Ehrenamt in Melchiorshausen Eine Auszeichnung für stete Bewegung

Sie mag Rhythmen, Motorräder und ihre Hunde: Birgit Sündermann, 1. Vorsitzende des TSV Melchiorshausen, ist immer in Bewegung. Für ihr Engagement ist sie am „Tag des Ehrenamtes“ vom Land geehrt worden.
15.10.2019, 17:28
Lesedauer: 3 Min
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Von Maike Plaggenborg

Für Birgit Sündermann ist jeder Mensch gleich irgendwie, sagt sie. Und so lebt sie es – ob neulich, als sie von Ministerpräsident Stephan Weil eine Auszeichnung bekommen hat oder wenn sie als 1. Vorsitzende des TSV Melchiorshausen unterwegs ist. Und dort unter anderem Sport mit Kindern mit Beeinträchtigung macht.

Sündermann spürte keine Ehrfurcht, als der niedersächsische Landesvater den Raum betrat, in dem auch all die anderen Ehrenamtler bereit standen, um sich für ihr Engagement würdigen zu lassen. Ganz normal habe sie „Hallo!“ gesagt – im Gegensatz zu den anderen. Für alle gleichermaßen gab es einen Anstecker mit dem Niedersachsen-Pferd und eine seidig-schimmernde champagnerfarbene Urkunde mit Weils Unterschrift. „Frau Birgit Sündermann hat sich durch ehrenamtliche Tätigkeit verdient gemacht“, steht darauf und dass die Niedersächsische Landesregierung ihr dafür dankt und ihre Anerkennung ausspricht.

Es sind vor allem drei Bereiche, in die sich Sündermann reingehängt hat oder es noch immer tut, wie es in der Ansprache in Hannover hieß. Flüchtlingsarbeit innerhalb des TSV wurde genannt, ebenso ihre Arbeit als Streetwatcherin, bei der sie sich um Jugendliche in der Gemeinde kümmert oder eben auch als Funktionsträgerin in ihrem Melchiorshauser Sportverein. Seit etwa 13 Jahren ist die 52-Jährige dort dabei, seit fünf Jahren ist sie an der Vereinsspitze – als erste Frau überhaupt. Aber weder das noch die Tatsache ihrer Position in dem 780-Mitglieder-Verein irritieren sie. Sie denkt nicht darüber nach. Sie macht es einfach.

Und so hält sie es auch mit dem Sport. Es begann mit dem Trampolinschein, den sie damals machte, weil es das Angebot zwar in Leeste gab, nicht aber in Melchiorshausen. Sie hat als Trainerin mehrere Lizenzen dafür, ist aber ebenso Übungsleiterin bei Eltern-Kind-Gruppen, beim Drumbata, im Drums Alive, bei Vorschulgruppen oder auch im Reha- und Präventionsbereich sowie mit Inklusionskindern. „Man muss im Rhythmus bleiben“, sagt sie über die taktlastigen Sportarten. Drums Alive etwa meint ein Trommel-Fitnessprogramm, bei dem die Sportler zu Musik mit Drum-Sticks auf 75 Zentimeter große Gummibälle schlagen. Dabei achtet sie auf Über-Kreuz-Bewegungen. „Da kriegt das Gehirn einen anderen Job“, sagt sie. „Das ist ganz wichtig. Weil wir fast immer dieselben Sachen machen.“ Drums Alive steckt auch im Drumbata, einem rhythmischen Intervalltraining. „Drumbata gibt es hier nirgends“, sagt sie. Über den Kreissportbund habe der Verein den Sport „breit gemacht“. Die Nachfrage bestätige das. Die Intervalle dafür habe sie auf Basis einer Sport-DVD entwickelt. „Es steckt viel Arbeit drin“, aber: „Für mich ist das Spaß.“

Die Choreografien für beide Sportarten schreibt sie selbst. Das sind die wenigen Momente, in denen Sündermann mal für sich ist und Kopfhörer trägt. Die Vereinsvorsitzende ist gesellig und selten allein. Sie vermisst es nicht und sagt: „Das brauche ich nicht“. Ist sie nicht von Mitgliedern und Kursteilnehmern umgeben, ist es ihre Familie. Ihr Ehemann und drei ihrer vier Kinder sind ebenfalls im Verein aktiv, auch als Übungsleiter. Mit ihrem Mann arbeitet sie obendrein stundenweise gemeinsam in einem Versicherungsbüro. Das ist „trotzdem nicht nervig“, denn die beiden sehen sich ansonsten nicht allzu viel. Mit manchen TSV-Kollegen gibt es regelmäßige Treffen und auch Fahrten. „Ich lege viel Wert darauf, dass wir ein tolles Verhältnis untereinander haben“, sagt sie. Wenn die gelernte Schneiderin, die zehn Jahre lang eine eigene Änderungsschneiderei hatte, einmal nichts mit Vereinssport zu tun hat, fährt sie Motorrad – am liebsten mit ihrer Tochter. Ohne Motor und dennoch mit Bewegung geht es regelmäßig mit den beiden Hunden raus.

Sündermanns Antrieb für ihr Ehrenamt ist die Ankerkennung. Viel Dankbarkeit komme zurück, von älteren Sportlern, die ihre Beweglichkeit zurückbekommen oder auch durch die Freude von Kindern mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen. Oder eben von einem ganzen Land. Mit Urkunde und Anstecker.

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