Geschichte des Bauvereins Kirchweyhe Als die Eisenbahner Häuser errichteten

Fast ein Jahrhundert ist es her, dass sich Kirchweyher Eisenbahner zusammenschlossen, um etwas gegen die Wohnungsnot zu tun. Wilfried Meyer hat die Geschichte des Bauvereins niedergeschrieben.
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Von Stephen Kraut

Weyhe-Kirchweyhe. Der heutige Weyher Ortsteil Kirchweyhe hat eine lange Geschichte, die eng mit der dort herführenden Bahnstrecke Hamburg-Bremen-Ruhrgebiet verbunden ist. Denn durch die Anbindung an das Schienennetz wuchs das kleine Bauerndorf rasant, aber so manifestierten sich auch neue Probleme, beispielsweise die Wohnungsnot. Um dagegen etwas zu tun, fanden sich vor knapp 100 Jahren einige Eisenbahner zusammen und gründeten den Eisenbahn Heimstätten-Bau- und Sparverein Kirchweyhe. Anlässlich dieses sich nähernden Jubiläums bringt Gemeindearchivar Wilfried Meyer jetzt ein Buch über den „Bauverein“, wie er allgemein genannt wurde, heraus. Für den gebürtigen Kirchweyher war es eine besondere Arbeit, wie er berichtet.

Die Zahlen sind beeindruckend: „Während 1892 sechs Loks für den Rangier- und Vorspanndienst ausreichten, stieg der Bedarf ständig an, erreichte im Jahre 1919 mit 88 hier stationierten Loks ihren Höhepunkt und gehörte bald zu einem der größten Verschiebebahnhöfe in Norddeutschland“, informiert Meyer über die Bedeutung Kirchweyhes. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges seien so für den Ausbau zum Bahntriebwerk 1469 Arbeitsplätze geschaffen worden. „Die Einwohnerzahl hatte sich mehr als verdoppelt“, so Meyer über diese Zeit. 1871 zählte man noch 1722 Einwohner, 1925 waren es bereits 3573. Damit einher ging ein Problem, das heute wieder sehr aktuell in Weyhe ist: die Frage nach dem Wohnraum.

Damals jedoch seien viele Eisenbahner dazu übergegangen, in sogenannten „Strohdachhotels“, also im Stroh von Scheunen, auf Hausböden und in Gaststätten zu schlafen. Um dieser Wohnungsnot Herr zu werden, gründeten laut Meyer einige Eisenbahner unter Mitwirkung der Deutschen Reichsbahn-Direktion Münster/Westfalen besagten Eisenbahn Heimstätten-Bau- und Sparverein. Die Mitglieder wurden schnell aktiv, wie der Autor weiter berichtet: „Die ersten Doppelhäuser am Richtweg wurden 1919 gebaut, es folgten ab 1921 die Mehrfamilienhäuser am Papenkamp und Goldener Winkel.“ Weitere Projekte ließen nicht lange auf sich warten.

Über die Jahre hat sich nicht nur der Name verändert: 1954 wurde aus dem Bauverein die Gemeinnützige Baugenossenschaft im Kreise Grafschaft Hoya eGmbH, seit 2013 heißt die Institution Bau- und Wohnungsgenossenschaft Weyhe e.G. – noch immer habe die aber einen hohen Stellenwert in Kirchweyhe. „Der Quadratmeter kostet dort im Schnitt sieben Euro“, berichtet Meyer aus seinen Recherchen. Bei der wieder aktuellen Frage nach bezahlbarem Wohnraum würden die Altbauten deshalb eine wichtige Rolle spielen.

Meyer begann bereits zum 90. Geburtstag des früheren Vereins mit den Recherchen – „ein Glücksfall“, wie er heute sagt. Denn viele Ansprechpartner, die ihm damals mit Informationen halfen, leben ihm zufolge heute nicht mehr.

Das Thema übrigens ist ihm auch persönlich wichtig, wie der Kirchweyher ergänzt: „Mein Opa kam ebenfalls wegen der Eisenbahn her.“ Er selbst sei daher auch ein Bauverein-Kind gewesen, lebte einige Jahre selbst in den entsprechenden Häusern. „Ich musste mich beim Schreiben des Buches ein paar Mal zurückhalten“, gibt er lachend zu. Eigene Bilder und Erlebnisse seien trotzdem mit hineingeflossen.

Das fertige Werk erhalten Interessierte ab Ende November unter anderem im Buchhandel, in der Kirchweyher Kreissparkasse sowie der Volksbank Kirchweyhe und im Büro der Genossenschaft, Papenkamp 1. Es soll 19,80 Euro kosten und fast 200 Abbildungen auf 108 Seiten zeigen.

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