Ex-Leesterin arbeitet an einer Klima-Doku

In der Rolle ihres Lebens angekommen

Die in Leeste aufgewachsene Schauspielerin Simona Theoharova arbeitet aktuell an einer Klima-Dokumentation mit dem Titel Triple-F. Darin kommt auch der Leester Polarforscher Tore Hattermann zu Wort.
26.05.2020, 19:08
Lesedauer: 3 Min
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Von Maike Plaggenborg
In der Rolle ihres Lebens angekommen

Simona Theoharova kommt durch viele verschiedene Projekte immer wieder an neue Ziele. Aktuell produziert die Schauspielerin eine Dokumentation, in der es um Klimaproteste, speziell bei jungen Leuten, geht.

Michael Braunschädel

Weyhe-Leeste/Berlin. Seit sie 18 Jahre alt war, lebt Simona Theoharova schon nicht mehr in Leeste, die Verbindungen aber sind noch da. Zu früheren Freunden zum Beispiel oder auch zu Tore Hattermann, der ebenso wie die 33-Jährige sein Abitur an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Leeste gemacht hat. Aktuell arbeiten die Schauspielerin, die inzwischen in Berlin lebt, und der Polarforscher, der das norwegische Tromso sein Zuhause nennt, gemeinsam an einem Klimafilm, mit dem Theoharova Großes vorhat.

Sie sitzen überall auf der Welt und machen mit beim großen Klimafilm Triple-F. „Der Film muss auch grün gedreht werden“, sagt sie. So entsteht das Machwerk eben nicht auf direktem Weg: kein festes Kamerateam, keine Flüge nach überall. Die Dokumentation entsteht über ein internationales Netzwerk. Theoharovas Netzwerk, das sie in den vergangenen Jahren durch die gemeinsame Arbeit in Projekten oder auch auf Filmfestivals – beispielsweise in Cannes oder bei der Berlinale – gesponnen hat. Macher wie Interviewpartner, allesamt Aktivisten, wurden vor Ort rekrutiert. Alles ist bereits im Kasten. Aktuell befindet sich der Film im Schnitt und die frühere Leesterin hofft, dass er im Spätsommer oder Herbst laufen kann. Was zunächst als Kinofilm geplant war, könnte nun ein Fünfteiler mit jeweils 45 Minuten werden. Weil aber derzeit coronabedingt keine Filmfestivals stattfinden, wird es wohl auf einen anderen Kanal hinauslaufen, wie Theoharova sagt. „Wir sind mit mehreren Sendern und Plattformen im Gespräch.“ Öffentlich-rechtliche Partner kommen da in Betracht, aber auch der National Geographic Channel beispielsweise.

Etwa 50 Menschen aus sechs Kontinenten kommen im Film zu Wort, darunter Einzelpersonen, Wissenschaftler und organisierte Aktivisten aus Gruppen wie Fridays for future, Extinction rebellion, 350.org, Scientists for future oder auch Entrepreneurs for future. Eine „bunte Mische“, sagt Theoharova. Und einer von ihnen ist eben der frühere Schulkollege Tore Hattermann, der aktuell als Polarforscher in Norwegen tätig ist. Thema des Films ist der „Spirit von Jugendbewegungen“, von jungen Menschen, die ihre freie Zeit nicht für Dates und Partys nutzen, sondern für ihre umweltpolitische Arbeit. Man spüre die „jugendliche Naivität und absolute Weisheit“, sagt die 33-Jährige, die Ideengeberin, Produzentin und Regisseurin des Projekts ist, das sie letztlich ganz klar als Team-Arbeit sieht.

„Durch jede neue Person im Team gibt es neue Inspiration“, sagt sie. Und die nimmt sie überall auf, wo sie sich bietet. „Die Sachen kommen zu einem. Das, was dich entflammt, kommt zu dir.“ Schon in ihrer bulgarischen Heimat hat sie mit ihren Cousins Theater gespielt, später – mit sieben Jahren kam sie von Sofia nach Leeste – ist sie in der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Leeste mit der Schauspielerei in Kontakt gekommen. Mit der Musical-AG und dem Kurs darstellendes Spiel ging es dort weiter. Nach dem Abi wurde sie nach einem Casting im Kulturzentrum Schlachthof in Bremen Teil eines Ensembles, mit dem sie mit einem sozialkritischen Stück rund um eine Wohngemeinschaft von Jugendlichen eine kleine Tournee machte. Kunst, Musik, textiles Gestalten, Werken und die Mischung der Schulformen an der KGS empfand sie als sehr bereichernd, und das hat wohl zu dem geführt, was heute noch Gegenwart für sie ist: „Ich verbringe dreiviertel meines Lebens kreativ.“

Theoharova ist seitdem nicht nur als Schauspielerin unterwegs, als die sie unter anderem in einer Charlotte-Link-Verfilmung in der ARD zu sehen war und bald auch in einer Episode der ZDF-Serie Notruf Hafenkante. Als nächstes steht, so es die Pandemie-Bedingungen zulassen, der erste Drehtag für die Serie The Unseen an, die danach in einem Streaming-Dienst verfügbar sein soll. Und sie schreibt selbst: eine Sonnabendabend-Show und eine Serie warten derzeit noch auf Abnehmer. Ebenso gehört Improvisations-Theater zu einem großen Teil zu ihrem Leben. All das allerdings nicht in Corona-Zeiten. Im Wortsinn bezahlt macht sich deshalb, dass sie in der Vergangenheit ein Psychologie-Studium in Münster eingeschoben hat. Sie unterrichtet neben dem sonst üblichen kreativen Teil angehende Altenpfleger, zurzeit online, ebenso Studierende an der Technischen Universität in Berlin. „Das hat mich wirklich gerettet.“

Demnächst steht zudem eine Fortbildung für pädagogische Mitarbeiter an der Volkshochschule Delmenhorst an. Der Talentcampus mit Geflüchteten, wo es um Deutsch, IT, Tanz und Theater geht, muss wegen des verbreiteten Virus nach sechs Jahren Regelmäßigkeit ausfallen. Tanzen, das sie noch dazu unterrichtet (Musical, Hip-Hop, Jazz) gehört zu ihrem Ausdruck wie auch Musik. Seit ein paar Jahren spielt sie Harfe und findet das „total meditativ“ und auch das Kontrabassspielen möchte sie mal ausprobieren. Und in das Testrepertoire gehört außerdem Fechten, Bogenschießen und Rollschuhfahren. Wie gesagt: „Die Sachen kommen zu einem. Das, was dich entflammt, kommt zu dir.“ Und Theoharova ist eine, die eben genau dann auch zugreift.

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