Basketball Weyhes Zukunft

Der SC Weyhe hat im Basketball viele erfahrene Leistungsträger in den eigenen Reihen, doch junge Kräfte rücken nach.
16.12.2020, 14:27
Lesedauer: 7 Min
Zur Merkliste
Von Thorin Mentrup

Weyhe. Die Basketballer des SC Weyhe haben in den vergangenen Jahren einen Aufstieg hingelegt: 2017/18 spielten sie noch in der Bezirksklasse. Drei Spielzeiten und zwei Aufstiege später ist die Mannschaft von Trainer Jonas Klucken in der Landesliga angekommen. Diese Entwicklung verdankt das Team insbesondere einigen höherklassig erfahrenen Kräften wie etwa Maik Lindemann, Jonathan Kaiser oder Jonathan Schmedemann. Aus dem entwicklungsfähigen Alter sind diese Akteure allerdings heraus. „Wir müssen uns verjüngen“, steht für Klucken fest, dass der höherklassigere Basketball in Weyhe nur dann eine Zukunft hat, wenn auch Spieler nachkommen, die in die Fußstapfen der erfahrenen Recken treten.

Zugleich liegt auf der Hand, dass eine neue Generation jetzt noch die Chance hat, von Kaiser, Lindemann und Co. zu lernen. Dieses Zeitfenster will Klucken nutzen. Den einen oder anderen jungen Akteur mit Format hat der SCW bereits in seinen Reihen. Zwei haben bereits einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht, zwei sind erst vor Beginn der derzeit unterbrochenen Saison zu den Grün-Weißen gestoßen, haben in beiden Spielen gegen Nienburg aber angedeutet, dass sie dem Landesligisten gut zu Gesicht stehen. Ein Blick auf die Akteure, die in Zukunft den SC Weyhe prägen könnten.

Dennis Kruslin

Mit 24 Jahren ist er der erfahrenste der jungen Spieler. Eigentlich ist er fast schon ein etablierter Akteur. Derzeit ist er sogar Topscorer der Weyher. Seit seinem Wechsel im Jahr 2018 ist Kruslin vom Rollenspieler zum festen Bestandteil der Starting Five aufgestiegen.

Diese Entwicklung hat sicherlich mehrere Gründe. Kruslin bringt viel Talent mit. Als Fünfjähriger startete er mit dem Basketball in Brinkum, beim TuS Syke spielte er bereits mit 15 Jahren im Herrenbereich, kam in der Bezirksliga und der Bezirksoberliga zum Einsatz und wurde mit dem Oldenburger TB, dem Farmteam des Bundesligisten EWE Baskets Oldenburg, Niedersachsenmeister und Norddeutscher Meister. „Da habe ich enorm viel gelernt. Das war eine prägende Zeit für mich“, blickt Kruslin zurück. In der U18 lief er für den TuS Huchting in der Landesliga auf. In der Neustadt sammelte er zudem Erfahrung in der Oberliga, ehe er über OT Bremen in Weyhe landete.

Kruslins Vita ließ also aus SCW-Sicht auf einiges hoffen. Ganz entscheidend für seinen Durchbruch sei aber nicht Talent, sondern etwas anderes gewesen, erzählt der 24-Jährige: „Man hat mir die Zeit gelassen, mich zu entwickeln.“ Hinter seinen erfahrenen Mitspielern habe er in Ruhe wachsen können. „Das brauchst du als junger Spieler“, weiß Kruslin, der nicht murrte, wenn er mal weniger Spielzeit bekam, sondern an sich arbeitete. Den Lohn erntet er jetzt. Klucken jedenfalls ist sehr angetan: „Dennis ist nicht nur Topscorer, er übernimmt auch immer mehr Verantwortung. Er ist als Spielerpersönlichkeit gewachsen.“

Was Kruslin besonders freut: Er zahlt das Vertrauen, das die Weyher in ihn setzen, zurück. Meistens als Small oder als Power Forward aufgestellt, kann er das SCW-Spiel auf viele Arten bereichern. Indem er selbst zum Korb zieht oder für Mitspieler Chancen kreiert oder indem er das Spiel breit macht. Kruslin hat viele Möglichkeiten für sich und sein Team entwickelt. „Das Schöne ist, dass wir uns als Mannschaft gegenseitig sehr gut ergänzen. Wir sind nicht von einem einzigen Spieler abhängig“, sagt er. Den Zusammenhalt als entscheidende Komponente hat Kruslin längst verinnerlicht. Weil Fehler erlaubt waren und sind, konnte er einen großen Schritt nach vorn machen. Das will der 24-Jährige auch seinen noch jüngeren Mitspielern vermitteln: „Es ist schön, wenn ich für sie ein Vorbild sein kann.“

Thore Boyce

Einen geraden Weg hat Thore Boyce beim SC Weyhe nicht genommen. Als Topscorer (147 Punkte in 14 Spielen) verabschiedete er sich im Sommer 2019 vom FTSV Jahn Brinkum, um zum höher spielenden Nachbarn zu wechseln. Doch in der ersten Mannschaft der Weyher war er kein Stammspieler. Wenn er dabei war, kam er meist von der Bank. Acht Mal lief er für das Basketballaushängeschild des SCW in der vergangenen Saison auf (75 Punkte).

Deutlich mehr Spielzeit sammelte Boyce in der zweiten Mannschaft. Dort sollte er sich empfehlen für dauerhafte Einsätze in der Ersten. Mit 232 Punkten in 13 Spielen gelang das hervorragend. Böse ob dieser erneuten Lehrzeit war Boyce nie. Im Gegenteil, wie der Pharmakant in Ausbildung erklärt: „Ich liebe Herausforderungen. Deshalb hat mir das überhaupt nichts ausgemacht.“ Er nahm die Situation sportlich und nutzte die Doppelspieltage dafür, um die für die Entwicklung unersetzliche Praxis zu sammeln. Mittlerweile kann der ehemalige Leichtathlet, dessen Leidenschaft für Basketball von seinem Vater stammt, mit Fug und Recht behaupten. „Es war das Richtige für mich. Ich fühle mich voll und ganz angekommen.“

Die Entwicklung ist unübersehbar. Mehr und mehr Spielzeit im Klucken-Team hat Boyce bereits in der Schlussphase der vergangenen Serie gesammelt. Ein paar Mal zahlte der 19-Jähirge Lehrgeld, doch er passte sich dem Niveau mehr und mehr an. Sein Coach sprach damals von einem Lernprozess – und das gilt auch noch heute. Allerdings ist Boyce einen ganzen Schritt weiter als noch zu Beginn seiner Weyher Zeit. „Was die Offense und die Rebounds angeht, hat er sich sehr gesteigert. Natürlich kann er noch ein bisschen cleverer spielen, aber das kommt mit der Erfahrung. Wenn man sich überlegt, dass Thore ein klarer Bankspieler war, als er gekommen ist, und jetzt der fünfte oder sechste Mann ist, dann muss man mit seiner Entwicklung sehr zufrieden sein“, findet Klucken.

Auch Boyce selbst spürt, wie sehr er sich verbessert hat. „Meine Spielweise ist ganz anders geworden. Ich bin deutlich ruhiger und gewinne in der Defense viel mehr Bälle und Rebounds. Ich bin deutlich besser deutlich besser geworden.“ Der Wechsel nach Weyhe habe sich gelohnt. Den jüngsten Beweis seines Talents lieferte Boyce, der ob seiner Größe auch mal als Center aushilft, beim letzten Spiel vor der Unterbrechung, als er beim Sieg über Nienburg mit 18 Punkten nicht nur Topscorer war, sondern mit seiner Reboundstärke auch die Bretter auf beiden Seiten des Feldes beherrschte. Im Schnitt sammelt er in dieser Saison elf Zähler pro Partie. Bleibt es bei dieser Quote, wäre das ein persönlicher Bestwert in der Landesliga. Boyce ist ein Versprechen für die Zukunft – und blickt durchaus selbstbewusst auf seine Laufbahn. „Ich will es weit nach oben schaffen“, kündigt er an. Den nächsten Schritt kann er sich gut mit Weyhe vorstellen.

Timon Brudna

Der 23-Jährige kam vom Nachbarn FTSV Jahn Brinkum zu Beginn der laufenden Saison nach Weyhe. Beim SC hat er sich bereits eingelebt: „Ich bin echt glücklich in Weyhe. Vom Teamgefüge und vom Zusammenhalt aller ist das richtig gut.“ Die Integration war nicht schwierig, zumal er Klucken, der in Brinkum Co-Trainer der Frauenmannschaft ist, ebenso kannte wie Schmedemann. „Mit ihm habe ich in der Neustadt bereits zusammengespielt. Es ist toll, jetzt wieder mit ihm auf dem Feld zu stehen“, schwärmt Brudna, der als Elfjähriger mit dem Basketballspielen bei der BTS Neustadt begann und in Brinkum im Herrenbereich durchstartete. In Weyhe habe er noch einmal ein anderes Niveau kennenlernen wollen. Beim FTSV spielte Brudna in der vergangenen Serie überwiegend für die zweite Mannschaft in der Bezirksklasse. In seinem Team zählte er zu den Topscorern, kam in 16 Spielen auf 141 Punkte – ein Schnitt von 8,8 Zählern pro Partie.

Nun spielt er also zwei Ligen höher. Brudna nahm in den ersten beiden Spielen gegen Nienburg bereits eine durchaus wichtige Rolle ein, kam als Aufbauspieler zum Zug. Denn Jonathan Kaiser fehlte verletzt. Der Zeitpunkt des Comebacks des wohl besten Spielers im Aufgebot ist ungewiss. Brudna kann sich nach dem Re-Start also womöglich weiter empfehlen für einen Platz in der Starting Five. „Timon hat das bislang richtig gut gemacht“, lobt Klucken den Neuzugang, der sich nicht über Kaisers Fehlen freut, obwohl es ihm Spielzeit verschafft. Im Gegenteil: „Ich hoffe, dass er so schnell wie möglich wieder zurück ist, damit ich noch den einen oder anderen Tipp abstauben kann“, hofft er, von dem ehemaligen Zweitliga-Akteur noch einiges lernen zu können, zumal er auf dem Flügel ausgebildet wurde. Der schnelle erste Schritt und sein Tempo zeichnen Brudna aus – in dieser Hinsicht ist er Kaiser durchaus ähnlich. „Aber er ist mir noch ein ganzes Stück voraus“, weiß Brudna. Wie stark Kaiser ist, musste er schließlich selbst erfahren, als er mit Brinkum auf Kaisers Weyher traf und keine Chance hatte.

Brudna hat den Ehrgeiz, an sich zu arbeiten. Er will immer wichtiger werden für Weyhe. „Ich glaube, dass wir gemeinsam einiges erreichen können. In den ersten beiden Spielen lief es schon sehr ordentlich, obwohl wir noch gar nicht so lange zusammenspielen.“ Da geht also noch mehr. Auch für ihn persönlich: „Für mich ist nach oben hin alles offen“, traut er sich auch eine höhere Klasse als die Landesliga zu.

Joshua Roth

Von einer ganz jungen Truppe der BTS Neustadt II ist Joshua Roth zu Beginn der Saison in eine deutlich erfahrenere Mannschaft gekommen. Natürlich sei das eine Umstellung für ihn gewesen, verrät der ehemalige Brinkumer. Bei der BTS sei es im Training durchaus hitzig zugegangen. „Das ist nicht schlecht, weil eine höhere Intensität im Training auch dazu führt, dass man sich verbessert“, findet er. Es gebe allerdings auch ein Aber: Der Umgangston sei teilweise rau gewesen. In Weyhe dagegen sei die Stimmung super – und die Möglichkeit, viel zu lernen, schlichtweg größer. „Hier sind so viele Spieler, die schon mal in der Oberliga oder in der Regionalliga oder noch höher gespielt haben. Das ist schon beeindruckend“, findet Roth. „Diese Klasse sieht man in jedem Training und in jedem Spiel. Hier ist wirklich jeder gut. Der Basketball-IQ ist enorm.“ Davon könne er als 20-Jähriger nur profitieren. Deshalb war der Altersunterschied zu vielen seiner jetzigen Mitspieler kein Minus-, sondern ein Pluspunkt gewesen, als er sich mit dem Wechsel auseinandersetzte.

Roth, der in Brinkum wohnt und beim FTSV noch mittrainiert, stand in beiden Begegnungen von Beginn an auf dem Platz. Ein Zeichen der Wertschätzung, die er sich laut Klucken verdient hat. „Joshua hat in der kurzen Zeit bereits einen Schritt nach vorn gemacht“, sagt der Trainer über den Neuzugang, der sieben Zähler sammelte. „Ich komme aber auch gut damit klar, wenn ich von der Bank komme“, sieht Roth die Situation entspannt.

Wenn er nicht auf dem Platz steht, nutzt er die Zeit, um seine Mitspieler zu beobachten. Schmedemann etwa hat ihm imponiert. „Er ist ein überragender Teamspieler“, findet Roth, der seine Stärken auf den Positionen des Shooting Guards oder des Small Forwards sieht. Ein Vorbild hat er aber auch unter seinen jungen Mitspielern gefunden: Dennis Kruslin. „Alle haben gesagt, dass er eine supergute Entwicklung gemacht hat.“ Darauf hoffe er auch bei sich selbst. Da geht es Klucken und den erfahrenen Spielern beim Blick auf die Talente nicht anders.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+