Seminarfacharbeiten

Von Vietnam-Krieg bis zu Instagram

Das sollte den Einstieg ins Studium erleichtern: Zwölftklässler des Twistringer Gymnasiums haben jetzt ihre Seminarfacharbeiten vorgestellt.
16.01.2019, 10:32
Lesedauer: 4 Min
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Von Peter Cordes
Von Vietnam-Krieg bis zu Instagram

Helen Beuke hat über die Funktion und Beurteilung der klassischen Musik geschrieben. Für sie ist der klassische Bereich der Musik ein wichtiger Teil der Tradition und Kultur.

Jonas Kako

Twistringen. Drei Schulhalbjahre haben sich die Schüler des derzeitigen zwölften Jahrgangs am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium in Twistringen im jeweiligen Seminarfach auf einer wissenschaftlichen Basis mit Inhalten aus vier unterschiedlichen Bereichen auseinandergesetzt. Am Montagabend präsentierten sie die Arbeitsergebnisse ihres Schaffens im Forum des Gymnasiums.

Voller Freude begrüßte Schulleiter Peter Schwarze die Gäste. Die Plätze im Forum waren bis auf den letzten Stuhl besetzt. Alle Schüler des Jahrgangs waren gekommen, um ihre Arbeitsergebnisse zu zeigen. Auch die Schüler der elften Klasse hatten es sich nicht nehmen lassen, an der Veranstaltung teilzunehmen, denn sie sind es schließlich, die sich im neuen Schuljahr in den Seminarfächern mit ähnlichen Themen beschäftigen dürfen. Weiter konnte der souverän moderierende Peter Schwarze auch einige Eltern in der Halle begrüßen. „Sie haben die Anstrengungen ihrer Kinder zu Hause sicherlich mitbekommen, wenn deren Zeitrahmen hier und da schon mal voll ausgefüllt war. Oder die Druckerpatronen am heimischen Drucker schon wieder leer waren“, so der Schulleiter schmunzelnd.

Er unterstrich die Wichtigkeit dieser wissenschaftlichen Arbeit und freute sich über die erzielten Ergebnisse der Arbeiten, die in Kursen erstellt worden waren. „Das wird den Schülern den Übergang zur Hochschule erleichtern“, versicherte Schwarze. Zu vier vorgegebenen Oberthemen hatte jeder Schüler die Möglichkeit, für sich ein passendes Thema zu finden. Für die Recherchen diente nicht nur die im Gymnasium vorhandene Literatur oder auch die sonstigen Gerätschaften. Universitätsbibliotheken wurden als Lieferanten bemüht, um die späteren Aussagen und Feststellungen in den Arbeiten zu fundieren.

Vier beispielhafte Vorträge

Während die beiden ersten Halbjahre der Literaturrecherche dienten, folgte zum Ende dieser Zeit eine Leistungsprüfung. In mindestens 20 Seiten starken Ausführungen mussten die Schüler ihren Leistungsstand nachweisen. Das dritte Halbjahr wurde zur Erstellung eines themenzusammenfassenden Posters genutzt. Insgesamt 76 dieser Poster waren an den Außenwänden des Forums aufgehängt und zur Betrachtung freigegeben worden. Die vier vorgegebenen Oberthemen der einzelnen Kurse hatten bei allen Arbeiten höchste Priorität. Bei „Kulturgut und Kultur/en im Wandel der Zeit“ hatte Michael Fischer die Kursleitung übernommen. Anja Herold leitete zum Thema „Nachhaltigkeit“, Christoph Middendorf über „Naturwissenschaften im Haushalt“ und Henning Wilken zum Thema „Digitale Gesellschaft“. Leonie Flemming, Paulina Wiegmann und Anjuli Fietz waren schon lange vor der geplanten Präsentationseröffnung nach Twistringen geeilt, um ihre eigenen Poster aufzuhängen und für Diskussionen zur Verfügung zu stehen. „Nachhaltiger Tourismus auf Island“, „Rinderhaltung in Deutschland und Indien“ sowie „Auswirkungen des Konsumverhaltens in Ghana“ hatten sie sich als spezifische Themen ausgesucht.

Neben der Ausstellung gab es für die Gäste auch einen Vortrag aus den einzelnen Bereichen. Mithilfe von selbst erstellten Präsentationen trugen Helen Beuke über „Funktion und Beurteilung klassischer Musik: Klassik vs. Moderne“, Lisa Huynh über „Nachhaltige Spätfolgen des Vietnamkrieges“, Janis Oestermann über „Untersuchung des Bakterienwachstums auf Handydisplays“ und Janina Eickhoff über „Instagram – Auswirkungen des Missbrauches der Medien, bezogen auf die Verfälschung der Inhalte“ ihre Ergebnisse vor. Ohne Lampenfieber berichteten alle Vier auf der großen Forumsbühne, so als wenn Vorträge vor großem Publikum zu halten zu ihrem Alltag gehören würde.

Helen Beuke ging auf die klassische Musik ein, von der höfischen zur bürgerlichen Musik überleitend. Ihr Fazit: Auch wenn die Umsätze der Musikindustrie heute im klassischen Bereich bei 4,9 Prozent und bei der Rock- und Popmusik weit über 70 Prozent liegen, „ist der klassische Bereich ein wichtiger Teil unseres Traditions- und Kulturgutes“. Für Lisa Huynh, selbst aus Vietnam kommend, war das eigene Thema schnell gefunden. Über die nachhaltigen Spätfolgen des Vietnamkrieges, bedingt durch Giftanschläge der USA, konnte sie berichten. Agent Orange war wohl die bekannteste Chemiewaffe. Fünf Millionen Hektar Wald wurden vernichtet, 20 Millionen Bauern verloren ihre Häuser. Mit Fotos und Bildern belegte Lisa Huynh ihre Aussagen. Genetische Schäden bei späteren Geburten führte sie zu der Feststellung, dass Kinder kaum eine Zukunft hätten, weil auch niemand helfe. Sichtlich bewegt stellte sie abschließend fest, dass auch sie eines von diesen Kindern hätte sein können.

Verfälschungen auf Instagram

Jannis Oestermann hatte sich für das Bakterienwachstum auf Handydisplays interessiert. Bei hergestelltem Nährboden auf Handys untersuchte er Bakterien wie Escherichia coli, Staphylococcus aureus und den Schimmelpilz. Als geeignete Maßnahme gegen diese nicht gewollten Bakterien empfahl er, das Handydisplay mit einem Brillenputztuch zu bearbeiten. Hier habe er seine größten Erfolge zur Beseitigung erzielen können. Haargenau passte der Vortrag von Janina Eickhoff auf den Altersdurchschnitt der Forums-Besucher. Mit „Instagram und den Auswirkungen des Missbrauches der Medien, bezogen auf die Verfälschung der Inhalte“ traf sie voll ins Schwarze. Sie zeigte bildlich die Verfälschungsmöglichkeiten auf. Als Fazit gab sie ihren Zuhören mit auf den Weg: „Akzeptiere dich, wie du bist und höre auf, dich mit den dir gezeigten Inhalten zu vergleichen.“

Marvin Schwenker aus Twistringen fand: „Gerade der letzte Vortrag passt so gut in die heutige Zeit. Das interessiert doch gerade jüngere Menschen.“ Er gehört zum elften Jahrgang des Gymnasiums und hatte sich schon mal Geschmack geholt, denn im kommenden Jahr darf er mit seiner wissenschaftlichen Arbeit beginnen.

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