Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag

Als aus Feindschaft Freundschaft wurde

Mehr als 100 Menschen haben am Volkstrauertag im Weyher Rathaus der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Gleichzeitig war die Veranstaltung auch Anlass, um an die Freundschaft zu Frankreich zu erinnern.
17.11.2019, 18:31
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Als aus Feindschaft Freundschaft wurde
Von Alexandra Penth
Als aus Feindschaft Freundschaft wurde

Die zweite stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Söfty (CDU, am Rednerpult) rief bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Weyher Rathaus zu Toleranz und Respekt auf.

Braunschädel

Weyhe. Das Leid, das die zwei Weltkriege über die Menschen gebracht haben, „macht heute noch betroffen“, sagt Ingrid Söfty im Weyher Ratssaal. Die zweite stellvertretende Bürgermeisterin spricht mit ruhiger, ernster Stimme am Sonntagvormittag vor mehr als 100 Menschen. Das Grauen sei nicht vorbei. Kriege bringen gegenwärtig noch immer großes Unglück über Menschen, zwingen sie dazu, ihre Heimat zu verlassen. „Seien wir offen für diese Menschen und schauen nicht auf Herkunft und Religion“, mahnt die Christdemokratin in ihrer Rede zum Volkstrauertag an und ruft dazu auf, die demokratische Freiheit zu schützen.

Es ist die fünfte zentrale Gedenkveranstaltung in Weyhe. Kränze werden später an den Kriegsgräbern in der Gemeinde niedergelegt. Kirchenmusiker Sören Tesch stimmt nachdenklich, wenn er instrumental am Klavier oder singend an der Gitarre die Redebeiträge bekräftigt. Marlene Dietrich haucht zu Beginn der Gedenkveranstaltung aus den Lautsprechern „Sag mir wo die Blumen sind“ und endet mit „Wann wird man je verstehen?“.

Hoffnung aber schenkt die inzwischen seit 1972 währende Freundschaft zwischen Weyhe und der französischen Gemeinde Coulaines. Manfred Streich vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gehörte der Delegation an, die nach Frankreich fuhr, um den Freundschaftsvertrag zu unterzeichnen. „Die Herzlichkeit auf beiden Seiten war berührend und überwältigend“, sagt er.

Der Grundstein für das Vertrauensverhältnis war schon früher gelegt worden. Am 16. Juni 1959, als 25 Jugendliche und sechs Betreuer von Syke aus nach Frankreich aufbrachen, um Kriegsgräber zu pflegen. Auf einem Schulhof in einem 2000-Seelen-Ort in der Champagne schlugen sie ihre Zelte auf. Die Mission der Jugendlichen imponierte wohl einigen Anwohnern, die den Kontakt suchten. Die Jugendlichen freundeten sich untereinander schnell an. Nach einem Basketballspiel feierten sie bis spät in die Nacht. Doch der Besuch war auch erfüllt von Trauer. Ein Mann, der als Soldat gekämpft, seine Söhne verloren hatte, kam zum Zeltlager der Jugendlichen, fiel auf die Knie und weinte bitterlich. Warum diese Kriege geschehen waren, fragte er unter Tränen. Bei der Abreise der Gäste kamen auch Jugendliche aus Frankreich mit, um Kontakte zu knüpfen. Beiderseits war man „überwältigt von der Anteilnahme“, schildert Gemeindearchivar Hermann Greve, als er die Entstehungsgeschichte des Deutsch-Französischen Jugendwerks nachzeichnet. Greve: „Der Erfolg der Syker Mission übersteigt damals alle Erwartungen.“

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