Entwurf für Kultur- und Bildungszentrum

Ein „Hammerteil“ für Leeste

Der Gewinnerentwurf für das neue Kultur- und Bildungszentrum in Leeste ist am Dienstag öffentlich vorgestellt worden. Das Konzept wurde begeistert aufgenommen – weitgehend jedenfalls.
05.09.2018, 17:53
Lesedauer: 3 Min
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Ein „Hammerteil“ für Leeste
Von Sebastian Kelm
Ein „Hammerteil“ für Leeste

So soll das KBL laut dem Wettbewerbssieger aus Hannover einmal aussehen – vom Henry-Wetjen-Platz aus betrachtet.

Fotos: Sebastian Kelm

Weyhe. Das nächste Großprojekt findet breite Zustimmung: Einstimmig hat sich die Auswahljury beim neuen Kultur- und Bildungszentrum Leeste, kurz KBL, am Ende des eigens dafür abgehaltenen Architekturwettbewerbs auf den Entwurf des Büros Hübotter + Stürken + Dimitrova aus Hannover entschieden (wir berichteten). So deutlich, dass es nach ihnen zwar noch zwei weitere mit Geld für ihre Ideen prämierte Preisträger gab, aber diese auf den Plätzen zwei und vier landeten. Der dritte Rang wurde ausgelassen – um den deutlichen Abstand zu verdeutlichen, wie der zuständige Gemeinde-Stadtplaner Christian Silberhorn am Rande der Sitzung des Ausschusses für Bau, Planung und Umwelt erklärte. Zuvor war im Rathaus auch eine Ausstellung mit den eingegangenen Konzepten für den Komplex aus Gemeindebibliothek, Volkshochschule (VHS) und öffentlichem Café eröffnet worden. Dabei gab es durchaus kritische Töne, die Politik war indes voll des Lobes. Weitgehend.

SPD-Chef Frank Seidel, der selbst in der Jury gesessen hatte, nannte das Konzept für ein Gebäudeensemble aus drei Körpern mit verbindendem Foyer dazwischen ein „Hammerteil“. Er weiter: „Da kann jeder durch den Landkreis fahren und gucken, wo es so was sonst gibt. Man wird nichts finden.“ Ingrid Söfty von der CDU musste ihm da beipflichten. Es gebe aus der Region schon viele „neidische Blicke“ wegen des Rettungszentrums in Angelse – und nun sicher auch wegen dieses Vorhabens.

Als Kirchweyherin müsse sie natürlich darauf bestehen, dass der Marktplatz in ihrem Gemeindeteil bleibt und der Henry-Wetjen-Platz diesem keine Konkurrenz macht, so die Christdemokratin augenzwinkernd. Aus Sicht einer Leesterin sprach Grünen-Fraktionssprecherin Annika Bruck von einem „Riesengewinn“ für den Ort. Nicht vollends überzeugt war derweil Antje Sengstake, Lahauserin und Liberale. „Das kann ein toller Bau werden“, so die FDP-Chefin. Aber vor allem die grau-beige Farbgebung entspreche nicht so recht ihrem Geschmack, sie bevorzuge es „norddeutsch“ mit rotem Klinker.

Verzögerung am Henry-Wetjen-Platz

Sozialdemokrat Seidel gab zu bedenken, man bekomme das KBL „für einen Preis, der hoch ist, aber hoch gefördert wird“. Denn bekanntlich gibt es eine Zusage über drei Millionen Euro aus dem „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“. Damit decken Bund und Land die Gesamtkosten für Bibliothek, Café, Computerraum und öffentlicher Toilette zu 90 Prozent ab. Diese Teile sollen laut Silberhorn ab Ende 2019 entstehen. Allerdings verriet er auf Nachfrage auch, dass es beim übrigen Henry-Wetjen-Platz zu Verzögerungen kommt. Der Grund: Der Grundwasserspiegel liegt höher als angenommen, was eine Neuplanung erforderlich gemacht habe.

Es folgt beim KBL der Bereich für die VHS – für den es hingegen noch keine Fördermittel gibt. Noch nicht, betonte Bürgermeister Andreas Bovenschulte – verbunden mit der Hoffnung auf den Erfolg entsprechender Anträge. Er bekräftigte aber jüngst: „Die VHS wird sich an den nicht gedeckten Kosten beteiligen.“ Christian Silberhorn deutete zudem an, die Gemeinde spekuliere auf ähnliche Gelder, um auch die Alte Wache perspektivisch sanieren zu können.

Bovenschulte zeigte sich noch einmal begeistert von der funktionierenden Verbindung von Alt und Neu, dem Erhalt des „Bauernhaus-Looks“ durch die Einbindung des alten Pickenhan-Giebels. Für besonders gelungen hielt auch er die schräg gestellten Fensteröffnungen mit Blickrichtung Marienkirche – nach Ansicht Silberhorns das wichtigste Gebäude am Platze. Allgemein frohlockte der Verwaltungschef: „Für eine Gemeinde unserer Größe ist so etwas nicht selbstverständlich. Und Leeste hat in seiner Geschichte nichts Vergleichbares gesehen.“

Doch diese Begeisterung teilten nicht alle. Kerstin Daneke, Mitglied im Vorstand von Leselust, dem Förderverein der Gemeindebibliothek also, störte sich daran, dass die Bücherei eine zentrale Einrichtung werden soll. Sie sah den Standort in Kirchweyhe dadurch mittelfristig in Gefahr. Und: „Als Bibliothek für ganz Weyhe ist der Körper zu klein. Sogar für Leeste wäre er unterdimensioniert.“

895 Quadratmeter Bruttofläche

Steffen Nadrowski, Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung und Umwelt, hielt dagegen. 895 Quadratmeter Bruttofläche würden der Fläche von sieben Einfamilienhäusern entsprechen. Und er verwies auf die nun anstehende Feinarbeit. Schließlich handele es sich ja aktuell nur um einen Vorentwurf: „Wir werden das in den kommenden Wochen optimieren.“

Die Ausstellung mit insgesamt 35 Plakaten zu allen eingereichten KBL-Entwürfen können noch bis Mitte Oktober im ersten Obergeschoss des Weyher Rathauses besichtigt werden.

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