Angebot der Diakonie Himmelsthür Mehr Personal und Bewohner für Kirchweyher Wohnanlage

Fast ein Jahr ist es her, dass die ersten Bewohner ihr neues Zuhause in Kirchweyhe bezogen. Das ambulante Angebot der Diakonie Himmelsthür hat außerdem seit Kurzem eine neue Leiterin.
12.07.2021, 17:45
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Personal und Bewohner für Kirchweyher Wohnanlage
Von Maike Plaggenborg

Weyhe-Kirchweyhe. Einer der Bewohner legt einen Arm um die Schultern von Kerstin Scheffler, als sie sich draußen auf der Terrasse neben ihn hockt, um zu plaudern. Ein anderer – es ist Jannek Geeschen – sagt, sie sei "eine ganz tolle Chefin". Und auch der 20-Jährige kennt die Delmenhorsterin erst seit Juni. Seitdem ist sie auf ihrem noch frischen Posten als Leiterin des inklusiven Wohnangebots der Diakonie Himmelsthür in Kirchweyhe. Das wiederum besteht im August bereits seit einem Jahr.

Während die anderen, gerade frisch von der Arbeit nach Hause gekommen, sich noch am Gartentisch unterhalten, begutachtet Geeschen das gemeinsame Gemüsebeet, in das er viel Zeit investiert. Das gepflanzte Areal ist noch eines der jüngsten Neuerungen in der Wohnanlage für Menschen mit einer geistigen Behinderung, die in acht Single-Apartments, aber auch in vier Wohngemeinschaften (WG) leben. Zum Garten gehört auch ein noch junges Gartenhäuschen, das die Himmelsthür-Bewohner lieber als Partyhütte statt als Abstellraum für Gartenutensilien nutzen möchten, scherzt die Runde am Tisch.

Noch sieht alles "etwas zusammengesucht" aus, stellt Scheffler fest. Ein Gartenkonzept solle her, meint sie. Bis es soweit ist, wachsen weiterhin Zucchini, Radieschen oder auch Salate im Beet. "Ich würde gerne Spargel anbauen", meint Geeschen. Aber das sei zu aufwendig, verwirft er seine Idee schnell. Und auch das Rasenmähen fällt in den heimischen Gefilden weg, denn die Arbeit erledigt der Mähroboter mit Namen "Kai-Uwe", wie Scheffler erklärt.

Nicht wie von selbst macht sich dagegen die Büroarbeit. Seit die 48-Jährige dort die Leitung innehat, arbeitet sie mehr am Schreibtisch. Die Arbeit am Menschen fehle ihr manchmal, sagt sie, "aber dann stehe ich auf und gehe in eine der Wohngemeinschaften". "Und ich muss mehr Sport machen", stellt sie lachend fest, weil sie nun mehr sitzt. Schefflers Weg in den pädagogischen Bereich führte über Umwege dorthin. Die 48-Jährige war im ersten Beruf Industriekauffrau und arbeitete fünf Jahre in dem Job. Durch die Behinderung ihres eigenen Kindes schwenkte sie um. Als ihr Sohn Frühförderung bekam, wechselte sie zur Büroarbeit dort. Dann gründete sie eine Selbsthilfegruppe für Eltern mit Kindern mit Behinderung und wurde schließlich Heilerziehungspflegerin. Zuletzt war Scheffler, die verheiratet ist und zwei Kinder insgesamt hat, als qualifizierte Mitarbeiterin in der Assistenz im Wohnbereich in Harpstedt, ebenfalls bei der Diakonie Himmelsthür, tätig.

Dort allerdings im stationären Wohnen. Das Konzept jetzt ist ein ambulantes. Wer Pflege braucht, bekommt sie durch einen externen, frei wählbaren Pflegedienst – je nach Bedarf. Die Bewohner, Scheffler nennt sie Kunden, kaufen die Leistungen, die sie benötigen, selbst ein. Dazu gehören auch die von Barrierehelfern und Fachleistern. Erstere unterstützen als Begleiter am Tag und in der Nacht, helfen beispielsweise beim Frühstück, dabei die Umgebung kennenzulernen. Sie können beispielsweise Quereinsteiger sein. Fachleister dagegen arbeiten pädagogisch und nach individuellem Bedarf. "Jeder Kunde hat hier sechs Fachleistungsstunden pro Woche", sagt Afra Künzel, stellvertretende Geschäftsführerin der Region Niedersachsen Nord bei der Diakonie Himmelsthür. Eben jene Eins-zu-eins-Arbeit am Kunden ist das, "was mich wirklich begeistert hat", sagt Scheffler. Es sei toll, die Erfolge dabei zu sehen.

Aktuell gebe es noch freie Plätze in den unteren beiden Etagen. Zwei Sechser-WGs sind besetzt, in einer Siebener-WG ist noch Platz und eine Vierer-WG ist noch leer. Allerdings gebe es dort eine Warteliste. "Wir wollten keinen alleine einziehen lassen", so Scheffler. Letztlich aber hapert es auch am Personal, wie sie sagt. "Ich kann keine Kunden einziehen lassen, wenn ich kein Personal habe." Neben Scheffler arbeiten aktuell 13 Barrierehelfer in der Wohnanlage sowie fünf Fachleister, von denen sich die Leiterin noch vier weitere wünschen würde. Ein festes Mitarbeiterteam ist das, was zu ihren Zielen zählt, ebenso das Haus voll zu belegen sowie Kundenzufriedenheit. "Ich bin glücklich, wenn die Kunden zufrieden sind", sagt sie und so scheint es zu sein. "Kerstin, wenn du noch was brauchst – sag' Bescheid", wirft Geeschen noch ein, als er sich wieder zu den anderen setzt. Eine Feier zum einjährigen Bestehen gemeinsam mit Nachbarn ist für den 2. September geplant.

Zur Sache

Die Wohnanlage

Im März 2019 war der Bau des Wohnprojekts der Diakonie Himmelsthür in Zusammenarbeit mit den Investorenbrüdern Philipp und Peter Hellmers gestartet. Die ersten Bewohner zogen im August 2020 ein. Voraussetzung für den Einzug der Wohngemeinschaften und Single-Appartments ist eine geistige Beeinträchtigung. Die Wohnungen im oberen Geschoss des Hauses wurden auf dem freien Markt vermietet beziehungsweise verkauft.

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