Fußball

Mit Leib und Seele für den TSV

Aljoscha Klatte ist als ehrlicher Fußballarbeiter zum Gesicht des Kreisligisten TSV Weyhe-Lahausen aufgestiegen.
15.02.2021, 14:54
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup

Lahausen. Aljoscha Klatte ist ein Helfer. Einer, der anpackt und zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird. Das hat sich bereits früh abgezeichnet: In der Lahauser Jugendfeuerwehr war er einer der Fleißigsten, trat später sogar als Jugendsprecher für die Belange der Nachwuchskräfte ein. Voran geht er auch auf dem Fußballplatz. Beim TSV Weyhe-Lahausen ist er Kapitän und Sprachrohr, Vorbild und Vorzeigekämpfer.

Im Jahr 2008 wurde Klatte gleich zweimal befördert: Die Wehr Lahausen übernahm ihn in den aktiven Dienst, beim TSV sollte er endgültig im Herrenbereich durchstarten. Endgültig, weil er bereits als A-Jugendlicher die eine oder andere Minute reingeschnuppert hatte bei den Großen, die von Jörg Wetjen trainiert wurden. Auf Wetjen folgte ein weiterer Jörg, Amrhein sein Nachname. Der neue Coach holte nun eine ganze Reihe weiterer Jugendspieler hoch in die Erste. Defensivmann Klatte war Teil der Verjüngungskur durch Vereinsliebende. Der Großteil der Neuen hatte einen direkten Bezug zum TSV.

Das galt insbesondere für Klatte. Er ist fußballerisch seit jeher Lahauser. Gedanken an einen Wechsel? Die gab es zwar durchaus mal. „Aber am Ende hat mein Herz immer gesagt: Das kannst du nicht machen. Du bist Lahauser.“ Der TSV als Herzensangelegenheit. Wer will Klatte das nicht glauben?

Ein Gesicht des Vereins

Lahausens Herrenkoordinator Jens Lohmann nennt Klatte ein Gesicht des TSV. „Das merkt man immer wieder, wenn man auswärts auf den anderen Plätzen ist. Dort kennt man Aljoscha.“ Aber es ist nicht so, dass man Klatte mit Abneigung begegne. „Ich habe noch nie gehört, dass da jemand sagt: Ach herrje, jetzt kommt der Klatte schon wieder“, sagt Lohmann. Im Gegenteil: Der Kapitän werde durchaus geschätzt. Niemand verliere ein böses Wort über ihn. „Er hat uns immer und überall gut repräsentiert“, nennt Lohmann die Gründe dafür. Klatte selbst freut sich jedes Mal darüber, langjährige Weggefährten aus anderen Vereinen wiederzusehen. „Es ist immer schön, die Leute, mit denen man jahrelang in derselben Liga gespielt hat, zu treffen“, freut er sich. Klatte, der vor Kurzem nach Gessel gezogen ist, versucht die Zeit auf dem Platz zu genießen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass er auch nur einen Funken Ehrgeiz verloren hat in bald 13 Jahren in der ersten Herrenmannschaft des TSV. Ein Grundsatz gilt nach wie vor: „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es auch richtig“, erklärt der Defensivmann, der in der derzeit unterbrochenen Serie entweder auf der Sechs oder in der Innenverteidigung zum Einsatz gekommen ist. Halbe Sachen sind nichts für ihn. Deshalb war irgendwann Schluss mit der Laufbahn bei der Feuerwehr. Dem Fußball ist Klatte aber treu geblieben. „Fußball“, sagt er, „stand immer über allem für mich.“ Also war und ist er immer da: nicht nur bei den Spielen, sondern auch beim Training. „Aljoscha ist ein Vorbild“, sagt Lohmann.

Und Vorbilder braucht der TSV. Noch läuft der Umbruch. Die Erste hat in den vergangenen Jahren etliche junge Spieler in ihren Kader aufgenommen, im vergangenen Sommer kam ein weiterer Schwung dazu. Die Verjüngungskur, deren Teil Klatte selbst im Jahr 2008 war, läuft nun erneut. Und der Kapitän spielt dabei eine wichtige Rolle. „Ich sehe mich als erfahrenen Spieler da schon in der Pflicht, die Jungs mitzunehmen und an den Herrenbereich heranzuführen“, will er bei der Integration helfen. „Es ist wichtig, den jungen Spielern sofort zu zeigen, dass sie dazugehören“, bekräftigt Klatte.

Einsatz und Verlässlichkeit

Er selbst brauchte als junger Spieler wenig Anlaufzeit, um im Herrenbereich Fuß zu fassen. Schon damals fiel er nicht in die Rubrik Edeltechniker. Die feine Klinge überlässt er seinen Teamkollegen. Klatte ist dennoch unverzichtbar: Er hält seinen Mitspielern den Rücken frei. Er lässt sie glänzen, ohne selbst das Rampenlicht zu suchen. Einsatz und Verlässlichkeit sind seine Markenzeichen. Ehrliche Fußball-Arbeit mit Zweikämpfen und Grätschen und Laufarbeit bis zur Erschöpfung. „Darauf kann keine Mannschaft verzichten“, weiß Lohmann. Für seine Tugenden wird Klatte in Lahausen geschätzt, er hat sie sogar zweimal als Trainer der ersten Mannschaft an der Seite von Lars Bock eingebracht (siehe Einklinker). Klatte und der TSV – das ist nicht nur eine enge Verbindung, sondern auch eine durchaus erfolgreiche. Der Kreisliga-Aufstieg 2011, „fast mit unserer alten A-Jugend-Truppe“, wie er feststellt, ist ein Beleg dafür. Und natürlich der Kreispokalsieg 2018 dank des 3:2-Sieges über den SV Mörsen-Scharrendorf. „Das war etwas ganz Besonderes, weil wir unbedingt für Thorsten (Eppler, Anm. der Red.) gewinnen wollten.“ Für Eppler war es damals das letzte Spiel als Trainer. Dass er noch einmal wiederkommen würde, war nicht abzusehen gewesen. „Umso mehr wollten wir den Pokal für ihn holen“, sagt Klatte.

Das emotionale Comeback

Eine große persönliche Bedeutung für ihn hatte Lahausens 5:0-Sieg über Barenburg im April 2016. Eineinhalb Jahre zuvor hatte sich Klatte im Spiel gegen Bruchhausen-Vilsen das Sprunggelenk und das Wadenbein gebrochen, war sehr lange ausgefallen. „Das Comeback war sehr emotional für mich – allein schon, dass ich nach so langer Zeit wieder auf dem Platz stand. Aber dass ich dann auch direkt getroffen habe, war ein großartiges Gefühl“, hat Klatte diese speziellen Momente nicht vergessen.

Die Folgen der schweren Verletzung begleiten ihn noch heute. Ganz weg gingen die Probleme nie, sagt der im Vertrieb für Kfz-Ersatzteile beschäftigte Klatte. Besonders nach Spielen und Einheiten auf Kunstrasen spüre er noch Schmerzen. „Und jünger wird man auch nicht“, fügt er hinzu. Fußball steht immer noch ganz weit oben für ihn, aber Fußball ist nicht mehr alles für ihn. „Man kommt in ein Alter, in dem auch andere Dinge eine Rolle spielen“, unterstreicht er. Das Ende seiner Laufbahn in der ersten Mannschaft, es rückt näher. Es sei gut möglich, dass er nach dem Ende dieser Saison einen Schlussstrich ziehe, sagt Klatte, der letzte Verbliebene der 2008er-Zugänge in der Kreisliga-Elf des TSV. Einen Traum möchte er sich noch erfüllen: den Aufstieg in die Bezirksliga. „Das würde ich schon gern noch erreichen, nachdem wir so oft knapp gescheitert sind“, erinnert sich der Kapitän an einige enge Aufstiegsrennen, in denen der TSV das Nachsehen hatte. Der Sprung in die Bezirksliga wäre die Krönung seiner Laufbahn, selbst wenn der Weg in der siebten Liga ohne ihn weiterginge. „Verdient“, findet er, „hätte sich den Aufstieg vor allem der Verein.“ Er selbst nimmt sich, wie gewohnt, nicht zu wichtig. Dass er sich mit Leib und Seele für dieses Ziel einsetzen wird, muss er nicht extra betonen. Das wissen die Lahauser ohnehin. Und das schätzen sie so sehr an ihm.

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