Johann Semlich

Weit gebracht

Johann Semlich aus Affinghausen geht seit zehn Jahren voll in der Mathematik auf. Er hat nun ein E-Book im Selbstverlag herausgebracht, in dem er sagt: Er habe die ungeraden vollkommenen Zahlen entdeckt.
31.03.2020, 17:32
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Von Micha Bustian
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Künstler und Mathematiker in Personalunion: Johann Semlich aus Affinghausen.

Vasil Dinev

Affinghausen. Johann Semlich hat es weit gebracht. Räumlich, denn es zog den 87-Jährigen von Vojvodina im heutigen Serbien über Kanada bis nach Affinghausen. Aber auch beruflich, denn er ist immerhin im Buch „Who's Who In Arts And Literature“ vermerkt, einer Namenssammlung erfolgreicher Künstler und Autoren aus dem Jahre 1982. In den jüngsten zehn Jahren hat sich der Donau-Schwabe Semlich fast nur noch mit der Mathematik beschäftigt. Und laut eigener Angabe die ungeraden vollkommenen Zahlen entdeckt.

Vollkommene Zahlen. Laut Definition ist sie halb so groß wie die Summe aller ihrer positiven Teiler, sie selbst eingeschlossen. Die kleinste der vollkommenen Zahlen ist die 6. Der Beleg zur vollkommenen Zahl erfolgt in ihrem Fall über die Rechnung (1 + 2 + 3 + 6) : 2 = 6. Diese Gleichung passt ebenfalls für die Zahlen 28, 496 und 8128. Die Liste der vollkommenen Zahlen, die bereits in der griechischen Antike bekannt waren, ist lang. Aber ist sie auch unendlich? Das ist ungeklärt. Ebenso die Frage, ob es ungerade vollkommene Zahlen gibt.

Johann Semlich, seit seinen kanadischen Zeiten von allen nur John genannt, behauptet, dass es ungerade vollkommene Zahlen gibt. „Die Begründung, warum es keine ungeraden vollkommenen Zahlen gibt, ist absurd“, findet er. Semlich sagt, er habe die pythagoreischen Triples in einer progressiven Tabelle geordnet. Semlich sagt, er habe das magische Quadrat von Benjamin Franklin in seiner 16. Ordnung verstanden und in die 32. Ordnung gebracht. Semlich sagt, er habe das goldene Rechteck entdeckt, „das hat eine ewige Gültigkeit“. Große Worte, denen aber noch die wissenschaftliche Bestätigung folgen muss. Ein 371 Seiten dickes E-Book mit dem Titel „The Golden Proportion“ ist bereits im Lulu-Selbstverlag erschienen.

Im Blut gelegen hat die Mathematik dem 87 Jahre alten Johann Semlich nicht. Seine Eltern, sogenannte Donau-Schwaben, hatten sich als deutsche Sielder im heutigen Serbien nahe der ungarischen Grenze niedergelassen. Der Junior besuchte das Gymnasium in Fünfkirchen, lernte Serbisch, Ungarisch und Neu-Griechisch. Im zarten Alter von 19 Jahren wanderte Semlich als Staatenloser nach Kanada aus. Dort arbeitete er erst einmal in einer Fabrik. Semlich ist gelernter Bauvermesser, „da habe ich mich auch das erste Mal mit Mathematik beschäftigt“.

Doch seine große Liebe gehörte der Kunst. „Ich wusste schon in meiner frühen Jugend, dass ich malen kann“, sagt Johann Semlich. Als er durch die Fabrikarbeit ausreichend Geld angespart hatte, schrieb er sich am College in Toronto ein, durchlief eine Kunstausbildung. Zurück nach Deutschland zog es ihn, „weil ich als Maler ein Produkt der europäischen Kulturentwicklung war. Ich hatte meine kulturellen Wurzeln in Deutschland, meine geistige Zugehörigkeit.“ Zuerst strandete Johann Semlich in Süddeutschland, gewann in Kempen und Kaufbeuren jeweils einen Kunstpreis. Zudem war er in der großen Kunstausstellung in München dreimal vertreten. „Ich bekam Anerkennung von den Zeitungen und vom Publikum, aber ich habe keine Bilder verkauft.“ Sein Geld verdiente er als Vermesser in einem Ingenieurbüro. Nach Affinghausen kam er schließlich wegen seiner Frau. Das war 1995.

Seit zehn Jahren beschäftigt sich der Weltenbummler und Künstler nun mit der Mathematik. Damit begibt er sich auf die Spuren von Albrecht Dürer (1471-1528), Piero della Francesca (1420-1492) und Leonardo Da Vinci (1452-1519) – allesamt Maler und Mathematiker in Personalunion. Für Johann Semlich ist die Mathematik „sehr erfüllend“. Er habe sich in diesem Fach alles selber erarbeitet, „Mathematiker haben nicht das entdeckt, was ich als Künstler entdeckt habe.“ Und er weiß genau: „Das ist noch nicht das Ende.“ Aber: Es braucht noch eine wissenschaftliche Bestätigung. Sollte die tatsächlich folgen, hätte er es auch als Mathematiker weit gebracht.

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