Blick auf Weyher Wahlergebnisse

Zwischen Bundestrend und lokaler Bekanntheit

Wer in Weyhe bekannt ist, scheint größere Chancen zu haben, wenn es um die Gemeindewahl geht - das scheint Teil des Stimmungsbildes im Nachgang zur Wahl zu sein. Aber auch Bundeseinflüsse spielen eine Rolle.
13.09.2021, 17:57
Lesedauer: 3 Min
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Zwischen Bundestrend und lokaler Bekanntheit
Von Maike Plaggenborg
Zwischen Bundestrend und lokaler Bekanntheit

Mengenmäßig in nicht allzu großer Gesellschaft hatten politische Vertreter die Entwicklung der Ergebnisse im Weyher Rathaus verfolgt.

Maike Plaggenborg

Weyhe. Die Stimmen sind gezählt, die Ergebnisse, zumindest noch vorläufig, stehen. Als Gewinner gehen nach der Wahl in Weyhe die Grünen hervor, Federn gelassen haben CDU, SPD und FDP, die das teilweise auch mit Einflüssen durch die Bundesebene erklären. Einflüsse aber haben bei der Stimmabgabe auch die jeweiligen Bekanntheitsgrade der Kandidaten, erklären die Parteien. Dass dies nicht zwingend so sein muss, zeigt aber auch der Einzug neuer Gruppen – in Weyhe die Freie Wählergemeinschaft (FWG) sowie Die Linke.

Die Partei holte mit dem Einzelbewerber Daniel Welp 244 Stimmen, was ihm nun einen Sitz im neuen Weyher Gemeinderat einbringt. "Schön, dass es geklappt hat", sagte der 32-Jährige auf Anfrage erfreut. Auch ein Sitz im Kreistag ist ihm sicher, wobei Die Linke dort gleichzeitig eines von bisher zwei Mandaten verloren habe. "Das ist natürlich sehr bitter." Der Fraktionsstatus dort ist damit dahin. In Weyhe möchte er diesen gerne aufbauen. Denn für seine politische Arbeit in Weyhe kündigt er schon jetzt an, dass er "nicht als Einzelkämpfer" wirken möchte. Dazu strebt er direkt Gespräche mit anderen Ratsmitgliedern an, womöglich mit den übrigen einzelnen Mandatsträgern Torsten Kobelt (Die Partei) und Rudolf Dyk (FWG) zur Gründung einer Gruppe.

In der Sache stößt Welp bei Kobelt ebenfalls auf offene Ohren. "Wir überschneiden uns mit den Linken", sagte der am Tag nach der Wahl. Auch die FWG könnte als politischer Partner in Frage kommen. Der Die-Partei-Ratsherr zieht erneut in den Gemeinderat ein, allerdings nicht wie erhofft in Gesellschaft. "Zwei Sitze wären natürlich ein Traum gewesen." Am Ende hat es nur für einen gereicht, auf Kreistagsebene für keinen. Dennoch: Für Weyhe spricht Kobelt von einer "gewissen Fangemeinde" in der Kommune. Allerdings, so seine Überzeugung, habe Die Partei "mit Sicherheit" Stimmen an die neuen Bewerber und demnächst Ratsmitglieder verloren.

Dabei hätte sich Rudolf Dyk von der FWG noch mehr als die erhaltenen 159 Stimmen gewünscht, die ihm nun einen Sitz einbringen. "Es ist immerhin ein Anfang für die FWG", sagte er. "Fünf Prozent wären ein gutes Ergebnis gewesen." 2,48 Prozent wurden es schließlich und auch darin sieht Dyk einen Anteil an Protestwählern aus der SPD. "Einige sind mit der Ausrichtung der SPD nicht einverstanden", äußerte er seine Wahrnehmung.

Klare Gewinner der Wahl sind die Grünen, die zwei Extramandate erzielen konnten. Auf kommunaler Ebene haben sie etwa mit der Durchsetzung ökologischer Baustandards punkten können, nennt die Fraktionsvorsitzende Annika Bruck einen Grund für den Wahlerfolg. Dabei hätten die Weyher Grünen "mit Abstand am wenigsten Papierkrieg gemacht", sagte sie mit Blick auf die nach ihren Angaben vergleichsweise wenigen Wahlplakate der Grünen. Nicht nur über das Wahlergebnis auf Gemeinde- wie auch auf Kreisebene zeigte sie sich erfreut, auch darüber, dass "wir uns verjüngen". So sei vom Wähler honoriert worden, dass die Grünen Malin Uhlhorn einen vorderen Platz auf der Liste gegeben hätten.

Für die CDU zeigt das Ergebnis, "dass der Wähler genau weiß, wen er wählen will", sagt der Fraktionsvorsitzende Dietrich Struthoff, der sich trotz des Verlusts von einem Mandat für die CDU positiv angesichts der Erfolge seiner Ehefrau Birgit Struthoff und des Kandidaten Frank Drewes zeigte. Beide seien von Platz neun und elf auf die vorderen Ränge gesprungen – allen voran Ingrid Söfty, die seit 20 Jahren als stellvertretende Bürgermeisterin, mit 30 Jahren Ratsarbeit und als Vorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes in Kirchweyhe eine gewisse Bekanntheit im Gemeindegebiet habe. Das Wahlergebnis selbst führt Struthoff auf die aktuell nicht allzu positive Prognose für die CDU auf Bundesebene zurück.

Als weniger bekannt, weil nicht in Vereinen aktiv und neu auf der Kandidatenliste, betrachtet sich Andreas Hinderks. Der FDP-Ortsvereinsvorsitzende schaffte es dennoch – bei dem Verlust eines Sitzes – mit zwei weiteren Parteikollegen in den Rat. Lediglich 0,5 Prozent hätten gefehlt, um den Sitz zu halten, "aber Demokratie ist so", sagte Hinderks, der auch feststellt, dass sich der Rat mit den neu gewählten Bewerbern breiter aufstelle. "Das macht es nicht einfacher", so Hinderks. In der Summe hätten die anderen Parteien darunter gelitten. Zudem seien der FDP mit Günther Borchers und Jürgen Wiechmann "zwei Zugpferde" weggebrochen.

Insgesamt hätten sich im neuen Rat die Mehrheitsverhältnisse durch die neuen Mitglieder verschoben, resümiert Berthold Groeneveld, Vorsitzender der Weyher SPD. Auch wenn die Sozialdemokraten in Weyhe die "mit Abstand noch stärkste Fraktion" im Rat bildeten, hätten sie keine absolute Mehrheit und nun auch noch zwei Sitze eingebüßt. Stimmenmäßig blieb der Platz-eins-Kandidat Jürgen Borchers weit vorne. Der habe "schon immer gute Ergebnisse geholt", denn "mindestens jeder Zweite kennt ihn", so Groeneveld. Grundsätzlich sei es "immer relativ schwer, sich vom Bundestrend zu lösen."

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