Dreye-West III

Diskussionen um das Gewerbegebiet

Der Weyher Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt hat sich am Dienstagabend mit der Erweiterung des Gewerbegebietes Dreye-West III beschäftigt – und intensiv darüber diskutiert.
13.02.2019, 18:16
Lesedauer: 4 Min
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Von Stephen Kraut
Diskussionen um das Gewerbegebiet

Diese noch unbebauten Flächen sorgten für umfangreiche Diskussionen im Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt.

Janina Rahn

Weyhe. Schon im Vorfeld wurde kontrovers über die Erweiterung des Gewerbegebietes Dreye-West III diskutiert. Dies setzte sich auch bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bau, Planung und Umwelt am Dienstagabend im Weyher Rathaus fort, als Ulrike Schneider vom Planungsbüro P3 den aktuellen Stand erläuterte. Neben den Ausschussmitgliedern waren auch zahlreiche Zuhörer aus Weyhe und Bremen bei der Sitzung erschienen.

„Wir haben alle durchaus gemischte Gefühle“, erklärte Steffen Nadrowski, Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung und Umwelt in Weyhe, vorab mit Blick auf die geplante Erweiterung. „Man muss der Gemeinde jedoch zugute halten, dass sie in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich viel in den Naturschutz investiert hat“, fügte er hinzu und nannte als Beispiele unter anderem die Aufwertung des Mühlenkamp-Geländes, die Entschlammung des Böttchers Moor und die Fassung einer sogenannten Baumschutzsatzung. „Eine Gemeinde entwickelt sich aber nicht nur aus Naturschutz und Landschaftsentwicklung“, sagte Nadrowski. Und gerade für Dreye gebe es vonseiten der Wirtschaft eine Fülle an „Nachfragen, die wir seit Langem nicht mehr befriedigen können“, berichtete der Fachbereichsleiter. Mit Blick auf die Gewerbesteuern, aber auch auf die Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, sei der nun geplante Schritt daher erforderlich. „Wir schaffen zudem Ausgleichsflächen“, erinnerte er.

Das berichtete dann auch Schneider. So sind für das angedachte rund 15,8 Hektar große Areal etwa 11,5 Hektar Ersatzflächen „in unmittelbarer Nähe“ geplant, erklärte sie. Flächen weiter westlich des Gewerbegebietes sollen entsprechend entwickelt werden. „Aus Acker- wird vernässtes Grünland“, betonte sie. Bezüglich der vom Naturschutzbund (Nabu) Weyhe vorgebrachten Kritik, man bedrohe den Lebensraum vieler bedrohter Vogelarten, habe man zudem mit dem Landkreis gesprochen und sei zu dem Ergebnis gekommen, „dass wir nicht erkennen können, dass heute Verbotstatbestände erfüllt werden“, informierte Schneider. Das bedeute, dass keine Tiere getötet oder eine Population gefährdet wird.

Schneider informierte weiterhin darüber, dass der nordwestliche Teil der geplanten Erweiterung mit Blick auf den Lärmschutz zunächst nicht weiter beachtet werden soll. „Der Landkreis möchte da eine gesonderte Behandlung“, erklärte Schneider. Ein Fachgutachten müsse her, darauf wollen die Verantwortlichen zunächst verzichten. Das fragliche Gebiet ist nur 85 Meter von der Fahrenhorster Straße in Bremen entfernt. Die Besucher der Hansestadt begrüßten diese Entscheidung dann auch. „Schon jetzt gibt es vor allem nachts häufig Störungen durch Lärm“, berichtete ein Anwohner.

Weniger Verständnis gab es dann für die landschaftlichen Konsequenzen des Vorhabens. Schneider erklärte, dass das Areal aus ökologischer Sicht durchaus hochwertig sei („Wert-Faktor vier“), bei der Bürgerversammlung hätten Jäger ihr jedoch berichtet, dass die Wertigkeit der Fläche aufgrund der bereits dort vorhandenen gewerblichen Nutzung zurückgegangen sei. „Da sind die Meinungen etwas konträr“, so Schneider zu den Argumenten des Nabu. „Ich habe die Jäger deutlich anders verstanden“, betonte Annika Bruck (Grüne).

Weiter drückte die Politikerin ihre Sorge um die künftige Entwicklung aus. „Es sind Ausgleichsflächen, in die wir bauen. Wer sagt, dass das mit den neu ausgewiesenen Flächen nicht auch geschieht?“, fragte sie. Denn das nun für die Erweiterung vorgesehene Areal war bislang als Kompensationsfläche für das bestehende Gewerbegebiet gedacht. Bruck betonte: „Wir reden immer über Verlässlichkeit.“ Auch merkte sie an, dass die Nähe zur Ochtum auch Auswirkungen auf die dort lebenden und brütenden Vögel und andere Tiere haben werde, auch wenn das Areal selbst nicht unmittelbar betroffen sei. „Bei 85 Meter Entfernung sagen wir, dass die Lärmbelästigung zu groß ist, aber bei 50 Metern soll es keine Auswirkungen haben“, zog sie einen Vergleich zu dem zunächst verworfenen nordwestlichen Abschnitt, wobei Bruck in Richtung der anwesenden Bremer ergänzte: „Ich verstehe Sie da vollkommen!“ Kritik äußerte sie zudem an Nadrowskis Hervorhebung der ökologischen Arbeiten in Weyhe: „Wir kommen um die ökologischen Aspekte gar nicht herum, das steht so im Gesetzbuch“, erklärte sie mit Blick auf die notwendige Schaffung von Ausgleichsflächen für Bauprojekte. Fachbereichsleiter Nadrowski konterte: „Ich habe bewusst nur die Projekte herausgesucht, die nicht als Ausgleichsflächen gedacht sind. Das sind tatsächlich zwei verschiedene Paar Schuhe.“

Gleichzeitig versuchte der Fachbereichsleiter, Bruck hinsichtlich des weiteren Ausbaus des Gewerbegebietes zu beruhigen: „Wir sehen da aus fachlicher Sicht nur noch wenig Spielraum“, argumentierte er abseits von ökologischen Aspekten. Die Infrastruktur sei schon jetzt „mehr als an die Grenzen“ gekommen. „Das Ganze ist nicht beliebig erweiterbar.“

Im weiteren Verlauf diskutierten vor allem Annika Bruck, Ulrike Schneider und Bernd Daneke vom Nabu über die dort befindliche – oder eben nicht befindliche – Artenvielfalt und inwieweit die Population an Tieren dort doch gestört wird. Ingrid Söfty (CDU) begrüßte hingegen die Schaffung der Ersatzflächen in unmittelbarer Nähe, und auch die Größe freute die Christdemokratin. Ähnlich sah es Jürgen Borchers (SPD). Antje Sengstake (FDP) sprach von „Bauchschmerzen“ in Verbindung mit der Erweiterung und fragte, ob es schon Interessenten für die Flächen gebe. Matthias Lindhorst, Leiter des Fachbereichs Zentrale Dienste, stellte sich den Anwesenden schmunzelnd mit den Worten vor: „Ich bin wahrscheinlich der beliebteste Mann des Abends.“ Denn sein Fachbereich habe die Erweiterung vorangetrieben. Zur Frage konnte er sagen: „Wir sind in Gesprächen“, vor allem hätten bestehende Betriebe aber ihre Erweiterungsabsicht erklärt. „Vielleicht bekommen wir ein bis zwei zusätzliche Betriebe auf das Gelände“, sagte er.

Torsten Kobelt (Die Partei) fragte daran anknüpfend, ob schon klar sei, welches Unternehmen sich in unmittelbarer Nähe zur Ochtum ansiedeln möchte, zum Schutze des Wassers könne das schließlich relevant sein. „Am weitesten fortgeschritten sind die Gespräche mit einem großen Speditions- und Logistikunternehmen“, informierte Lindhorst. Bruck regte in diesem Zusammenhang an, ob nicht festgelegt werden könne, dass keine gesundheitsgefährdenden Stoffe auf diesem Gelände gelagert werden dürfen. Damit erklärten sich alle Ausschussmitglieder, die Verwaltung und Schneider einverstanden, sodass eine entsprechende Notiz erfolgte.

Schließlich stimmten alle Ausschussmitglieder mit Ausnahme der Grünen für die Empfehlung, das Gewerbegebiet entsprechend zu erweitern. Sengstake fügte hinzu: „Wir haben kein gutes Gefühl dabei und tun das nur, weil wir auf die Gewerbesteuer angewiesen sind. Künftig müssen wir uns das besser überlegen.“

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