Fußball

Twistringens letzter Derbyheld

Nur einen Punkt holte der SC Twistringen aus den letzten neun Ligaspielen gegen den TSV Bassum. Einer, der weiß, wie Derbysiege funktionieren, ist Timo Hiller. Er entschied im Mai 2015 das Nachbarschaftsduell.
07.09.2020, 16:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup
Twistringens letzter Derbyheld

Kaum vom Ball zu trennen war Timo Hiller im Mai 2015 im Derby gegen Bassum. Ihm gelangen zwei Treffer.

Udo Meissner

Twistringen/Drentwede. Manche Spiele sind eben wichtiger als die anderen. Das wissen auch die Fußballer des SC Twistringen und des TSV Bassum, die sich am Dienstagabend in der Lindenstadt (Anstoß: 19 Uhr) gegenüberstehen. Ein Derby. Kategorie: ganz, ganz wichtig. Mit dieser Drucksituation sind die Bassumer zuletzt wesentlich besser umgegangen als die Blaumeisen: Neun Punktspiele in Serie hat der TSV gegen den Nachbarn nicht mehr verloren, acht Mal sogar gewonnen. Twistringen sucht neue Derbyhelden. Der letzte war Timo Hiller.

Zwei Tore steuerte der Angreifer im Mai 2015 zum 4:0-Erfolg bei. „Dass es so lange her ist, dass Twistringen in der Liga gegen Bassum gewonnen hat, war mir nicht so präsent“, gibt er zu. An das Spiel dagegen kann er sich noch ganz gut erinnern. Es war in seinem ersten Jahr nach seinem Wechsel vom TSV Drentwede, dem Klub, bei dem er jetzt als Spielertrainer aktiv ist, zu den Delmestädtern. „Es war ein richtig geiles Jahr. Wir waren in der Liga richtig gut (besser als Rang acht war der SCT seit seiner Rückkehr in den Bezirk nicht mehr, Anm. d. Red.) und haben das Halbfinale im Bezirkspokal erreicht. Da hat ziemlich viel gepasst.“

Der letzte Satz trifft auch auf Hillers Derbyauftritt zu: Früh eingewechselt, wenige Minuten später die Führung ausgebaut und kurz vor dem Ende ein weiteres Mal getroffen. Dabei hatte er aufgrund einer leichten Verletzung zunächst gar nicht spielen sollen. Weil Marco Kappermann, der das 1:0 erzielt hatte, nach etwas mehr als einer halben Stunde raus musste, fand sich Hiller aber doch auf dem Platz wieder – und wäre beinahe schnell wieder ausgebremst worden. „Mitten im Spiel sind mir die Schnürsenkel gerissen. Ausgerechnet an dem Tag hatte ich kein zweites Paar dabei, obwohl ich immer gut ausgerüstet war.“ Zu seinem Glück saß ein weiterer Akteur angeschlagen auf der Bank: Julian Fuhrmann half mit seinen Tretern aus. „Die waren eigentlich zwei Nummern zu groß“, lacht Hiller. „Aber für das eine Spiel hat es gereicht. Ich habe sie einfach ein bisschen enger geschnürt und nicht weiter darüber nachgedacht, sondern einfach mein Spiel gespielt.“

Eine Marschroute, die der Offensivmann, der zudem für den SV Jura Eydelstedt, für den seine Brüder Marcel und Niklas spielen, auflief, auch seinen Nachfolgern im SCT-Trikot mit auf den Weg gibt. „Man muss versuchen, den Kopf auszuschalten und nicht darüber nachzudenken, was für ein Gegner da auf dem Platz steht. Nur ist das eben extrem schwierig, wenn es gegen Bassum oder Mörsen geht. Das sind Spiele, auf die du noch mehr hinfieberst als auf die anderen. Man spielt einfach lieber ein Derby.“ Das könne Fluch und Segen zugleich sein: „Ein Derby ist eine ganz besondere Anspannung, es fällt einem als Spieler aber auch schwer, das auszublenden.“

Warum es nach seinem Derby-Auftritt vor mehr als fünf Jahren für die Bassumer so viel besser lief, kann sich Hiller nicht so recht erklärten. Sicher ist er sich dagegen, dass die Gruselserie ihn beschäftigen würde: „Wenn ich noch in Twistringen wäre, würde ich vor dem Spiel sicher darüber nachdenken.“ Bei der jetzigen Truppe um Uwe Küpker, Michael Schultalbers und Saimir Dikollari sei das vielleicht anders: „Die Mannschaft ist neu aufgestellt. Sie wird diesen Negativlauf gar nicht so wahrnehmen“, glaubt er. Dennoch erwartet er eine schwierige Aufgabe für Twistringen: „Bassum wird selbstbewusst auftreten mit dieser Serie im Rücken. Sie haben mit dem 0:0 gegen Stuhr einen guten Start hingelegt. Twistringen braucht nach der Niederlage in Vilsen mindestens einen Punkt.“

Dass er dem SCT die Daumen drückt, steht für Hiller, der mit Michael Schultalbers und Philipp Meyer befreundet ist, außer Frage: „Ich hatte in Twistringen die besten vier Jahre meiner Karriere. Das Jahr in Eydelstedt war auch geil, aber die Bezirksliga ist einfach noch mal ein anderer Schnack. Da geht man viel gepushter ins Spiel.“ Viel gelernt habe er vom damaligen Coach Stefan Müller: „Er war der beste Trainer, den ich je hatte. Er mir bereits im ersten Jahr sehr viel mitgegeben. Mit Taktik hatte ich vorher nicht so viel am Hut. Das kam alles erst durch Stefan. Er hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass ich mich weiterentwickeln konnte.“

Mittlerweile gibt Hiller selbst sein Wissen weiter. Mit Drentwede ist er in der 2. Kreisklasse aktiv, traf beim 1:1 gegen Lessen zum Auftakt sogar selbst. Obwohl er immer noch den Ehrgeiz spüre, habe er sich bewusst dazu entschlossen, wieder tiefer zu spielen. In Drentwede hat er für sich und seine Familie ein Haus gekauft, vor sieben Wochen ist seine Tochter zur Welt gekommen. „Der Grundgedanke für den Wechsel war, Zeit für Haus und Familie zu haben“, verrät Hiller. Da Drentwede jedoch keinen Trainer fand, bot er sich an. „Jetzt investiere ich die gleiche Zeit wie in der Bezirksliga“, erklärt er. Da er das Team gemeinsam mit Christian Böckermann führt, könne er jedoch auch mal eine Trainingseinheit verpassen. Vielleicht auch die am Dienstag, um das Derby zu schauen? „Wenn wir nicht trainieren, schaue ich mir das Spiel an“, bekräftigt Hiller. Vielleicht sieht er ja einen neuen Twistringer Derbyhelden.

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