Trafostation verschönert Vorlagen aus dem Fundus des Dorfes

Die Trafostation in Stelle hat einen neuen Anstrich bekommen. Zwei von der Avacon bestellte Künstler haben Erntefestmotive auf das Häuschen gesprüht. Der ganze Ort zeigte sich interessiert.
10.06.2021, 16:20
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Janne Staron

Twistringen. Jeder hat sie schon mal gesehen. Man fährt täglich an ihnen vorbei, und doch stehen sie oft so unscheinbar am Wegesrand. Die Rede ist von Transformatorenstationen, die Bürger tagtäglich mit Strom versorgen. Von einem unscheinbaren Trafo kann im Twistringer Ortsteil Stelle jedoch seit Mittwoch keine Rede mehr sein: In Zusammenarbeit mit der Avacon verzierten die Künstler Daniel Siering und Hendrik Uterwedde das Stromhäuschen mit bunten Farben und aufwändigen Motiven.

Am Mittwochmorgen starteten die beiden Künstler mit ihrem Vorhaben. Kaum waren die ersten Spraydosen geöffnet, wurden sie von den Steller Einwohnern bereits gebührend bei ihrer Arbeit unterstützt. „Wir haben viele Getränke und am Nachmittag sogar Kaffee und Kuchen bekommen“, so Daniel Siering. Auch ein Schirm wurde über den beiden aufgestellt, denn die Sonne schien den ganzen Tag über. Siering und Uterwedde arbeiten bereits seit knapp zehn Jahren mit dem Netzbetreiber Avacon zusammen und haben gemeinsam schon um die 50 Projekte fertiggestellt. Doch ausgebildete Künstler sind die beiden nicht. „Das Ganze hat als Hobby begonnen, und irgendwann kamen dann so viele Aufträge rein, dass wir es quasi zum Beruf machen mussten“, so Hendrik Uterwedde schmunzelnd.

Der neu gestaltete Stromkasten in Stelle zeigt nun mehrere Abbildungen rund um das Thema Erntefest. Mary Putjenter vom örtlichen Heimatverein berichtete stolz von den Bräuchen und Traditionen rund um das jährliche Ereignis: „Wir hier in Stelle haben kein Schützenfest. Dafür feiern wir unser Erntefest umso größer. Mit einer bunten Erntekrone und hübsch geschmückten Wagen ziehen wir durchs Dorf.“ Laut Putjenter stärke ein solches Fest die Gemeinschaft. Nicht nur innerhalb des eigenen Dorfes, sondern auch mit den umliegenden Kommunen. Steller seien stolz auf ihr Dorf und auf alles, was es zu bieten hat.

Auch bei der Gestaltung des Trafos zeigten die Bewohner Präsenz. Immer wieder schauten Groß und Klein vorbei, um sich über den Stand der Dinge zu informieren. Für die Verbildlichung der Festlichkeiten nutzen die Künstler einige Fotos aus dem Fundus des Dorfes. Diese zeigten alles realitätsgetreu und konnten somit gut als Vorlage dienen. „Uns war es sehr wichtig, dass das Motiv typisch ist für unser Dorf, sodass sich jeder und jede damit identifizieren kann. Vorne auf den Kasten kommt am Ende noch das Steller Wappen“, berichtet Mary Putjenter.

Auch die Avacon ist glücklich über die Partnerschaft mit den Künstlern von "art-efx". Eileen Schöne blickt zufrieden auf das Konzept: „Ich kann mich bei allen nur herzlich bedanken und freue mich, dass das Wetter heute auch so gut mitspielt.“ Bei der angesprochenen Trafostation am Bockelskamp handelt es sich um ein spezielles Modell. Schöne erklärt, dass diese als Garage bezeichnet wird und nur noch selten vorhanden ist. Die Garagen zeichnen sich dadurch aus, dass sie um einiges größer sind als normale Trafos. „Dieses Modell kommt uns natürlich nur gelegen. So gibt es mehr Platz für tolle Bilder.“ Durch die Arbeit mit der Sprühdose kann das Werk nun für zehn bis fünfzehn Jahre in seiner vollen Farbkraft erhalten bleiben. Laut Schöne sind es die vielen Details, die das Bild für den Betrachter so realistisch machen.

Der Twistringer Bürgermeister Jens Bley ist ebenfalls glücklich darüber, dass die Ortschaft weiter und weiter aufblüht. Er meint: „Die ganze Ortschaft ist sehr engagiert, und ich bin sehr froh darüber, dass alles glatt läuft.“ Bley findet das gesamte Vorhaben der Avacon im Zusammenhang mit den Stromkästen spannend. „Trafos arbeiten sozusagen immer im Stillen und werden auch nicht gerade als ästhetisch wahrgenommen. Doch die Künstler sorgen dafür, dass sie als buntes Element die Landschaften verschönern.“ Insbesondere beeindrucke ihn die Detailtiefe des Bildes. Ortsbürgermeister Albert Rasche ist ebenfalls glücklich mit dem Ablauf. „Ich bin seit Kindesbeinen auch beim Erntefest dabei und freue mich darum besonders, dass dieses Motiv gewählt wurde.“

In ganz Twistringen gibt es bereits drei bemalte Trafostationen. Der Kasten am Bockelskamp ist nun der vierte im Bunde. Seit 2012 werden immer wieder neue Stationen von der Avacon ausgewählt und verziert.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+