing
Corona-Zwangspause genutzt

Der Ausstellungsraum im Strohmuseum Twistringen ist derzeit verwaist. Doch die Ehrenamtlichen sind deshalb noch lange nicht untätig. Reparaturen, Instandsetzungen und Planungen für Reisen beschäftigen sie zurzeit.

Silke Perin/Stadt Twistringen

Twistringen. Das Twistringer Museum für Strohverarbeitung hat geschlossen - wie so viele kulturelle Einrichtungen in dieser Zeit. Dennoch blickt das Museumsteam rund um den Vorstand des Museumsvereins mit Heinrich Brinkmann und Helmut Beneke optimistisch in die Zukunft. Grund dafür sind die Bewilligung eines Förderantrags und - hoffentlich - die Aussicht auf eine Reise nach Österreich im September, wie Silke Perin von der Stadt Twistringen mitteilt.

2019 war das erfolgreichste Jahr der Museumsgeschichte. Daran hätte man nur zu gerne angeknüpft, schreibt Silke Perin weiter. Doch ein normaler Museumsbetrieb sei derzeit nicht möglich. „Wir haben das Museum seit Beginn der Corona-Pandemie nur im Sommer 2020 vorübergehend sonnabends und sonntags an Nachmittagen geöffnet. Führungen mit Bewirtungen haben seit März 2020 gar nicht mehr stattgefunden“, so Heinrich Brinkmann, Vorsitzender des Museumsvereins. Praktisch steht der Museumsbetrieb still. Auch Anfragen von Busreiseveranstaltern bleiben aus. Bis auf Weiteres bleibe das Museum daher geschlossen, teilte der Vereinsvorstand nun in einer Pressemitteilung mit. Dies betrifft nicht nur den eigentlichen Museumsbetrieb, also die Führungen von gebuchten Gruppen sowie die Öffnungen für Einzelbesucher am Wochenende, sondern auch die geplanten Veranstaltungen wie eine Kunstausstellung oder die Aktionstage zu den Feiertagen im Mai.

Die Corona-Zwangspause wurde allerdings nicht untätig verbracht. Vielmehr nutzten die Mitglieder des Vereins die Zeit, um unter anderem die großen Fenster und Eingangs-Tore des Strohmuseums fachmännisch neu streichen zu lassen. Darüber hinaus machte ein vom Landschaftsverband Weser-Hunte bewilligter Förderantrag es dem Museumsverein möglich, die komplette Beleuchtung des Ausstellungsraumes für Sonderausstellungen im ersten Stock auf energiesparende LED-Strahler umzurüsten, lässt Silke Perin wissen. Des Weiteren ist es den Museumsaktiven Rolf Siemers, Fred Müller und Helmut Beneke durch eine vom öffentlichen Gasnetz abgekoppelte Neuinstallation der Gaszufuhr gelungen, die mehr als 100 Jahre alte, gasbetriebene Hutpresse wieder gangbar zu machen. „Die Umstellung des öffentlichen Gasnetzes von L- auf H-Gas hatte die Museumsaktiven aufgrund der nicht mehr vorhandenen Ersatzteile für die historische Hutpresse dabei vor nicht unerhebliche Herausforderungen gestellt“, so Silke Perin.

Und auch das Nähteam des Strohmuseums kann von Neuigkeiten berichten: Die Kreativen rund um Nähstubenleiterin Heike Paul haben vor dem erneuten Lockdown an zwei Sonderaufträgen gearbeitet. So lässt eine Puppenmama von historischen Käthe-Kruse-Puppen nach Spezialentwürfen der Strohmuseums-Nähdamen nun Puppenstrohhüte anfertigen. Und ein Hutmacher des Bremer Theaters bezieht künftig seine Hutrohlinge aus dem Twistringer Spezialmuseum. Passend zu den verschiedenen Kostümen garniert, werden sie in den Aufführungen zum Einsatz kommen.

Der Museumsverein hat zudem noch etwas vor, worauf sich viele Mitglieder schon freuen. Falls Corona es zulässt, könnte das Twistringer Strohmuseum im September in Österreich ganz groß rauskommen, verrät Silke Perin. Dann geht es nämlich für Heike Paul mit einer historischen Hutnähmaschine und diversen Strohprodukten „made in Twistringen“ im Gepäck auf nach Pöchlarn zur „Großeltern-Erlebniswerkstatt“. Die Kulturstadträtin der österreichischen Kleinstadt hatte dazu eine Einladung an den Twistringer Verein Museum der Strohverarbeitung geschickt. Derzeit plant Heike Paul, diese Einladung anzunehmen und gemeinsam mit dem befreundeten Verein Schwarzwälder Strohmanufactur Schonach an der zum achten Mal stattfindenden Veranstaltung zu traditionellem Handwerk und historischer Handwerkskunst teilzunehmen. „Bleibt zu hoffen, dass dieses außergewöhnliche Ereignis im September möglich sein wird“, so Silke Perin.

Ein weiterer Lichtblick wäre es, wenn die Ehrenamtlichen des Museumsvereins dann auch zum Tag der Regionen am 3. Oktober ins Strohmuseum einladen dürften. Selbst wenn dies wie 2020 nur in eingeschränkter Form mit Hygiene- und Einbahnstraßen-Konzept möglich wäre, wäre dies zumindest ein kleiner Lichtblick für die aktiven Ehrenamtlichen, lässt Silke Perin wissen.

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