Glücks-Briefe aus 24 Ländern 24 Briefe aus aller Welt

Lisa Warneke aus Sudweyhe verkauft handgearbeitete Adventskalender mit 24 Briefen aus 24 Ländern rund um das Thema „Glück“. Die Verfasser geben einen Einblick in ihr Leben und ihre Kultur.
29.11.2020, 17:37
Lesedauer: 4 Min
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24 Briefe aus aller Welt
Von Desiree Bertram

Weyhe-Sudweyhe. Wie jedes Jahr öffnen viele Menschen im Dezember 24 Türchen gefüllt mit Leckereien oder anderen Überraschungen: Adventskalender zaubern den Menschen in der Vorweihnachtszeit ein Lächeln ins Gesicht. Aber gerade in den Zeiten der Pandemie fällt dem einen oder anderen das Lächeln aber besonders schwer. Genau damit hat sich Lisa Warneke aus Sudweyhe auseinandergesetzt und sich gefragt, wie man gerade in Corona-Zeiten die Leute glücklich machen könne und entwickelte einen Brief-Adventskalender mit dem Namen „Adventskaletter – Glücksreise um die Welt“.

Die Namensidee soll an die englische Bezeichnung für Brief „letter“ erinnern. Enthalten sind 24 individuelle Briefe von 24 Menschen aus 24 verschiedenen Ländern der Welt, die ihre Geschichte erzählen, wie sie den Weg zum Glück fanden. Die Verfasser der Briefe kommen beispielsweise aus Mexiko, Italien, Kanada oder Australien. Jeder Brief behandelt nicht nur das Thema „Glück“, sondern eines von 24 untergeordneten Themen wie etwa Mut, Selbstliebe, Vergebung, Toleranz oder Zeit. Laut Warneke geben die Briefe, jeder auf seine Art und Weise, einen Einblick in das Leben der Verfasser sowie die Kultur und Traditionen in ihren Ländern.

„Ich habe gedacht, dass die Menschen besonders in diesem Jahr Glücksempfindungen brauchen“, sagt Warneke. Sie merkte, wie sich wegen der derzeitigen Lage Kummer in ihrem Umfeld verbreitete: „Durch Jobverluste, Krankheit oder mitschwingende Angst sind viele in eine Art Depression verfallen.“ Auch, dass sonst alltägliche Dinge wie Essen gehen, Ausflüge machen oder Reisen kaum noch möglich sind, enttäuscht viele Leute. Warneke reist selbst sehr gerne und kennt das Gefühl von Fernweh. So entstand die Idee, dass sie den Menschen etwas Besonderes bieten möchte, wo sie die Glücks- und Reisethematik aufgreift: „Ich wollte etwas machen, was einen Mehrwert hat und den Leuten etwas bringt. Das ist viel mehr wert als etwas Materielles.“

Die 29-Jährige erinnerte sich an ihre Kindheit zurück, als sie jeden Sommer mit ihrer Familie Urlaub auf einem Bauernhof an der Ostsee machte. Sie lernte andere Kinder kennen, die ebenfalls dort regelmäßig ihre Ferien verbrachten, erzählt die Reiseliebhaberin rückblickend. Der Abschied sei immer schwer gewesen und die Kinder schrieben sich Briefe. Diese schönen Erinnerungen hob ihre Mutter, Antje Warneke, mit einer Schleife gebündelt auf. „Jeder, der den Adventskalender hat, soll das Gefühl haben, Brieffreunde überall auf der Welt zu haben“, betont Lisa Warneke lächelnd und breitet einige der liebevoll gestalteten Briefe auf einem Tisch aus. Jeder Umschlag ist mit einer nummerierten Briefmarke und einem zum Unterthema passenden Symbol versehen. In den Umschlägen befinden sich jeweils ein Brief sowie eine Schwarz-Weiß-Fotografie des Verfassers. Zudem gibt es einen Einleitungsbrief mit einem Wachsstempel, der das Projekt erklärt. Alles ist mit einer dunkelgrünen Schleife gebündelt und komplett in Handarbeit hergestellt. „Ich verbinde grün mit einem Kleeblatt und das ist für mich Glück. Dunkel ist die Schleife, weil ich das weihnachtlich finde“, erklärt Warneke und verrät, dass die gesamte Gestaltung des Kalenders schlicht und einfach gehalten ist, weil „das Glück auch in kleinen, einfachen Dingen steckt.“

Ein Mann aus Mexiko hat seinen Brief zum Thema Vergebung geschrieben, sagt die Weyherin und berichtet, dass die Familie des Mexikaners – als er ein Kind war – von seinem Vater verlassen wurde. Lange Zeit habe er die Schuld bei sich selbst gesucht. „Seinen Weg zum Glücklichsein hat er durch die Vergebung gefunden.“ Einen anderen Brief schrieb ein 15-jähriges Mädchen aus Bhutan, einem Königreich in Südasien. In diesem Land sei die höchste Priorität das Glück. „Die Leistung im Land wird durch das Bruttonationalglück gemessen“, erzählt Warneke. Die Menschen, die die Briefe verfasst haben, kennt die gelernte Industriekauffrau von verschiedenen Reisen und insbesondere durch einen Bildungsurlaub, den sie 2016 in Miami verbrachte. Nachdem ihr im Juli die Idee mit dem „Adventskaletter“ kam, kontaktierte sie ihre Urlaubsbekanntschaften: „Alle waren begeistert und haben sich dazu entschieden, einen Brief zu schreiben.“ Sprachbarrieren gab es dabei nicht, berichtet Warneke und sagt, dass sie alle Briefe in englischer Sprache erreicht haben und sie diese selbst übersetzt hat. Daher wird der Kalender auch in zwei Varianten, also den beiden Sprachen, verkauft. Auch in den kommenden Jahren könne sie sich vorstellen, weitere „Briefprodukte“ anzubieten: „Aber nicht industriell, sondern weiter in Handarbeit.“ Ideen habe sie dafür auch schon viele – und das, obwohl ihre Mutter früher immer gesagt habe, dass sie „gar nicht kreativ“ wäre, verrät die selbstständige Persönlichkeitstrainerin.

Durch einen Krankheitsfall in der Familie hat Lisa Warneke nach eigenen Angaben gemerkt, wie „kostbar die Lebenszeit ist und auch gelernt, dass diese Zeit begrenzt ist“, erklärt sie und betont, wie wichtig Dankbarkeit ist: „Das Leben ist zu schön, um nicht jeden Tag glücklich zu sein.“ Um anderen Menschen dabei zu helfen, ihr Glück zu finden, habe sie ihr Unternehmen „Me treat“ gegründet. „Das bedeutet, sich selbst etwas zu gönnen“, fügt Warneke hinzu. Mit dem Motto „Werde dein Lieblingsmensch“ organisiert die Weyherin Veranstalungen mit emotionalen Aktivitäten. Das Wissen dafür habe sie sich selbst angeeignet und dafür rund 70 Bücher gelesen. Hauptberuflich arbeitet sie im Familienunternehmen HWO Transporttechnik. „Ich habe gedacht, dass die Idee zwar gut ankommt, aber nicht, dass so viele den Kalender kaufen“, sagt Warneke mit einem Lächeln. Die Zielgruppe für diesen Kalender lasse sich nicht eingrenzen: „Meine Mama sagt, es ist ein Menschenthema. Ein Produkt für jeden, weil jeder versucht möglichst glücklich zu sein.“


Der Brief-Adventskalender wird im Internet unter www.metreatyourself.com und im Weyher Geschäft „Kleidsam“ in der Bahnhofstraße 48 verkauft.

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