Haus der Krippenkinder erhält "Sun Pass" Dem Sonnenbrand keine Chance geben

Sonnenbrände schädigen die Haut nachhaltig – und erhöhen das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Das Haus der Krippenkinder in Weyhe hat sich daher nun an einem Sonnenschutz-Projekt beteiligt.
05.08.2021, 16:56
Lesedauer: 4 Min
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Dem Sonnenbrand keine Chance geben
Von Alexandra Penth

Weyhe-Kirchweyhe. Jonthe stürmt auf die gelbe Kiste zu, kramt darin und schmettert kurz darauf einen Wasserball über das Außengelände des Hauses der Krippenkinder. Die Kiste ist dem Dreijährigen wie auch den anderen Kindern der Kirchweyher Einrichtung inzwischen bestens bekannt. Jede der fünf Gruppen hat ein eigenes Exemplar, in dem diverse Gegenstände zu finden sind, die mit Sommer und Sonne zu tun haben. Muscheln sind das zum Beispiel, ein Glas mit Sand, ein Flip-Flop, Sonnenhüte und -brillen. Die sogenannte Sonnenschutzbox ist ein Grund, warum das Haus der Krippenkinder vor Kurzem die Auszeichnung zur "Sonnenschutzaktiven Kita" erhalten hat und sich nun "Sun-Pass-Kita 2021/2022" nennen darf.

Die Krippe hat nämlich an dem bundesweiten Präventionsprojekt "Sun Pass" teilgenommen, das die europäische Hautkrebsstiftung entwickelt hat. In Niedersachsen setzt die niedersächsische Krebsgesellschaft die Kampagne gemeinsam mit der IKK Classic um. 2021 haben sich nach Angaben der Gemeinde Weyhe in Niedersachsen insgesamt 60 Kitas zum Thema Sonnenschutz engagiert. "Ich hatte durch Zufall in der Zeitung davon gelesen", erklärt Krippenleiterin Andrea Niemann, wie es zu der Idee kam. "Es war eine Gelegenheit, trotz Corona-Pandemie Spaß zu haben und Kinder im Kleinkindalter und ihre Eltern für das Thema zu sensibilisieren", sagt Niemann. Per Online-Begehung mit Fachkräften der IKK Classic erfolgte zunächst eine Bestandsaufnahme: Wie präsent ist das Thema Sonnenschutz bisher in der Einrichtung und wo gibt es noch Verbesserungsbedarf? "Wir hatten eine Checkliste zur Hand", berichtet Anna Walther, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Maite Kleeberg zur Sonnenschutzbeauftragten des Hauses der Krippenkinder ernannt worden war. Auf der Checkliste stand zum Beispiel der Kauf von vier zusätzlichen Sonnenschirmen und zwei Faltpavillons, um auf dem Außengelände überall für Schatten zu sorgen.

Die Sonnenschutzbeauftragten absolvierten eine Online-Schulung mit einer Hautärztin, auch Eltern waren von einer Expertin informiert worden. Außerdem hat jede Gruppe über die vier Monate Projektlaufzeit ein Sonnen-Fenster gestaltet, mit dem sie Eltern über geplante Aktivitäten und den aktuellen UV-Index informieren. Das Thema Sonnenschutz habe auch vorher schon eine große Rolle im Krippenalltag gespielt, sagt Niemann: "Wir kaufen seit Jahren schon hochwertige Sonnencreme für unsere Kinder." Zu Hause wird fleißig eingecremt, in der Einrichtung dann nachgecremt. Darauf sei während des im April gestarteten Projektes noch einmal besonders geachtet worden, sagt Niemann. Um zu sehen, was die Sonnenstrahlen der Haut antun können, hatten die Erzieher Spielenten in die Sonne gestellt. Eine war eingecremt, die andere ohne Sonnenschutz verfärbte sich rot. 

In diesem Jahr hat das Haus der Krippenkinder als einzige Betreuungseinrichtung der Gemeinde Weyhe den "Sun Pass" erhalten. Die Kita Am Neddernfeld hatte jedoch bereits im vergangenen Jahr an dem Projekt teilgenommen. Ziel ist es laut Inga Bleeker, Teamkoordinatorin Kinder- und Familienservicebüro bei der Gemeinde, die übrigen Kitas nun vorerst mit zusätzlichen Sonnenschirmen und Faltpavillons auszustatten. Perspektivisch sollen diese aber durch permanente Lösungen wie beispielsweise Sonnensegel ersetzt werden.

Die Zertifizierung ist für dieses Jahr abgeschlossen, Andrea Niemann möchte die Zusammenarbeit aber wiederholen. "Schließlich kommen ja auch immer wieder neue Kinder", sagt sie. Grundsätzlich sei das Projekt eher für Kindergartenkinder gedacht, doch: "Man kann nicht früh genug damit anfangen, für das Thema zu sensibilisieren", sagt Niemann. 

"Die Kinder haben toll mitgearbeitet", lautet das Fazit der Sonnenschutzbeauftragten Maite Kleeberg. Das intensive Eincremen mit Sonnencreme sei mit der Zeit zum Selbstläufer geworden. "Da wurden dann auch die Erwachsenen gefragt, ob sie sich schon eingecremt hätten", sagt Kleeberg. Das Aufsetzen von Kopfbedeckungen mit Nackenschutz, die vom Projektpartner zur Verfügung gestellt worden waren, und die Regel, sich möglichst nicht der prallen Mittagssonne auszusetzen seien ebenfalls verinnerlicht worden. Das bestätigt auch Anna Knie, die Mutter des dreijährigen Jonthe: "Früher hat er seine Schirmmütze immer falsch herum aufgesetzt, weil er das cool fand. Jetzt setzt er sie immer von selbst richtig auf." 

Interessierte Kitas können sich ab sofort für die Sun-Pass-Teilnahme im nächsten Jahr unter service@nds-krebsgesellschaft.de bewerben. Informationen zur Präventionskampagne „SunPass – Gesunder Sonnenspaß für Kinder“ in Niedersachsen finden Interessierte unter www.nds-krebsgesellschaft.de/sunpass.html.

Zur Sache

Darum ist Sonnenschutz so wichtig

Die Haut von Kindern ist dünner und empfindlicher als die von Erwachsenen. Die hauteigene UV-Schutzbarriere entwickelt sich primär ab dem zweiten Lebensjahr und ist erst im Teenageralter vollständig abgeschlossen. "Deswegen haben Kinder eine sehr kurze Eigenschutzzeit vor UV-Strahlung von nur fünf bis zehn Minuten", informiert die Gemeinde Weyhe.

Auch die Schädigung der Haut durch Sonnenbrand ist bei Kindern noch gefährlicher als bei Erwachsenen. Die empfindlichen Stammzellen liegen bei Kindern viel dichter unter der Hautoberfläche und werden bei jedem Sonnenbrand geschädigt. Durch das Wachstum der Haut kommt es zur permanenten Teilung eben dieser geschädigten Zellen. "Dadurch erhöht sich das Risiko, später im Leben an Hautkrebs zu erkranken", heißt es weiter.

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