Stadtarchiv Twistringen

Viel zu tun für Kratzsch und Co.

Seit gut 40 Jahren gibt es das Twistringer Stadtarchiv. Von Anfang an dabei: Friedrich Kratzsch. Er treibt nun gemeinsam mit Ulrich Kathmann und Axel Meyer die Digitalisierung eigener Beiträge voran.
03.04.2019, 10:53
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Viel zu tun für Kratzsch und Co.
Von Micha Bustian

Twistringen. Friedrich Kratzsch kennt sich mittlerweile aus in den Archiven im Nordwesten der Republik. Der pensionierte Geschichtslehrer hat am 1. September 1978 begonnen, das Twistringer Stadtarchiv aufzubauen. Eine Arbeit, die bis heute andauert. Nur, dass sie sich im Verlauf der gut 40 Jahre teils arg verändert. Zurzeit sind Kratzsch und seine Mitstreiter Ulrich Kathmann und Axel Meyer dabei, Beiträge zu digitalisieren. Beiträge, als Vorträge gehalten wurden, Beiträge, die in kleinauflagigen Broschüren erschienen sind. Sprich: Beiträge, die in Twistringen kaum jemand kennt. Das soll sich ändern.

In den 40 Jahren Twistringer Archivgeschichte seien viele Veröffentlichungen zusammengekommen, verrät Friedrich Kratzsch. Das liege an der Historie Twusterns. „Twistringen war nie ein Flecken“, sagt der 73-Jährige. „Der Ort ist als Kirchspiel mit vielen Geburten groß geworden.“ Erst 1852 seien die Kirchspiele als politische Größe aufgelöst und durch Landgemeinden ersetzt worden. Politische und kirchliche Gemeinden seien getrennt worden. „Erst seitdem gibt es Archive der Kommunen. Alles davor müssen wir aus anderen Archiven holen.“ Das tut das Twistringer Trio ausgiebig. Einen kompletten Schrank voller Kopien haben sie inzwischen angehäuft – aus Archiven in Hamburg, Oldenburg, Osnabrück und Münster. Denn: Kirchliche Archive wie das des Kirchspiels Twistringen geben nicht viel her.

Also musste das Twistringer Archiv-Team, anfangs noch mit dem 2010 verstorbenen Otto Bach, seine Informationen von anderswo heranholen. So zum Beispiel Informationen zur konfessionellen Entwicklung ab dem 16. Jahrhundert. Oder Antworten auf die Frage: Was macht eigentlich ein Vogt? Fakten wie diese gab es anfangs nicht in Brenndorf. Dafür müssten die Archivhelfer in Landes- und Bistumsarchiven herumschnuppern, Archivämter aufsuchen.

Das taten Friedrich Kratzsch und seine Kollegen ausgiebig. Deshalb ist der Archivleiter sicher: „Wir sind nach Diepholz und dem Landkreis das drittälteste Archiv im Landkreis Diepholz.“ Alle anderen seien zeitnah gefolgt. Entsprechend habe das Archiv im Twistringer Rathaus auch einen kleinen Vorsprung, vor allem, was die Beiträge der eigenen Mitarbeiter angeht. Die werden jetzt nach und nach auf der Internetseite www.twistringen.de platziert.

Der Anfang ist bereits gemacht. „Von Hexen, Huren und Totschlägern“ steht beispielsweise als PDF online unter „Leben und Wohnen“, wo das Stadtarchiv anklickbar ist. Unter der Überschrift „Dokumente“ sind weitere Schriften aufgelistet. „Wir konnten noch nicht spielen“ zum Beispiel, eine Niederschrift über Kinderarbeit vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Auf Twistringen bezogen, dreht es sich dabei vornehmlich um Strohverarbeitung. Bei bis zu neun Kindern war das für eine Familie ja auch eine gern gesehene Einnahmequelle. Die „Totschläger“ liegen als Broschüre auch auf Friedrich Kratzschs Schreibtisch, während die „Kinderarbeit“ Teil eines kreisweit erschienenen Buchs ist.

Solche Texte sind im Twistringer Stadtarchiv mittlerweile reichlich zu finden. Nur für die Öffentlichkeit nicht leicht zugänglich. Damit auch die Twistringer was vom Fleiß ihres Archiv-Teams haben, ist jetzt vornehmlich Ulrich Kathmann gefragt, der im Trio für die Digitalisierung zuständig ist. Er soll sich um die sogenannten Stichwortsammlungen kümmern, in der Akten lagern, die sonst nirgends einzusortieren sind. Unter „J“ findet man Schlagworte wie Jagd und Jugend, unter „K“ Karneval, Kartoffeln oder Kino. Auch Schülerarbeiten, die zumeist Axel Meyer betreut, könnten hochgeladen werden, „wenn sie gut sind“, wie beispielsweise Chiara Krafts Arbeit über Zwangsarbeiter. Das Archiv in Twistringen verlagert sich so langsam ins Internet. Damit jeder in Twistringen es einsehen kann. Tag für Tag. Zu jeder Stunde.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+