Geistige Entwicklung zunächst in Sulingen

Bethel Favorit als Träger für neue Förderschule

Der Landkreis Diepholz soll jetzt eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung bekommen. Sie soll nach Sulingen. Nur die Frage der Trägerschaft bleibt noch offen.
21.02.2019, 17:57
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Bethel Favorit als Träger für neue Förderschule
Von Sebastian Kelm

Landkreis Diepholz. Der Kreiselternrat hatte die Einrichtung vor knapp zwei Jahren gefordert, nun steht fest: Der Landkreis Diepholz will ab 2020/2021 eine bisher nicht dagewesene Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung aufbauen – und zwar in Sulingen. Die dort vorhandene, höchstens umzubauende Lindenschule, derzeit noch besucht von 25 Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf in den auslaufenden Bereichen Lernen und Sprache, ist als Standort vorgesehen. Das verkündete Erster Kreisrat Wolfram van Lessen im Kreischulausschuss. Die Wahl fiel darauf, weil es sich um ein kreiseigenes Gebäude handelt, aber auch, weil die Lage einigermaßen zentral ist. 25 Minuten brauche man von Syke, rechnete er vor, von Weyhe sei man in etwa 30 da, von Stuhr indes sei die Anfahrt schon „grenzwertiger“. Deshalb strebe er „Dezentralität“ an, so van Lessen. Was er meinte: Über Kooperationen sollen perspektivisch Außenstellen geschaffen werden. Thorsten Abeling vom Fachdienst Bildung berichtete, der Kreisbehindertenbeirat begrüße die Entscheidung für Sulingen.

Nicht ganz so klar ist indes die Frage, wer die neue Förderschule Geistige Entwicklung betreiben soll. Van Lessen nannte drei Optionen. Staatliche Trägerschaft hätte den Vorteil, dass Lehrer auch in die Inklusion an Regelschulen entsendbar wären, erklärte der Erste Kreisrat. Bethel im Norden als Partner wiederum bringe neben der Erfahrung in der Organisation einer eigenen Schule in Freistatt vor allem eines mit: Pädagogen. 21 befinden sich allein aktuell in der Weiterbildung an der Universität Oldenburg, die im September 2019 fertig werden, wie er zu erzählen wusste. Die Lebenshilfen in Syke und Diepholz als dritte Möglichkeit hingegen hätten ebenso wie das Land momentan keine Lehrer. „Wenn wir eine Schule gründen, müssen vom ersten Tag an Lehrer da sein“, lieferte van Lessen dann eine Begründung dafür, warum die Kreisverwaltung Bethel favorisiert.

Stephan Kawemeyer (CDU) forderte, der Kreis solle sein System vor dem Hintergrund hinterfragen, warum Bethel die Lehrkräfte bekommt und man dabei solche Probleme habe. Hans-Werner Schwarz (FDP) sah es wenn überhaupt als „positives Nebenprodukt“, über den Standort Personal für den Inklusionsunterricht andernorts zu gewinnen, warnte aber davor, sich darauf zu verlassen.

Hermann Schröder, Sprecher der Freien Wählergemeinschaft (FWG), machte sich derweil für eine deutliche Abgrenzung zu den existierenden Tagesbildungsstätten stark. Mögliche Verbindungen aus staatlicher und privater Trägerschaft wurde vielfach befürwortet. Sozialdemokrat Peter Jahnke etwa warf die Frage in den Raum, warum es eigentlich in Deutschland so viele „Denkverbote“ in dieser Hinsicht gebe. Gerd Breternitz (AfD) meinte, wegen der „Bezahlungsfragen“ seien solche Kooperationen schwer umsetzbar.

Jürgen Abelmann (Linke) haderte mit einer nicht-staatlichen Lösung, stimmte letztlich aber für den vorgelegten Vorschlag. Einzig Ulf Schmidt (Grüne) enthielt sich – weil die angedachte „Doppelstruktur“ seiner Ansicht nach dem „Gedanken der Inklusion zuwider“ laufe.

Außerdem ging es um die Weiterführung der Förderschule Lernen. Die Kreisverwaltung legte dar, dass bei Diepholz und Sulingen ein neuer Versuch für die Genehmigung unternommen wurde, aber auch nach jüngster Abfrage noch der Zuspruch von Eltern fehle. Den gibt es in ausreichender Zahl nur für die Hacheschule in Melchiorshausen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+