Einer von hier: Vito Cecere Aus dem Jeebel ins Auswärtige Amt

Vito Cecere hat in Berlin Karriere gemacht, leitete zuletzt den IT-Bereich im Auswärtigen Amt. Der Weyher ist aber sehr heimatverbunden – und hält seinem alten Verein bis heute die Treue.
09.09.2019, 18:25
Lesedauer: 6 Min
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Von Enno Eidens

Berlin/Weyhe-Jeebel. Mit leuchtenden Augen erzählt Vito Cecere von „seinen“ 1980er-Jahren: „Sobald wir einen Führerschein hatten, sind wir ins Viertel gefahren.“ Viel zu tun gab es für junge Erwachsene in Weyhe damals nicht. Der im kleinen Ortsteil Jeebel aufgewachsene Cecere erinnert sich an viele schöne Abende in Bremer Szene-Diskos. Aladin, Lila Eule oder das Modernes – Adressen, die viele Bremer auch heute noch gerne besuchen. Er hingegen tauschte Tanzparkett gegen Politbühne. Aber der Reihe nach.

Vito Cecere hat 1995 seinen Magister in Geschichte und Politikwissenschaft abgelegt. Dafür studierte er in Hannover und Bologna. Es folgte eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Landtag Niedersachsens. Nach diversen Beschäftigungen für die SPD, beispielsweise als Referent für den Parteivorstand, begann er 2007 seine Arbeit im Auswärtigen Amt in Berlin. Dort ist er seitdem in verschiedenen Posten tätig.

An einem angenehmen Berliner Sommertag empfängt uns der 52-Jährige mit festem Händedruck im Atrium der Bundesbehörde: „Waren Sie schon bei uns im Haus? Nein? Na gut, dann kommen Sie mal mit!“ Cecere beginnt mit einer kurzen Führung. Der Weyher hat sich ausführlich mit der Historie seines Arbeitsplatzes auseinandergesetzt. Mit Leidenschaft erzählt er von dem bewegten Hintergrund der beiden Gebäude unweit des Berliner Doms. Geschichtsträchtig ist vor allem der Altbau am Werderschen Markt. Seit 1940 als Reichsbank genutzt, beherbergte das Gebäude nach dem Krieg das Finanzministerium der DDR und später das Zentralkomitee der SED. Ab 1990 saßen im „Haus der Parlamentarier“ die Abgeordneten der ersten und einzigen frei gewählten Volkskammer der DDR.

Das Auswärtige Amt ist Geschichte zum Anfassen, inmitten eines sich rasch verändernden Berlin-Mitte. Nebenan wird gerade die U-Bahn-Linie 5 verlängert und ein Stadtschloss gebaut. Touristen und Studenten der nahegelegenen Humboldt-Universität teilen sich die Berliner Straßen. Von all diesem Trubel hat Vito Cecere Abstand. Sein Büro im Neubau des Auswärtigen Amt blickt auf den schönen grünen Innenhof des Gebäudes. Eine ruhige Oase inmitten der Großstadt. Nur die Kuppel des Berliner Doms und die noch nicht fertiggestellte Kuppel des Stadtschlosses vermitteln etwas Berlin-Flair. Der Neubau wurde 1999 bezugsfertig, das Richtfest fand im Jahr davor unter dem damaligen Außenminister Joschka Fischer statt.

Nicht ganz so geschichtsträchtig, aber ziemlich aufregend sind die vergangenen Wochen in Ceceres Beruf gewesen. Der gebürtige Bremer hat gerade einen hausinternen Wechsel hinter sich. „Im Auswärtigen Amt wird alle drei bis vier Jahre rotiert“, erklärt er und ergänzt: „Vor Kurzem war ich noch Beauftragter für Informationstechnik im Auswärtigen Amt und habe mich dort um die weltweite IT und Digitalisierung des Auswärtigen Dienstes gekümmert.“ Vor guten vier Wochen wechselte er in die Abteilung für Kultur und Kommunikation, wo er nun für Außenwissenschafts-, Bildungs- und Forschungspolitik zuständig ist. Konkret heißt das zum Beispiel die Arbeit mit den deutschen Auslandsschulen, von der Cecere begeistert berichtet: „Die deutschen Auslandsschulen stehen nicht nur deutschen Schülern offen. Sie sind auch Begegnungsschulen in den jeweiligen Gastländern.“ Und: „Damit ermöglichen wir Bildungsbiografien mit Deutschlandbezug.“

„140 solcher Schulen gibt es weltweit, und sie genießen einen guten Ruf“, erzählt er. Zu der prominenten Schülerschaft zählte zum Beispiel der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Der hat in den 1920er-Jahren die deutsche St. Petri Schule in Kopenhagen besucht. „Das hohe Niveau der Auslandsschulen wird durch Lehrpläne, die denen im Inland sehr ähnlich sind, gewährleistet“, versichert Cecere. Und: „Wie auch in Deutschland liegen Lehrpläne und auch Abschlüsse in der Verantwortung der Bundesländer.“ Ob das Konzept Vorbildfunktion für mehr Einigkeit in der Schulpolitik in Deutschland hat, möchte Cecere nicht kommentieren. Das Auswärtige Amt stimme sich jedenfalls mit der Kultusministerkonferenz ab und kümmere sich mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen um Finanzierung und Personal für die Auslandsschulen.

„Mit ihrem Begegnungscharakter fördern Auslandsschulen das Verständnis zwischen den Kulturen. Der Austausch zwischen Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Ländern, der gemeinsame Unterricht und Sport ist völkerverbindend. Deutschland hat ein Interesse an internationaler Vernetzung. Und dafür ist das Auslandsschulwesen sehr wichtig“, betont Cecere die positiven Effekte.

Ein weiteres Aufgabenfeld von Cecere ist die Wissenschaftsdiplomatie: „Hier geht es um die Förderung des akademischen und wissenschaftlichen Austauschs, zum Beispiel über Themen wie Klima, Digitalisierung und künstliche Intelligenz.“ Dazu gehöre natürlich auch eine kritische Debatte. Partner des Auswärtigen Amts sind unter anderem die Alexander von Humboldt-Stiftung und der Deutsche Akademische Austauschdienst. „Mit den vorhandenen Mitteln können wir gemeinsam einiges bewegen“, zeigt sich Cecere zufrieden mit der internationalen Zusammenarbeit. „Bei all diesen Aspekten arbeiten wir eng mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung zusammen.“

„Mit der Heimat verbinden mich meine Familie, meine Freunde und natürlich Kindheits- und Jugenderlebnisse“, erinnert sich Cecere zurück an seine Zeit in Weyhe. Auch das Spazieren in den Berliner Wäldern sei nicht vergleichbar mit einem Gang in den Jeebel: „Der Duft des Jeebeler Waldes ist einzigartig, den rieche ich nur dort so.“ Cecere besucht die Heimat regelmäßig und erkundet bekannte und neue Wege mit dem Rad: „Ich bin da schon recht heimatverbunden.“ Auch seine Berliner Familie kommt häufig mit. Die beiden Söhne, zwölf und 16 Jahre alt, sind gerne bei der Großmutter in Sudweyhe. „Meine Frau kommt aus dem Friesland, deshalb muss ich sie nicht überzeugen, mit mir in den Norden zu fahren“, freut sich Cecere. Mit Weyhe verbindet ihn auch der TuS Sudweyhe, bei dem er immer noch Mitglied ist. Auch wenn sein ältester Sohn die Nähe zu Bremen noch nicht entdeckt hat, blickt Cecere gerne zurück in seine Zeit im Bremer Viertel. Die Sielwallkreuzung war schon damals eine wichtige Adresse. Neben den eingangs erwähnten Szene-Diskos erinnert sich der Wahl-Berliner auch an die Bremer Arabic-Läden dort. Die Imbissbude Tandour ist schließlich stadtbekannt, vor vielen Jahren soll hier das erste Rollo überhaupt verkauft worden sein. In Berlin kennen nur wenige dieses kulinarische Bremer Original.

Vito Ceceres Werdegang wurde stark durch seine Schulzeit geprägt. Ohne die Gymnasiale Oberstufe der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Leeste, damals noch KGS Weyhe, hätte er möglicherweise gar kein Abitur gemacht: „Die Tatsache, dass eine solche Schule in der Gemeinde ist, hat vieles vereinfacht.“ Sehr positiv erinnert er sich an prägende Lehrer der KGS zurück. „Die waren keineswegs antiautoritär. Viele haben uns aber auf eine nicht-autoritäre Weise zu eigenständig denkenden Individuen erzogen“, sagt er. Dazu hätte vor allem der 68er-Hintergrund vieler Lehrer beigetragen. Dies habe auch ihn stark geprägt. Sein anschließendes Magisterstudium der Geschichte und Politikwissenschaft baue auf diesen Erfahrungen auf. Cecere erinnert an den SPD-Politiker Peter von Oertzen, der als Niedersachsens Kultusminister an der Bildungsreform der 1970er-Jahre mitgewirkt hatte. Eine Reform, von der Cecere bei seiner schulischen Ausbildung stark profitieren sollte.

Vito Cecere selbst ist seit 1983 in der SPD politisch engagiert. "Ich war immer schon ein leidenschaftlich politischer Mensch, und auch bei uns zu Hause war das immer ein Thema. Wir haben sozialdemokratisch gedacht und auch gehandelt.” Politisch aktiv war er unter anderem in der Weyher SPD und im Kreisverband des SPD-Unterbezirk Diepholz. Zur Bundestagswahl 2017 wollte er als Kandidat für den Landkreis Diepholz antreten, konnte sich innerparteilich jedoch nicht gegen Tevfik Özkan durchsetzen, der wie er aus Weyhe kommt. Gewählt wurde schlussendlich auch Axel Knoerig von der CDU, der sich den Direkteinzug in den Bundestag sicherte. Cecere blickt dennoch positiv gestimmt zurück: "Es hat mich sehr gefreut, als der ehemalige Bundestagsabgeordnete Rolf Kramer mich damals gefragt hat. Ich habe mich der Partei solidarisch verpflichtet gefühlt und würde es wieder so machen."

Auch außerhalb der Partei engagiert sich Cecere politisch: „Es liegt in unser Verantwortung, sich für das Gemeinwesen einzusetzen.“ Dazu gehört für ihn auch die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Engagement, beispielsweise in einer Bürgerinitiative oder einer NGO, also Nichtregierungsorganisation. Er selbst ist unter anderem im Schulförderverein und Mitglied beim Verein „Gesicht Zeigen!“ in Berlin, der sich für ein weltoffeneres Deutschland und gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus einsetzt. „Gegen die Verächter der Demokratie muss man Position beziehen. Da kann ich mich dann nicht ins Private zurückziehen“, ist Ceceres klare Aussage zur aktuellen politischen Situation. Für den Weyher in Berlin ist das demokratische Engagement nicht nur „Ehrensache, sondern eine Notwendigkeit“.

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