Bremer Amateur Theater am Sudweyher Bahnhof

Norddeutsche Anekdoten und Seemannslieder unter freiem Himmel

Das Bremer Amateur Theater war unter freiem Himmel zu Gast am Sudweyher Bahnhof und hatte norddeutsche Geschichten und Seemannslieder im Gepäck.
12.09.2021, 15:59
Lesedauer: 2 Min
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Von Ilona Leberl
Norddeutsche Anekdoten und Seemannslieder unter freiem Himmel

Typisch norddeutsch ging es auf der Bühne am Sudweyher Bahnhof zu.

Vasil Dinev

Weyhe-Sudweyhe. Das Ensemble "BAT" (Bremer Amateur Theater Ensemble) hat am Sonnabend sozusagen Halt am Sudweyher Bahnhof gemacht. Im Gepäck hatte das Ensemble eine Auswahl an Geschichten und Anekdoten mit musikalischer Begleitung rund um das Thema „Bremen.Hafen.Meer.“. Entstanden ist die Gruppe 1992 im Bremer Westen aus der Zusammenlegung von zwei Schultheatergruppen. Auf ihrem Programm stehen Bühnenstücke aus dem klassischen und modernen Repertoire. Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich von Kleist und William Shakespeare, Anton Pawlowitsch Tschechov oder auch Jean Cocteau  bis bin zu Boulevardstücken werden gespielt.

Angereist waren die drei Vorleser Daniel Intemann, Oliver Rahe und Christian Böttcher mit dem Akkordeonspieler Joachim Ströh vom Bremer Shanty-Chor „Hard Backbord“. Im Garten des Sudweyher Bahnhofs nahm das Ensemble auf einer kleinen Bühne Platz. Im Vorgarten, eingerahmt vom Bahngleis auf der einen Seite sowie einem noch herrlich blühenden Blumenbeet auf der anderen Seite, saßen die Zuschauer. Publikumsgast Andrea Bierstedt aus Bremen meinte: „Wir wollen etwas Nettes Open-Air erleben. Außerdem kennen wir das BAT schon länger.“

„Quetschi“, so wird der Akkordeonspieler liebevoll genannt, spielte zu Beginn gleich einen eingehenden Seemannslied-Ohrwurm mit dem „Aloah-he-Refrain“, den die Zuschauer sofort mitsingen konnten. Daniel Intemann begann mit seiner amüsanten Geschichte von den Bremer Musikanten, bei der die Katze im „Katzen-Café“, der Hund in einem asiatischen Restaurant und der Esel als Amtsschimmel in Bremen ankommen. Abwechselnd lasen die Akteure ihre Geschichten, Anekdoten und literarischen Leckerbissen vor. Der Titel "Bremen.Hafen.Meer." erfüllte diese Erwartungen. Es gab Besinnliches zum Nachdenken aber auch sehr humoristische Geschichten. Die Stimme von Christian Böttcher beeindruckte dabei insbesondere.

Zwischen den Beiträgen spielte "Quetschi" mit seinem Akkordeon und animierte die Zuschauer zum Mitsingen: „Es trinken die Matrosen von allen Spirituosen am liebsten Rum“, stimmten die Zuschauer gleich fröhlich mit ein. Aus „Bremen beschwipst“ von Peter Meyer-Odewald las Oliver Rahe Anekdoten vom Bremer Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder vor, der mit seiner Bemerkung zum damaligen Werder-Trainer Otto Rehhagel: „Bleib auf deinem Hintern sitzen, sonst komme ich mit Pattex zur Bank“ bekannt wurde.

Auch erfuhr der Zuschauer Aufklärung über Legenden zum Bleikeller im Bremer Dom aus einem Artikel in „Die Welt“. Die jahrhundertelangen verwaisten Leichen führte man einst auf das Blei zurück. In Wahrheit war aber  nach heutiger Wissenschaft unter anderem die trockene Luft im Keller des Bremer Doms verantwortlich. Auch der Dachdecker, der angeblich vom Domdach gefallen war, stellt sich nach neuester Forschung als Soldat heraus, den man im Dreißigjährigen Krieg im Bleikeller begraben hatte. Er hatte eine Kugel im Rücken.

In einem anderen Beitrag wurde auch die Frage geklärt, was norddeutsch ist: „Für die Norddeutschen zählt alles südlich des Harzes zu Bayern und alles nördlich von Pinneberg zu Dänemark“, oder die Aussage, dass der norddeutsche Gruß „Moin“ sei, denn „Moin-moin“ sei schon Gesabbel.

Jeweils nach einem Vortrag sorgte "Quetschi" immer wieder mit bekannten Seemannsliedern für eine gelöste Stimmung unter den Gästen. Außerdem hatten Antje Kiel sowie andere Helfer vom Verein des Sudweyher Bahnhofs während der Vorträge den Zuschauern Gelegenheit gegeben, sich mit Getränken und kulinarischen Köstlichkeiten zu versorgen. 

Die geforderten Zugaben erfreuten die Zuschauer. Die „Story von Mary“ oder auch ein bekanntes englisches Lied, "The Leaving of Liverpool", erklangen. Ein Zuschauer stellte überzeugt fest, dass es Kultur vor Ort als Kleinod zum Genießen war. Mit den Melodien der Seemannslieder im Gepäck gingen die Zuschauer froh gestimmt nach Hause.

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