Weyher Unternehmen transportiert Yachten Blickfang auf dem Trailer

Manchmal sind es 18 Meter lange Jetboote, die als Fender für Megayachten von Ölscheichs dienen, die Ulrich Faltus befördert. Die Weyher Firma des 54-Jährigen hat sich auf derlei Transporte spezialisiert.
12.11.2019, 10:12
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulf Buschmann

Weyhe-Lahausen. Ulrich Faltus beschreibt einen großen Bogen mit seinem rechten Arm. Erst geht es nach Spanien, dann entlang der Mittelmeerküste weiter nach Kroatien. „Da bin ich drei Wochen unterwegs“, sagt Faltus. Kurz vor Weihnachten ist er zurück. So lange von seiner Familie und seinem Heimatort Weyhe getrennt zu sein macht dem 54-Jährigen nichts aus. Im Gegenteil, das was Faltus da tut, ist nicht nur ein schnöder Job, es ist Leidenschaft – er transportiert mit seinem kleinen Fuhrunternehmen vor allem Boote beziehungsweise Yachten. „Faltus & Bantje“ heißt sein Betrieb. Im Internet präsentiert sich Faltus optimiert für Suchmaschinen unter der Adresse www.yachttransporte.de.

Faltus weiß genau, was er zu tun hat. Unter anderem deshalb genießt er unter Bootseignern, Maklern und bei Werften quer durch Europa einen guten Ruf. Denn von seinem unscheinbaren Büro an der Alten Meierstraße in Lahausen koordiniert Faltus ein Geschäft, bei dem es um Millionenwerte geht. 18 Meter lange Jetboote, die als Fender für die Megayachten von Ölscheichs dienen, hat er genauso schon von Bremen ans Mittelmeer und in die andere Richtung transportiert, wie Yachten von Nord- nach Südeuropa.

Schräge Geschichten erlebt Faltus zuhauf. Doch darüber spricht er nicht. Denn auch Diskretion gehört zu seinem Service. Dafür erzählt Faltus umso lieber von seinen Erlebnissen, die er mit einem seiner bekanntesten Kunden erlebt: der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, DGzRS. Stolz zeigt Faltus Fotos vom Transport von „Onkel Willi“. Es ist das Tochterboot des 1990 in Dienst gestellten Seenotrettungskreuzers „Nis Randers“.

Eines der Highlights in Faltus‘ Karriere ist der Transport des Seenotrettungskreuzers „Paul Denker“ ins Bremer Focke-Museum im Jahr 2005. Zwar ist das 1967 bei der ehemaligen Schweers-Werft in Bardenfleth gebaute Schiff mit 17 Metern für einen Seenotkreuzer klein. Für den Straßenverkehr hingegen ist es eine Nummer größer, deshalb müssen für derartige Aufträge allerlei Sondergenehmigungen her. „Wir haben den Kreuzer bei Lürssen aus dem Wasser gehoben“, erinnert sich Faltus. Die knapp 15 Kilometer bis zum Focke-Museum wurden für den Spezialtransport wegen notwendiger Umwege zu mehr als 60 Kilometern – inklusive Sperrung der Bahnstrecke Bremen-Bremerhaven.

Obwohl diese Aufgabe für Ulrich Faltus Stress pur bedeutete, leuchten seine Augen noch immer, wenn er die mittlerweile 14 Jahre zurückliegende Geschichte Revue passieren lässt. Einmal mehr zeigt er die Leidenschaft für seinen Beruf. Gelernt hat Faltus Elektriker und anschließend Elektrotechnik in Bremen studiert. „Aber ich wollte immer Lkw fahren“, sagt er rückblickend, „damit habe ich mir in den Semesterferien Geld verdient.“ Hinzu kommt Faltus' Leidenschaft für Boote. Und da er über alle erforderlichen Zulassungen verfügt, skippert er für seine Auftraggeber deren Schätze auch schon mal ans Ziel – „wenn sie zu groß sind“, meint Faltus und schmunzelt dabei.

Angefangen hat der Boots- und Yachttransport eher durch Zufall und ganz klein. Das Segelboot, das einem Bekannten seines ehemaligen Geschäftspartners gehörte, sollte von Dänemark aus in die hiesigen Gefilde ins Winterlager gebracht werden. Der Partner ist inzwischen zwar aus der Firma ausgestiegen, aber der Name ist dank der Freundschaft zwischen beiden geblieben. Für Faltus ist es gut so, findet er. Heute macht Faltus rund eine halbe Million Euro Umsatz jährlich.

Etwas anderes zu machen, das kann er sich nicht mehr vorstellen. Dafür gibt es aus seiner Sicht gleich mehrere Gründe wie das „spezielle Transportgut“. Vor allem geht es dem Transportspezialisten um den Umgang. „Man wird pfleglicher behandelt“, weiß Faltus. Für die Eigner sei schließlich der Fahrer die Versicherung dafür, dass den jeweiligen Lieblingen auf dem Trailer nichts geschehe. Da gehe es in anderen Bereichen des Transportgewerbes ruppiger zu. „Egal was ist, der Fahrer ist immer schuld“, sagt Faltus.

Grund Nummer drei nennt er mit einem Augenzwinkern: „Man steuert ganz andere Ziele an. Es sind keine Industriegebiete, sondern Häfen.“ So gilt auch für Faltus‘ längst laufende Tour: „Man ist immer mit einem Eyecatcher unterwegs.“

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