Interview mit Schauspieler Jelly Gaviria "Da bekommt man einen flauen Magen"

Der Leester Jelly Gaviria spielt in "Krieg der Träume" erstmals in einer großen internationalen TV-Produktion mit. Im Interview sprach er über seine Rolle – und verheißungsvolle kommende Filmprojekte.
07.09.2018, 16:45
Lesedauer: 4 Min
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Von Sebastian Kelm

Herr Gaviria, vom zwielichtigen Erben eines fleischlosen Restaurants in der Komödie „Los Veganeros 2“ zu einem Kapitänleutnant der Marine im internationalen Historien-Mehrteiler „Krieg der Träume“ – ein ziemlicher Sprung, oder?

Jelly Gaviria: Ja, absolut! Allerdings lebt ein Schauspieler ja von seiner Wandlungsfähigkeit. Insbesondere diese beiden Rollen, die sehr konträr zueinander sind, haben mir besondere Freude bereitet. Zwischen den Dreharbeiten liegen allerdings auch gut eineinhalb Jahre, sodass ich mich jeweils sehr gut vorbereiten konnte.

Wie genau sind Sie an die Rolle des Rittberger gekommen?

Es gibt verschiedene Portale, auf denen neue Produktionen bekannt gegeben werden. Hier haben Schauspieler die Möglichkeit, sich Projekte anzuschauen, die sie interessant finden. Dort fand ich das Projekt „Krieg der Träume“ und war sofort begeistert. Zunächst habe ich dann den Showrunner (genereller Verantwortlicher für die Produktion einer Fernsehserie, Anm. d. Red.) Jan Peter kontaktiert und lange nichts gehört. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Jan mich bereits für eine Rolle vorgesehen hatte. Nach Monaten hörte ich dann vom Casting-Büro aus Leipzig, die mich anfragten, ob ich im Drehzeitraum verfügbar wäre. Ich hatte Zeit und sagte sofort zu. Danach vergingen wieder viele nervenzerrende Wochen, bis eine Entscheidung und das Angebot der Rolle des Kapitänleutnant Rittberger kam.

Was hat Sie besonders dafür qualifiziert, diese Figur spielen zu dürfen?

Ehrlich gesagt, nichts! Die Autorität eines Offiziers aus den 1910er-Jahren war sehr schwierig zu verkörpern. Insbesondere der Umstand, nie beim Militär gewesen zu sein, hat nicht gerade geholfen. Die Körpersprache und die zackige Klangfarbe und Betonung war für mich enorm schwierig zu spielen. Ohne die wirklich intensive und perfekte Unterstützung des Regisseurs Jan Peter hätte ich die Rolle nicht besonders gut gespielt, fürchte ich.

Was ist Rittberger für ein Typ? Und wie groß ist seine Rolle angelegt?

Es ist eine durchgehende Nebenrolle in der ersten Folge. Rittberger ist Offizier eines Minensuchbootes, welches 1918 gemeutert wird. Rittberger glaubt seinerzeit, wie die meisten Offiziere, an einen positiven Ausgang des Ersten Weltkriegs für Deutschland. Dass Deutschland lange schon nicht mehr in der Lage ist, die Situation zu kontrollieren, scheint für Rittberger irrelevant.

Gibt es persönliche Gemeinsamkeiten?

Nein, ganz und gar nicht. Alleine schon wegen der unterschiedlichen Lebenszeit. Es ist sehr schwierig, sich in eine Figur hinein zu versetzen, die knapp 100 Jahre vor der eigenen Existenz gelebt hat. Wir alle kennen diese Zeit nur aus Geschichtsbüchern. Weiterhin fehlt mir die Autorität, die diese Person ausmacht. Wie gesagt, war ich selbst nicht beim Militär und habe im richtigen Leben immer wieder Probleme mit Autoritäten. Auch, wenn ich selbst autoritär sein soll.

„Los Veganeros 2“ hat nach eigenem Bekunden Ihre Einstellung zur Ernährung verändert. Haben die Arbeiten zu „Krieg der Träume“ auch Ihre Sicht auf die Geschichte beeinflusst?

Ja, absolut! Die vielen Gespräche am Set mit Fachleuten haben sehr viel gelehrt. Auch die Besuche der Drehorte, die teilweise wirklich eine historische Rolle spielen, waren unfassbar interessant. Wir haben beispielsweise in einem ehemaligen KZ in Belgien gedreht, was ein sehr einschüchternder Ort war. In verschiedenen Räumen hingen noch Hakenkreuze an der Wand. Und wenn man sich vor Augen führt, was dort damals passiert ist, bekommt man definitiv einen flauen Magen.

Wie sah der Alltag am Set aus? Wo wurde überall gedreht?

Ich kenne nicht genau alle Drehorte. Nach meinem Wissen war es in Deutschland unter anderem im Studio, in Belgien, Holland, Kanada und Frankreich. Für mein Empfinden war der Ablauf am Set äußerst professionell. Es arbeiteten Menschen aus aller Welt zusammen und die Hauptsprachen waren Englisch und Französisch. Es war ein relativ strammer Drehplan und ich hatte nicht das Gefühl, dass dieser nicht eingehalten wurde. Alle Mitarbeiter am Set waren zu jeder Zeit entspannt, freundlich und insbesondere familiär und herzlich.

Gab es besonders spannende Situationen oder vielleicht interessante Begegnungen mit anderen Schauspielern?

Ständig. Für mein persönliches Empfinden hatte ich das Glück, mit extrem guten Schauspielern zusammen arbeiten zu dürfen. Jan Krauter, Luc Feit und auch Joel Basman sind große Vorbilder für mich. Ich habe mir dort viel abgeguckt und umgesetzt. Wir haben nach Drehschluss alle noch lange zusammen gesessen, manchmal gefeiert, jedoch immer viel Spaß gehabt. Besondere Momente waren es, abends durch wildfremde Städte zu laufen und nach einem Restaurant oder Bar zu suchen, wo der Abend ausklingen kann. Wenn man völlig fremd in einer Stadt ist, kommt man in die verrücktesten Läden und Ecken.

Wie hat es sich angefühlt, an so einer großen Produktion mitzuwirken?

Sehr beeindruckend! Ich habe nun von der allerkleinsten bis zu sehr großen Produktionen alles gespielt. In diesem Fall empfand ich die Ruhe und Freundlichkeit am Set sehr herausstechend. Während bei vielen kleinen Produktionen jeder wichtiger ist als der andere, war es bei "Krieg der Träume" eher ein zurückhaltender Umgang auf Augenhöhe. Ich finde, dass Showrunner Jan Peter hier durch seine enorm freundliche und liebevoll Art das Set extrem entspannt umgesetzt hat.

Was kommt als nächstes? Gibt es schon neue Filmprojekte?

Es gibt diverse Projekte, die momentan im Gespräch sind. Es wird eine Verfilmung aus Hannover geben, in der Fritz Harmann, damaliger Serienmörder, eine Rolle spielt. Hier ist die Hauptrolle im Gespräch. Weiterhin freue ich mich extrem auf die Dreharbeiten zu der zweiten Staffel "Deichbullen", welche im kommenden Jahr beginnen.

Das Interview führte Sebastian Kelm.

Info

Zur Person

Jelly Francis Gaviria

ist hauptberuflich Schauspieler und Fotograf. Der gebürtige Hannoveraner lebt in Leeste. Im Kinofilm "Los Veganeros 2" spielte er bereits eine Hauptrolle, aktuell ist der 45-Jährige in der TV-Produktion "Krieg der Träume" als Nebendarsteller zu sehen. Mehr über ihn online auf www.jellygaviria.de.

Info

Zur Sache

"Krieg der Träume"

Nach "14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs" produzierten Looksfilm und Les Films d'Ici für Arte und die ARD die zweite Staffel der Fernsehserie über den Weg Europas im 20. Jahrhundert. Beteiligt waren auch andere internationale Partner. Unter dem Titel "Krieg der Träume" handelt der Achtteiler von Jan Peter und Gunnar Dedio von der Zeit zwischen Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939. Erste Sendetermine sind: Dienstag, 11. September, 20.15 Uhr auf Arte; Montag, 17. September, 22.45 Uhr auf Das Erste; Dienstag, 18. September, 22.45 Uhr auf Das Erste; Montag, 24. September, 22.45 Uhr auf Das Erste.

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