Bürgermeisterkandidat Dietrich Struthoff

„Arbeit ist für mich Lebensinhalt“

Selbstständiger Vodafone-Projektberater, Vater von zwei Kindern, 64 Jahre alt und schon immer in Weyhe zu Hause: Dietrich Struthoff stellt sich am 10. November als Bürgermeisterkandidat zur Wahl.
01.11.2019, 08:00
Lesedauer: 6 Min
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Von Maike Plaggenborg
„Arbeit ist für mich Lebensinhalt“

Vodafone-Berater, Vater von zwei Kindern, 64 Jahre alt und schon immer in Weyhe zu Hause: Dietrich Struthoff steht am 10. November als Bürgermeister zur Wahl.

Vasil Dinev

Dietrich Struthoff hat mit Politik zu tun, seit er ein kleines Kind war – familiär bedingt. Und mit Fußball. Auch der ist bei Struthoffs Familiensache. Nach einem bisher schon erlebnisreichen Leben will der Leester nun als Einzelbewerber nach dem Bürgermeisterposten in der Gemeinde Weyhe greifen, auch wenn er seine berufliche Selbstständigkeit dafür schweren Herzens aufgeben müsste.

Acht Jahre ist es her, dass Struthoff bei der Vodafone Kabel Deutschland GmbH als selbstständiger Berater anfing zu arbeiten. Da ist er viel in Neubaugebieten unterwegs und erschließt diese in Sachen TV, Internet und Telefon. Zu seinen Kunden zählen Hausverwaltungen, Immobilienkonzerne oder Baufirmen. Die Arbeit macht ihm Spaß, wie er sagt. Sie sei eine „interessante, abwechslungsreiche Tätigkeit“, die er weitermachen möchte, „solange es mir Spaß macht“.

Noch bevor er in dem Unternehmen als Selbstständiger startete, sei ihm dort ein Angestelltenverhältnis angeboten worden. Allerdings habe er das dankend abgelehnt. Er mag es, wenn er sich seine Arbeit selbst suchen muss. „Ich habe das nie anders kennengelernt“, sagt er. „Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um geschubst zu werden.“ Das mache er lieber selber, sagt er ironisch und lachend. Was er meint ist: „Ich habe kein Problem damit, Verantwortung zu übernehmen.“ In einer Selbstbeschreibung gibt er sich als jemand, der gerne führt – die CDU-Fraktion im Gemeinderat beispielsweise. Dort ist er Vorsitzender. „Ich bin eher ein Typ, der lieber alleine arbeitet, aber kein Einzelgänger“, sagt er. Denn trotz dieses Drangs brauche er auch die Gemeinschaft – auch hier wieder: die seiner Fraktion im Gemeinderat.

Das Ding mit der Selbstständigkeit: Struthoff lebte das Modell bereits zuvor in seiner beruflichen Laufbahn – mit Abstand am längsten in seiner Rolle als Hotelinhaber, mitten in Leeste. 22 Jahre lang ist er Chef des Gasthauses. Und der Weg zur Gastronomie? Während des Studiums hatte Struthoff in der Branche gejobbt. Studium, Jobs, Laufbahn – der Leester hat mehrere Dinge ausprobiert, seit er nach dem Abi den Beruf Landwirt ansteuerte, denn auch die Eltern hatten seinerzeit einen Hof am Hause. „Ich hatte auch vor, das zu machen.“ Und er tat es. Zunächst mit einem Berufsabschluss als Landwirt, danach studierte er die Materie in Göttingen und schloss, kombiniert mit Volkswirtschaftslehre, als Agrarökonom ab.

Angewendet allerdings hat er seine Fähigkeiten nicht nur als Landwirt im Nebenerwerb, der er während der Phase als Hotelinhaber parallel war. Struthoff zog es ins Ausland, zunächst nach Kamerun, wo er zwei Jahre lang – damals ist er 26 Jahre alt – in einem landwirtschaftlichen Entwicklungsprojekt mitarbeitet. Auch hier bot sich Struthoff seinerzeit eine berufliche Alternative. Es winkte eine Stelle als Referent in einem niedersächsischen Ministerium. Struthoff aber winkte ab.

Für ihn steht damals fest: „Ich wollte was erleben.“ Kamerun also. Dabei blieb es nicht. Er schließt eine Phase als selbstständiger Berater bei einer Familie in Saudi-Arabien an. Damals geht es um den Aufbau von Weizenfarmen in der Wüste. Als dort nach Öl gesucht wurde, fand man Wasser, daher das landwirtschaftliche Bestreben. Vor Ort bündelten sich das Know-How und auch die entsprechenden Mittel, bis ein Überschuss produziert war. Allerdings: „Wir konnten uns nicht frei bewegen“, sagt er über die Lebensbedingungen in dem Königreich. Weitere berufliche Auslandsstationen brachten ihn nach Kuwait und in den Jemen.

Nicht nur beruflich, auch abgesehen davon ist Struthoff schon viel unterwegs gewesen. „Ich bin viel gereist“, sagt er, darunter in die USA, nach Guatemala oder auch Dubai. „Die Wüste hat mich immer gereizt.“

Stabil und kräftig: So sieht sich Struthoff und das vor allem auch in einer Zeit, in der ihm gesundheitliche Rückschläge in die Quere gekommen sind. Davon gab es mehrere in seinem Leben. Als er ein junger Mensch war, brach ein Nierenleiden über ihn herein. Beim Treppensteigen verließ ihn völlig unerwartet die eigene Kraft. Struthoff hatte plötzliches Nierenversagen. Darauf folgte eine längere, beschwerliche Phase, in der er zum Dialyse-Patienten wurde. Damals landete Struthoff auf der Organspenderliste. Als er Mitte Dreißig war, kam die Nachricht und ihm wurde eine Niere transplantiert. Bis heute lebt er gut mit dem Spenderorgan. „Ich bin der Familie absolut dankbar. Sie hat mir ein neues Leben ermöglicht“, sagt Struthoff noch heute über die Angehörigen des Menschen, dessen Organe sie zur Entnahme freigegeben haben. „Was ich über die Jahre erlebt habe, wünsche ich niemandem“, sagt er, noch berührt davon, allein über die Probleme mit der Niere. Und dabei blieb es nicht. Vor sechs Jahren entwickelte sich in der Hauptschlagader seines linken Arms ein Blutgerinnsel. Damit war sie dicht und nicht mehr durchblutet – wieder eine akute Situation. Er bezeichnet sie als eine Spätfolge der Dialyse. Der Arm musste amputiert werden.

Nicht erst seitdem, sondern auch schon vor seinen gesundheitlichen Schicksalsschlägen hielt der heute 64-Jährige sich fit. „Ich habe immer viel Sport gemacht, ernähre mich ausgewogen, wenig Fleisch, viel Gemüse.“ Er trinkt kaum Alkohol, hat nie geraucht, fährt viel Rad, etwa 3500 Kilometer pro Jahr. Pro Tag kommt er heute auf etwa sieben bis zehn – ob die Sonne scheint oder es regnet. „Viele kennen mich nur mit dem Fahrrad.“ Manchmal lässt Struthoff sich nach Melchiorshausen bringen und geht dann zu Fuß zurück nach Leeste, nicht ganz allein, sondern in Gesellschaft von Jagdhund Kati, ihres Zeichens nicht schussfester Dackel. „Wenn die eine Waffe sieht, geht die nach Hause“, sagt der frühere Jäger über das Tier. Struthoffs Hoffnung ist, dass er alt wird und „da tue ich viel dafür“.

Mit seiner Gesundheit geht er offen um, weil „man der Flüsterpropaganda entgegentreten“ muss. Kurzum: Er will mit etwaigen Gerüchten aufräumen, auch rund um sein Alter. Andere würden in Rente gehen, Struthoff wolle noch einmal richtig durchstarten. Von diesen Gedanken der Leute geht er aus. Aber: „Ich habe da keine Probleme mit“, sagt er. Viele Menschen würden nach dem 65. Lebensjahr weiterarbeiten. Seine klare Position dahinter: „Arbeit ist für mich Lebensinhalt.“

Und das scheint auch auf die Arbeit im Gemeinderat zuzutreffen. Seit 1993 ist er dort Mitglied, fast genauso lange in manchen Ausschüssen, auch im Abwasser-Verband von Harpstedt, Stuhr und Weyhe. CDU-Fraktionsvorsitzender ist er seit 18 Jahren. Im Kreistag vertreten ist er seit 1996, seit drei Jahren auch im Aufsichtsrat der Abfall-Wirtschafts-Gesellschaft mbH. „Ratsarbeit ist eine der schönsten Aufgaben, die man nebenbei machen kann“, sagt er. Da könne man viel bewegen und es gehe um viel Geld. Schon im Studium und nach Eintritt in die Junge Union (1972) und später in die CDU brachte er sich ein und hatte einen Sitz des RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten) im Studierendenparlament. „Das hat mir immer Spaß gemacht.“ Obendrein ist er im Lions-Club organisiert – seit mehr als 30 Jahren. „Dort sammeln wir Geld für die, die Hilfe brauchen.“

Vorbild für die kommunalpolitische Arbeit waren familiäre Vorgänger. „Meine Familie ist seit 50 Jahren im Rat.“ Schon als Kind begleitete er den Vater bei repräsentativen Terminen. „Politik war immer Bestandteil unserer Frühstücke, Mittagessen und Abendessen.“ Und Struthoff konnte die Begeisterung offenbar ebenfalls weitergeben, denn auch sein Sohn hatte bereits für den Gemeinderat in Weyhe kandidiert. Mittlerweile lebt der nicht mehr vor Ort, sondern in München, aber er „hält sich auf dem Laufenden“ – aus Verbundenheit. Auch die Tochter, die in Frankfurt lebt, hält Draht zur Heimat. Alle vier verbindet die Mitgliedschaft bei Werder Bremen. Auch das ist für Struthoff eine alte Erinnerung. Schon als Kind sei er mit seinem Vater ins Stadion gegangen. Und bis heute interessiert ihn nur der Verein und nicht etwa die Nationalmannschaft.

Trotz der langen politischen Laufbahn sagt Struthoff: „Es war nicht mein Ziel, hier Bürgermeister zu werden.“ In Deutschland müsse man für alles eine Prüfung machen oder eine Ausbildung haben. So gesehen sei er immer der Meinung gewesen, dass ein Verwaltungsbeamter diesen Posten bekommen sollte. Ziele für eine erfolgreiche Wahl hätte er dennoch. Als Bürgermeister würde er dafür sorgen wollen, dass die Mitarbeiter motiviert sind. Eine sichere und saubere Gemeinde wäre ihm wichtig. Auch Flüchtlinge etwa sollten in Weyhe Arbeit finden. Allerdings: „Wer Arbeitsplätze schaffen will, verbraucht Umwelt.“ Abseits dessen habe der vorige Bürgermeister Andreas Bovenschulte viel in Gang gebracht. „Das müssen wir jetzt abarbeiten.“

In diesen Tagen stellt der WESER-KURIER die vier Bewerber um das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Weyhe vor – nach der Reihenfolge der offiziellen Verkündung ihrer Kandidatur. Der Vierte und letzte ist nun Einzelbewerber Dietrich Struthoff , der von CDU und FDP unterstützt wird.

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